Tagblatt Online, 09. Februar 2012 08:01:00
Wo steht die Volksbad-Planung?
Bäderchef Heinz Brunner vor der Kulisse des Volksbads, des ältesten noch in Betrieb stehenden Hallenbades. (Bild: Ralph Ribi)
Das Bäderkonzept sieht das Volksbad künftig als Gesundheitsbad. Zuerst kommt zwar der Ausbau des Hallenbads Blumenwies an die Reihe, für das Volksbad aber wird die Entwicklung im Bäderwesen aufmerksam verfolgt.
JOSEF OSTERWALDER
Ideen sehen für das Volksbad einen Entwicklungsschub vor, doch auf absehbare Zeit wird hier gebadet wie seit eh und je. «Vor sieben Jahren ist an keine Veränderung zu denken», sagt Bäderchef Heinz Brunner.
Heisst das, dass die angedachte Planung in den Tiefschlaf gefallen ist? «Dies ist explizit nicht der Fall», sagt Brunner auf Anfrage. «Die Zeit soll kreativ genutzt werden, um die Entwicklungen im Bäderwesen genau zu beobachten; zu sehen, welche Tendenzen sich abzeichnen und was davon für St. Gallen in Frage kommt.» So gehört er der Interessengemeinschaft Hallenbäder an, in der Vertreter grosser Bäder ihre Erfahrungen austauschen.
Baden wie im Meer
Eine Grundidee, in welche Richtung sich das Volksbad entwickeln soll, wurde bereits für das Bäderkonzept vom Juni 2010 entworfen. Dieses sieht vor, das jetzige Schwimmbecken zum Solebassin zu machen. Hinzu kämen seitlich angegliedert zwei kleine Becken mit unterschiedlich warmem Wasser und ausserdem ein Saunabereich.
Dies alles steht unter dem Motto Gesundheitsbad. «Das Volksbad wurde vor über hundert Jahren erbaut, um der Hygiene zu dienen», sagt Brunner; «heute steht ein anderer Aspekt im Vordergrund, die Wellness, das körperlich und seelische Wohlbefinden.» Das Bedürfnis dafür ist gross, dies zeigt der Blick auf die privat und kommerziell betriebenen Bäderlandschaften. «Unser Ziel wäre es, diese Wellness-Erfahrung auch Leuten mit einem schmaleren Portemonnaie zu erschliessen.» Auf diese Weise wird die Grundidee des Volksbads, nämlich der Gesundheit zu dienen, beibehalten; gleichzeitig aber auf die neuen Bedürfnisse hin ausgelegt.
Baden im Jugendstil
Am Erscheinungsbild der grossen Schwimmhalle würde sich dabei nichts verändern. Die Umkleideräume kämen allerdings ins Untergeschoss, so dass die jetzigen Kabinen verschwinden und die Räume an Grosszügigkeit gewinnen könnten.
Als Zeuge der Jugendstilzeit hat das Volksbad eine eigene Atmosphäre. Es steht in einer Reihe mit andern in jener Zeit entstandenen Bädern, die teils sorgfältig renoviert wurden. Heinz Brunner verweist auf das eben erschienene Buch von Iris Meder, «Badefreuden», das aussergewöhnliche Bäder in Mitteleuropa vorstellt. Darin gibt es Beispiele, die unmittelbar an das Volksbad erinnern: das Jugendstilbad in Darmstadt, das Merkel'sche Bad von Esslingen oder das Müller'sche Volksbad von München. «Da bildet bereits schon die Architektur ein Alleinstellungsmerkmal.» Der Blick auf diese Beispiele, die Erfahrungen mit deren Sanierungen und Anpassungen können in die künftige Planung für St. Gallen einfliessen.
Bleibende Trümpfe
Bis es so weit ist, geht der Betrieb allerdings in gewohntem Rahmen weiter. Denn einige Trümpfe kann das Bad auch in der jetzigen Form ausspielen: Frühschwimmen am Mittwoch ab 7 Uhr, Spielplausch am Mittwochmittag, Erwärmung auf 33 Grad am Donnerstag.
Auf dem Plan gibt es zwar immer wieder Zeiten, an denen es «geschlossen» heisst. Gebadet wird aber dennoch. Diese Zeiten sind besondern Benützern wie etwa der HP-Schule oder Sprachheilschule reserviert. Das gleiche gilt für einzelne Abende, an denen die Vereine trainieren.
Gruppen haben auch die Möglichkeit, während der geschlossenen Zeit das Volksbad zu mieten, davon macht zum Beispiel eine islamische Gruppe am Sonntagvormittag Gebrauch. Riesig ist der Run auf das Volksbad heute zwar nicht; umso mehr schätzen es jene, die es als Geheimtip entdeckt haben.
-
Weitere Artikel zu diesem Thema:
- Artikel empfehlen:










Zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden.
Kommentar schreiben