Tagblatt Online, 02. Oktober 2008 01:05:33
«Mariaberg» unter Beschuss
Zu viel Lärm dringt nach draussen – die Betreiber des «Mariabergs» versprechen Abhilfe. (Bild: Bild: Rudolf Hirtl)
RORSCHACH. Der Unmut der Nachbarn gegen den Betrieb der Kulturbrauerei Mariaberg hält an. Nach einer ersten Intervention fordern sie erneut die Verlegung des Kulturlokals.
rudolf hirtl
Ginge es nach jenen Anwohnern, die sich über Lärm und Verschmutzungen beschweren, wäre es mit der Kultur im «Mariaberg» bald vorbei: «Wir wollen keine verpissten, verschissenen und verkotzten Haus- und Geschäftseingänge mehr (…) Ebenso wenig wollen wir Mülldeponien von Gläsern, zersplitterten Bierflaschen und Zigarettenkippen auf Trottoirs und in Blumentöpfen.» Die im Frühling ans Stadtpräsidium gesandten Vorwürfe gegen die Betreiber der Kulturbrauerei Mariaberg waren deutlich. Im von 21 Mitstreitern unterzeichneten Schreiben war zudem von eingeschlagenen Fensterscheiben, Sprayereien und Lärmbelästigungen die Rede.
Klärendes Gespräch
Niklaus Reichle, Vizepräsident des Vereins Kulturbrauerei, bezeichnete die Vorwürfe als haltlos, räumte aber Mängel bei der Schalldämmung des Lokales ein. Der Stadtrat Rorschach reagierte und lud beide Parteien zum Gespräch am runden Tisch ein. Die «Maberg»-Betreiber versprachen, Glasdach und Türe gegen den Lindenplatz besser abzudichten und Kontrollgänge während der Öffnungszeiten zu verstärken. Die im Brief verlangte Verlegung der Kulturbrauerei lehnte der Stadtrat mit Hinweis auf die fehlende Rechtsgrundlage hingegen ab.
Der «Waffenstillstand» hielt nicht lange. Am 8. September, nur wenig nach Ende der Sommerpause, verfasste die «Interessengemeinschaft Lindenplatz und Umgebung» erneut ein Schreiben. Das Konzert von Adam Green am 5. August hatte das Fass zum Überlaufen gebracht. Die Vorwürfe im diesmal von 15 Personen unterzeichneten Brief sind dieselben: Nachtruhestörung bis 3.25 Uhr, Abfall vor dem Kulturlokal, Erbrechen und Urinieren auf der Strasse. Zudem wird behauptet, dass unter dem Deckmantel «Kultur» dasselbe Publikum angezogen werde, welches schon im «Buffet» buchstäblich wütete.
Vorwürfe unhaltbar
Kulturbrauerei-Präsident Philipp Bättig weist die Vorwürfe vehement zurück. Eine kleine Gruppe von Leuten habe sich nach dem Konzert zwar vor dem «Mariaberg» aufgehalten. Doch nach Intervention der Betreiber hätte sich diese rasch entfernt. Ausserdem sei die Umgebung, speziell auch der Lindenplatz, vom «Maberg»-Team kontrolliert und wo nötig zudem geputzt worden.
Bättig räumt ein, dass die provisorische Verstärkung der Schalldämmung nicht die erhoffte Verbesserung gebracht habe. Der Verein habe das Gespräch mit dem Vermieter gesucht, um möglichst rasch die notwendigen Massnahmen realisieren zu können. Einen Vergleich mit dem ehemaligen «Buffet» lehnt Bättig ab. Viele der «Mariaberg»-Besucher seien Stammgäste, welche die Problematik kennen und Rücksicht nehmen würden. Zudem sei der Lindenplatz beliebter Treffpunkt vieler junger Leute. Nicht alles, was dort geschehe, gehe auf die Kulturbrauerei zurück.
Wertvoller kultureller Beitrag
Die Unterzeichner des Briefs sind anderer Meinung, fordern erneut die Verlegung des Betriebs. Davon will Stadtpräsident Thomas Müller trotz allem Verständnis für die Anwohner nichts wissen. Die jungen Leute würden einen wertvollen Beitrag im städtischen Kulturleben leisten. Nur grobe Verfehlungen würden eine Schliessung rechtfertigen.
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