Tagblatt Online, 04. September 2010 01:01:24
Baulandreserve schrumpft
Im Beckenstein West soll neues Bauland geschaffen werden. Der entsprechende Teilzonenplan wird ausgearbeitet. (Bild: Bild: Benjamin Manser)
HÄGGENSCHWIL. Bauland ist in der Gemeinde Häggenschwil ein rares Gut. Nicht aber die Nachfragen nach solchem. Im Rahmen der Richtplanrevision wird nun aufgezeigt, wo neues Bauland und damit neuer Wohnraum geschaffen werden kann.
marianne bargagna
Zwischen Bodensee und Alpstein liegt Häggenschwil. Eine kleine Gemeinde mit etwa 1180 Einwohnern – «und zwei schönen ruhigen Dörfern», sagt Gemeindepräsident Hans-Peter Eisenring. Eine Gemeinde aber auch, die wachsen, sich entwickeln möchte. «Nicht explosionsartig, aber moderat.» Angestrebt wird ein jährliches Bevölkerungswachstum von etwa einem Prozent. Soll dieses erreicht werden, braucht es Wohnraum. Der aber nur geschaffen werden kann, wenn Bauland vorhanden ist. Und dieses ist in der Gemeinde rar.
«Heute haben wir praktisch keine Baulandreserve mehr», sagt Eisenring. Aber immer wieder Nachfragen nach solchem.
Ein Teil dieser Nachfragen kann auf dem Fuchs-Areal befriedigt werden. Denn der entsprechende Überbauungsplan wurde dieser Tage vom Kanton genehmigt. Hier gibt es Platz für sechs Einfamilienhäuser und zwei Mehrfamilienhäuser mit je fünf bis sechs Einheiten.
Wohnraum, der wohl schnell belebt sein wird, denn laut Aussage des Gemeindepräsidenten gibt es eine Liste von etwa 20 Interessenten.
Beckenstein West umsetzen
Mit der Überbauung des Fuchs-Areals schrumpft die Baulandreserve weiter. Neues Bauland braucht die Gemeinde also. Wo, darüber gibt der revidierte Richtplan Auskunft. Im Dorf Häggenschwil im Gebiet Beckenstein West, wo es Platz für acht bis zehn Einfamilienhäuser gibt.
In einer Mitteilung des Gemeinderates heisst es dazu, dass ein Teilzonenplan Beckenstein West ausgearbeitet werde. Eisenring sagt: «Ich bin der Meinung, das sollte man umsetzen.» Im Dorfzentrum von Häggenschwil gibt es auch noch zwei Areale für Mehrfamilienhäuser. In Lömmenschwil gibt es im Bereich Sonnenberg Platz für etwa zehn Einfamilienhäuser. Und auf dem Lemmenmeier-Land, das die Gemeinde bereits erworben hat, könnten drei Mehrfamilienhäuser gebaut werden. Alle diese Gebiete hätten erste Priorität, sagt Eisenring.
Weiter in die Zukunft geschaut, gäbe es in Häggenschwil an der Agenstrasse und auf der Hirschenwiese Bauland – aber erst in zweiter und dritter Priorität.
Kanton bremst
Die Häggenschwiler hätten gerne mehr Land als Bauland erster Priorität bezeichnet. Die Gemeinde brauche Bauland, wolle sie die Einwohnerzahl halten oder gar moderat wachsen, sagt Eisenring. «Aber der Kanton bremst uns massiv.
» Der Gemeinde werde nur ein Wachstum von weniger als einem Prozent zugestanden. Die Gründe liegen einerseits in der nicht optimalen Anbindung an den öffentlichen Verkehr. Anderseits darin, weil Häggenschwil nicht dem so genannten Agglo-Programm angehöre. Daher habe der Kanton klar signalisiert, dass in einer ersten Etappe nur sehr beschränkt neue Einzonungen bewilligt würden.
Häggenschwil beugte sich diesem Verdikt und hat gegenüber einem ersten Entwurf der Ortsplanungsrevision eine deutliche Reduktion der Einzonungen in der ersten Etappe vorgenommen.
Etwas wird sich aber nicht verändern: der Wille des Gemeinderates zu einer aktiven Bodenpolitik. Das bedeutet: Die Gemeinde ist jeweils daran interessiert, eingezonte Flächen zu erwerben und selber zu veräussern.
Weniger Gewerbeland
Was beim Betrachten des Richtplanes auffällt: Es gibt keine neuen Gewerbe- und Industriezonen. Im Gegenteil. In Lömmenschwil soll eine Fläche, bis anhin in der Gewerbezone, zurückgezont werden. Denn die Nachfrage nach Wohnraum ist in Häggenschwil und Lömmenschwil grösser als jene nach Platz für Gewerbe und Industrie.
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