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Tagblatt Online
10. Mai 2011, 01:09 Uhr

Durch Rituale Zeit gewinnen

Untermeister Rolf Hofstetter und Altmeister Kaspar Schuh (rechts) im Versammlungsraum der Odd Fellows an der Burgstrasse 39 in St. Gallen. Zoom

Untermeister Rolf Hofstetter und Altmeister Kaspar Schuh (rechts) im Versammlungsraum der Odd Fellows an der Burgstrasse 39 in St. Gallen. (Bild: Michel Canonica)

Die Mitglieder der Bruderschaft Odd Fellows wollen sich auf das Wesentliche besinnen, Gutes tun und an sich selber arbeiten. Mit dabei in der St. Galler Loge sind auch zwei Engelburger.

rafael rohner

engelburg. Bruderschaften haben etwas Geheimnisvolles. Noch heute ranken sich Mythen und Verschwörungstheorien um Bünde wie beispielsweise die Freimaurer. Etwas weniger bekannt als die Freimaurer, aber mit einer ähnlichen Entstehungsgeschichte sind die Odd Fellows (siehe Kasten). Altmeister beziehungsweise Untermeister in der Sektion Alpstein in St. Gallen sind Kaspar Schuh und Rolf Hofstetter aus Engelburg.

Totenkopf heisst Vergänglichkeit

«Geheim ist bei uns nichts», stellt Kaspar Schuh gleich zu Beginn des Gesprächs klar. «Jeder, der will, erhält Einblick.» Und so erklären die beiden zum Beispiel auch freimütig die Bedeutung der auffälligen Symbole und Sinnbilder hinter einem der Rednerpulte im Versammlungsraum der Odd Fellows. Der Totenkopf mit den gekreuzten Knochen bedeutet Vergänglichkeit, die Axt steht für Handeln. Und auf dem dritten Bild, in einem Dreieck von einem Strahlenkranz umgeben, ist ein allsehendes Auge zu sehen. «Die Odd Fellows gehören aber keiner bestimmten Religion an», sagt Schuh. «Religion und politische Haltung sind jedem Mitglied selber überlassen.»

Mit Mystik wenig zu tun

Grundsätzlich gehe es den Odd Fellows darum, an sich selber zu arbeiten. Unter Einhaltung formaler Rituale werde während ihrer Treffen über Freundschaft, Nächstenliebe und Wahrheit gesprochen. Diese drei Begriffe sind auch im Signet der Bruderschaft enthalten und werden mit drei ineinander verschlungenen Ringen dargestellt.

«Die Rituale während der Sitzungen haben nichts mit Mystik oder Ähnlichem zu tun», sagt Schuh. Vielmehr seien sie wichtig, um sich besser vom Alltag lösen zu können und den Gesprächen mehr Tiefgang zu verleihen. «Wir schaffen uns dadurch in der heutigen schnelllebigen Zeit eine Art Zeitinsel.» Aber nicht nur die Suche nach dem Wesentlichen und dem Lebenssinn scheint den Odd Fellows wichtig. Immer wieder heben die beiden Engelburger auch die Geselligkeit hervor. Nach den Sitzungen werde jeweils im Gemeinschaftsraum diskutiert und gemeinsam zu Abend gegessen. Zudem würden verschiedene Ausflüge oder Treffen mit Angehörigen und Gästen organisiert. Als Untermeister ist Rolf Hofstetter für diesen, den geselligen, Teil der Versammlungen verantwortlich. Altmeister Kaspar Schuh hingegen ist zuständig für die Werbung neuer Mitglieder. Die Ämter bei den Odd Fellows wechseln in der Regel alle zwei Jahre.

Auf dem Jakobsweg

Kennengelernt haben sich Kaspar Schuh und Rolf Hofstetter nicht in ihrem Wohnort Engelburg, sondern vor einigen Jahren beim Wandern auf dem Jakobsweg. Dort hat der heute 62jährige Rolf Hofstetter vom heute 76jährigen Kaspar Schuh das erste Mal von der Bruderschaft gehört. «Aufgrund der Erzählungen wollte ich mehr wissen.» Und so besuchte Hofstetter verschiedene Anlässe der Odd Fellows und entschloss sich schliesslich zum Beitritt. Grundsätzlich könne jeder mitmachen, sagt Schuh. Die Bereitschaft, an den Sitzungen teilzunehmen, die alle zwei Wochen stattfinden, und eine gewisse Grundeinstellung müssten aber vorhanden sein. Ob das der Fall ist, werde vorgängig in Gesprächen geklärt. Auch junge Männer seien willkommen. Zurzeit sind von den 25 Mitgliedern der St. Galler Bruderschaft die meisten im Pensionsalter.



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