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Tagblatt Online, 11. Juli 2012 01:34:16

Das Aus für die Metzgerei

Abtwil - Metzgerei Hengartner Zoom

Noch bis am Samstag verkaufen Maria und Sepp Hengartner ihre Fleischspezialitäten. (Bild: Ralph Ribi)

Das Ehepaar Hengartner hat keinen Nachfolger für seine Metzgerei finden können. Am Samstag schliesst das Geschäft deshalb für immer seine Türen. Die Abtwiler bedauern das sehr.

DANIELA DECURTINS

ABTWIL. Von aussen sieht die Metzgerei Hengartner aus wie immer. Es herrscht ein reges Kommen und Gehen auf dem Parkplatz vor dem Fleischfachgeschäft. Beim Betreten des Ladens fallen jedoch die halbleeren Regale auf. Sie werden nicht mehr aufgefüllt. Denn in vier Tagen schliesst die Metzgerei ihre Türen – für immer. «Jede Woche muss in der Schweiz eine Metzgerei zumachen», sagt Sepp Hengartner, Inhaber des Geschäfts, traurig. Ein Grund seien die Grossverteiler. «Doch wir haben uns aus anderen Gründen entschieden, den Laden zu schliessen», so der 60jährige Metzgermeister.

«Eine anstrengende Arbeit»

Während neun Jahren hat das Ehepaar Hengartner die Metzgerei an der Hauptstrasse in Abtwil geführt. Fehlende Kundschaft sei nicht der Grund, weshalb die beiden ihr Geschäft aufgeben. «Wir waren zufrieden mit der Nachfrage in unserer Gemeinde.» Doch warum gibt man eine Metzgerei, die gut läuft, wenige Jahre vor der Pensionierung auf? «Die Arbeit ist meiner Frau und mir zu anstrengend geworden», sagt Hengartner. Er habe von morgens um halb fünf bis abends um sieben Uhr gearbeitet. «Für zusätzliche Mitarbeiter ist der Laden zu klein», sagt er weiter.

Keinen Nachfolger gefunden

Vor knapp einem Jahr haben die Hengartners begonnen, einen Nachfolger für ihr Geschäft zu suchen. «Leider ohne Erfolg», sagt der Metzgermeister. Es haben sich anfangs zwar drei Interessenten gemeldet, sich dann aber wieder zurückgezogen. «Es gibt auch grosse Nachwuchsprobleme bei den Metzgern», sagt Hengartner. Denn die wenigsten jungen Leute wollten heute einen solch strengen Beruf erlernen, obwohl die Karrieremöglichkeiten gut seien, sagt er.

Stammkunden sind traurig

Die Abtwiler Fleischliebhaber kaufen in dieser Woche bei Hengartners nochmals eifrig ein. «Ich möchte mir noch ein letztes Mal das feine Metzger-Gulasch besorgen», sagt eine langjährige Kundin. Sie ist traurig über den Weggang der Hengartners. «Sepp Hengartner hat je nach Saison immer wieder neue Fleisch-Kreationen gezaubert», sagt sie. Im Frühjahr zum Beispiel habe es Frühlings-Steak mit Bärlauch gegeben. «Ich kenne keine Metzgerei, die ein abwechslungsreicheres Angebot hat als diese hier.» Hengartner, der seinen Beruf trotz der Anstrengungen gerne ausgeübt hat, wird in Zukunft weiter als Metzger tätig sein. Bald tritt er eine 50-Prozent-Stelle in Arnegg an. «Ich freue mich sehr auf mehr Freizeit», sagt er. Zusammen mit seiner Frau will er sich von nun an vermehrt um Haus und Garten kümmern. Die Schliessung des Ladens erfolgt deshalb nicht nur mit einem weinenden, sondern auch mit einem lachenden Auge.




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