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Tagblatt Online
19. Februar 2016, 18:51 Uhr

Das eigene Glück teilen

Godelive Frefel-Ndayisenga aus Mörschwil: «Es erfüllt mich, wenn ich Menschen helfen kann, denen es nicht so gut geht.» Zoom

Godelive Frefel-Ndayisenga aus Mörschwil: «Es erfüllt mich, wenn ich Menschen helfen kann, denen es nicht so gut geht.» (Bild: Ralph Ribi)

Godelive Frefel-Ndayisenga gibt Waisenkindern in Burundi ein Zuhause. Das Wohl der Menschen in ihrer Heimat liegt der Kriegsgeflohenen am Herzen. Auch weiss sie bereits, wie sie den Erlös des Mörschwiler Suppentags einsetzen wird.

ANGELINA DONATI

MÖRSCHWIL. Ob regional, national oder international – die Liste der wohltätigen Institutionen ist unendlich lang. Das allerdings konnte Godelive Frefel-Ndayisenga nicht davon abhalten, eine eigene Projektgruppe zu gründen: «Ensemble». Auch die Vorbehalte ihres Mannes, zuerst alles sorgfältig zu prüfen und einen detaillierten Businessplan zu erstellen, halfen nichts. «Wenn ich mir mal etwas in den Kopf gesetzt habe, dann lasse ich nicht mehr davon ab», sagt die 55jährige Afrikanerin, die mit ihrem Mann und den beiden Kindern in Mörschwil lebt.

Grauenhaftes erlebt

Den Entschluss, Armutsbetroffenen in ihrer Heimat zu helfen, fasste Godelive Frefel, als sie ihre Heimat Burundi Jahre nach dem Bürgerkrieg wieder besuchte. «Es war schrecklich zu sehen, wie schlecht es den Menschen geht. Ein reiches Land war es ja noch nie, aber eine solche Armut hat mich dann doch schockiert. Ihr selber sei es stets gut ergangen: Sie studierte Betriebswirtschaft, hat gearbeitet und ein schönes Zuhause gehabt – bis dann der Bürgerkrieg ihr Leben veränderte. 1991 musste sie alles zurücklassen und mit ihrem vierjährigen Sohn fliehen. So kam sie in die Schweiz. «Ich musste Grauenhaftes durchmachen», sagt Godelive Frefel. Ihr fröhliches Lachen erlischt und ihre Augen werden trüb. Zu schmerzhaft sind die Erlebnisse, um weiter darüber zu sprechen.

Die Kinder mit ihren Betreuern im Waisenhaus in Burundi. Zoom

Die Kinder mit ihren Betreuern im Waisenhaus in Burundi.
(Bild: pd)

Ein Herz für Waisen

Geblieben sind die Spuren des Krieges bis heute: «Viele Kinder haben ihre Eltern verloren. Und wegen fehlender medizinischer Versorgung sterben auch einige an Krankheiten», sagt Godelive Frefel. Bei ihrem Besuch in der alten Heimat war die Zahl der Waisenkinder besonders auffällig, wie die Mörschwilerin sagt. Zu sehen, wie Kinder hungernd, mit zerrissenen Kleidern und ohne Bildung aufwachsen müssen, machte Godelive Frefel tief betrübt. «Für mich stand sofort fest, dass ich Kindern, die beide Elternteile verloren haben, ein neues Zuhause geben möchte.»

Unterstützung ist gross

Ohne eine Grundinvestition und die grosszügige Unterstützung durch Familie, Freunde und Spender, wäre das 2007 initiierte Projekt aber nie zustande gekommen. Pro Jahr sind über 12 000 Franken nötig. Einen wichtigen Grundstein legte der Schwiegervater von Godelive Frefel. Zu seinem damaligen 70. Geburtstag organisierte er eine Spendenparty. «An unserem Projekt waren die Mörschwiler von Beginn weg interessiert und spenden auch heute noch grosszügig», freut sich Godelive Frefel, die Mitglied des Pfarreirats von Mörschwil ist. Mit den vielen Beiträgen konnte das Projekt rasch wachsen: Bereits ein Jahr nach der Gründung war das Waisenhaus in Burundi fertig erstellt und bezugsbereit. Heute haben dort zwölf Kinder eine neue Heimat gefunden und werden von Betreuerinnen rund um die Uhr umsorgt. Im Garten gedeihen Früchte und Gemüse. Und die Ziegen, die gehalten werden, dienen als eine Art «Streichelzoo». Vor einem Jahr konnte zudem eine Photovoltaikanlage auf dem Hausdach installiert werden, welche einen Teil des Stroms generiert.

Haus vergrössern

Am diesjährigen Suppentag in Mörschwil von übermorgen Sonntag fliesst der Erlös in das Projekt von Godelive Frefel. Sie ist ausser sich vor Freude. «Mit dem Geld wollen wir das Haus vergrössern und dann 16 weitere Kinder aufnehmen. Auch die Photovoltaikanlage soll ausgebaut werden.»

Was eigentlich bedeutet «Godelive» auf Deutsch übersetzt? «Ein gutes Leben>», sagt Godelive Frefel und ergänzt: «Meine Wege sind bislang immer gut verlaufen und ich bin mit viel Glück gesegnet. Grund genug, dieses mit anderen zu teilen», sagt sie und strahlt zufrieden.



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