Tagblatt Online, 09. September 2010 01:02:44
Dörfliche Struktur erhalten
Ländliche Idylle: Häggenschwil wird von Ortsplaner Armin Meier als ausgesprochen schönes Strassendorf bezeichnet. (Bild: Bild: Reto Martin)
HÄGGENSCHWIL. Häggenschwil soll eine Wohngemeinde bleiben. Aber auch moderat wachsen. Wo und wie dies geschehen kann, wird im revidierten Richtplan aufgezeigt.
marianne bargagna
An der Wand in der Aula der Primarschule hängen zahlreiche Kinderzeichnungen, zusammengefügt zu zwei grossen Bildern, Plänen gleich. Da gibt es vieles zu entdecken: Viele Wiesen, Blumen, Bäume, Bäche – und wenige Häuser. Vorstellungen der Kinder von ihrer Umgebung. Die Pläne der Erwachsenen sehen etwas anders aus. Der revidierte Richtplan zum Beispiel (Tagblatt vom 4. September). Im Computer erstellt. Er zeigt auf, wo sich Häggenschwil und Lömmenschwil weiter entwickeln sollen.
Mit dem Richtplan wagen die Häggenschwiler einen Blick in die Zukunft. Das tun gegenwärtig auch die Stadtsanktgaller. Dort will der Stadtrat die Position St. Gallens als Zentrum der Ostschweiz weiter stärken. Häggenschwils Ambitionen sind bescheidener. Die Landgemeinde will die dörfliche Struktur erhalten.
Richtplan zeigt Richtung
Am Dienstagabend liessen sich etwa 60 Frauen und Männer über diese Strategie informieren. Gemeindepräsident Hans-Peter Eisenring war überrascht: «Mit so einem grossen Aufmarsch haben wir nicht gerechnet.» Ob es mit seinem ersten offiziellen Auftritt als Gemeindepräsident oder eben mit der revidierten Richtplanung zusammenhing, diese Frage blieb offen. Auf jeden Fall erfuhren die Häggenschwiler unter anderem, dass sich ihre Gemeinde moderat entwickeln soll und dass Häggenschwil eine Wohngemeinde ist und bleiben soll.
Darum sei bei der Überarbeitung des Richtplans die Erhaltung der dörflichen Strukturen nie aus den Augen gelassen worden. Vom Ortsplaner Armin Meier vom Planungsbüro Strittmatter Partner AG erfuhren die Einheimischen, dass Häggenschwil ein ausgesprochen schönes Strassendorf sei, das es zu erhalten gelte. Und damit das Ortsbild.
Bevor Meier auf einzelne Punkte einging, erklärte er, was der Richtplan will: Es gehe nicht um Einzonungen, sondern lediglich um das Aufzeigen, wo Bauland eingezont werden könnte. Der Richtplan sei also quasi ein Strategiepapier des Gemeinderates. Und diese Strategie lautet: Ein Bevölkerungswachstum auf verträglichem Niveau, wie Gemeinderat Raffael Gemperli betonte. Meier erklärte, dass aus dem Richtplan auch hervorgehe, dass es in der Gemeinde nicht viele Flächen für mögliches Bauland gebe. Komme hinzu, dass sich rund um Häggenschwil wie Lömmenschwil Fruchtfolgeflächen befänden.
Was bei einer Umzonung zu Konflikten führen könne. Aber: «Wenn ein Bedürfnis nach Bauland ausgewiesen werden kann, dann sollte es möglich sein.»
Kritisch anschauen
Vieles erfuhren die Häggenschwiler. Fragen hatten sie am Dienstag keine. Sie haben aber jetzt die Möglichkeit, den revidierten Richtplan entweder im Internet oder im Gemeindehaus zu studieren. Meier forderte sie denn auch auf, «den Plan kritisch, sehr kritisch anzuschauen».
Und Impulse zu geben. Bei Fragen könne man beim Gemeindepräsidenten ungeniert klingeln. Bis Mitte Oktober soll, so das Ziel des Gemeinderates, die Vernehmlassung abgeschlossen sein. So könnte das ganze Paket noch vor Ende Jahr dem Kanton zugestellt werden.
- Artikel empfehlen:









Zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden.
Kommentar schreiben