Tagblatt Online, 20. November 2010 01:06:06
Mit Spass zu Medaillen
Nathalie Hirsekorn trainiert pro Woche rund zwölf Stunden. Ihr Ziel ist die Teilnahme an einem internationalen Titelkampf. (Bild: Bild: Urs Bucher)
Nathalie Hirsekorn vom SC Wittenbach gehört zu den besten Schweizer Schwimmerinnen. Auch wenn die Trainingsbedingungen nicht immer optimal sind, hält sie ihrem Verein die Treue.
Markus Zahnd
Schwimmen. Der Tag von Nathalie Hirsekorn beginnt in der Regel sehr früh und endet spät. Bereits um sechs Uhr ist sie in der Badi Sonnenrain in Wittenbach und schwimmt Länge für Länge. Danach widmet sie sich der Schule – sie absolviert derzeit die Zweitwegmatura – oder geht ihrer Arbeit als OP-Assistentin in der Klinik im Zentrum in St. Gallen nach. Zeit für etwas anderes bleibt ihr kaum.
Das stört die 20-Jährige allerdings nicht, denn «wenn ich mehr Freizeit hätte, würde ich nur faul herumliegen», sagt sie.
Im Moment trainiert Hirsekorn rund zwölf Stunden pro Woche. Sie schäme sich fast, diese Zahl zu nennen, denn früher habe sie doppelt so viel Zeit investiert. Neben der Schule und der Arbeit ist die Belastung aber immer noch hoch. «Wenn mir das Schwimmen nicht so viel Spass machen würde, hätte ich wohl schon längst aufgehört», gibt die St. Gallerin denn auch zu.
Stolz auf die Clubrekorde
Ans Aufhören hat Hirsekorn bereits früher einmal gedacht. Nach mehreren Titeln an Jugend-Schweizer-Meisterschaften warfen sie Knieprobleme weit zurück. Sie entschied sich aber, wieder ins Training einzusteigen – mit Erfolg. 2007 wurde sie Schweizer Meisterin über 200 Meter Rücken. In diesem Sommer erschwamm sie sich weitere Medaillen und kürzlich wurde sie an den Kurzbahn-Schweizer-Meisterschaften Dritte, ebenfalls über ihre Paradedisziplin 200 Meter Rücken.
Dabei «habe ich endlich den Clubrekord von Chantal Strasser unterboten und halte nun alle Clubrekorde im Rückenschwimmen».
Die einzige aus dem Kanton
Neben Strasser, die Frauenfelderin gewann mehrere EM-Medaillen und nahm an Olympischen Spielen teil, ist ein anderer bekannter Schweizer Athlet einst für den SC Wittenbach ins Wasser gestiegen. «Dominik Meichtry hat hier das Schwimmen gelernt», erzählt Hirsekorn.
Mittlerweile ist die 20-Jährige in dieser Region aber allein auf weiter Flur, an den Kurzbahn-Meisterschaften war sie gar die einzige Starterin aus dem Kanton St. Gallen. «In unserem Kanton fehlt es an guten Schwimmern. Viele gehen weg, wenn sie erfolgreich sind und trainieren zum Beispiel im Raum Zürich.»
Hirsekorn hat sich einen Wegzug auch überlegt, dann aber davon abgesehen. Denn ihr gefällt es beim SC Wittenbach, auch wenn nicht alles optimal sei. «Die Trainings sind nicht immer auf mich abgestimmt, weil ich mit Abstand die Älteste bin.
Zufrieden mit meinem Trainer bin ich aber trotzdem», sagt Hirsekorn, die mittlerweile auch selber Trainings leitet. Auch das bereite ihr viel Freude.
Doch trotz aller Freude macht sich die 20-Jährige auch Gedanken über ihre Zukunft. Ihr sportliches Ziel ist die Teilnahme an einem internationalen Titelkampf. Beruflich hat sie ebenfalls ehrgeizige Pläne: Sie will Medizin studieren. Viel kürzer werden ihre Arbeitstage dadurch kaum.
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