Weniger Dreck, mehr Mottbrände

ST.GALLEN. Die Unterflurabfallkübel mit Aschenbecher haben die Stadt zwar sauberer gemacht, aber ein neues Problem geschaffen: Falsch entsorgte Zigarettenstummel setzen den Abfall in Brand. Ganz vermeiden lässt sich das nicht.

06. Januar 2016, 06:41
ELISABETH REISP

Vor fast zehn Jahren wurden die ersten Unterflurabfallbehälter in der Innenstadt eingebaut. Die Metallzylinder mit Aschenbecher auf der Oberseite fügen sich unauffällig ins Stadtbild ein. Besondere Aufmerksamkeit erregen die Abfalleimer, die unterirdisch über ein Fassungsvermögen von 600 bis 1000 Litern verfügen, nur, wenn es aus der Öffnung qualmt wie aus einer Kehrichtverbrennungsanlage. Das geschieht immer dann, wenn ihr Inhalt wegen eines falsch entsorgten und nicht ausgedrückten Zigarettenstummels zu motten beginnt. Die Feuerwehr muss deswegen mehr als einmal in der Woche ausrücken.

Kübel Wasser reicht nicht

«Wir stellen fest, dass mit den neuen Kübeln diese Art der Einsätze zunimmt», sagt Christian Isler, Kommandant Feuerwehr und Zivilschutz St.Gallen. Besonders häufig brennen die Eimer am Bohl, beim Marktplatz, in der Neugasse und in der Multergasse. Orte, an denen sich besonders viele Menschen aufhalten.

Isler vermutet, dass der integrierte Aschenbecher die Ursache für die Zunahme der brennenden Abfalleimer ist. Ist der Aschenbecher voll, können Kippen durch eine Öffnung im Inneren in den normalen Abfall gelangen. «Aber auch sorglose oder unkonzentrierte Raucher, die glimmende Zigarettenstummel in den Abfall statt durch die obere Öffnung in den Aschenbecher werfen, können einen Mottbrand entfachen.» Gefährlich sind diese Mottbrände gemäss Isler nicht. Nicht einmal Blaulicht und Martinshorn werden für solche Einsätze der Feuerwehr eingesetzt. Ausrücken muss die Feuerwehr dennoch. Denn die Mottbrände können eben nicht mit einem Kübel Wasser gelöscht werden können. Gemäss Isler brauche es für einen wirkungsvollen Löscheffekt Wasser mit Schaumzusatz.

Brände sind nicht vermeidbar

Das Problem mit den Bränden habe es immer gegeben, relativiert Strasseninspektor Gerald Hutter. «Die grünen Plastikkübel sind jeweils regelrecht weggeschmolzen.» Dass die Feuerwehr ständig brennende Kübel löschen muss, will die Stadt aber vermeiden. «Wir haben mit dem Hersteller der Abfalleimer nach Lösungen gesucht», sagt Hutter. Ein Schnappverschluss soll künftig vermeiden, dass Stummel aus dem Aschenbecher in den Abfall gelangen. Werden die Kippen aber noch glimmend in die Öffnung für den Abfall geworfen, nützt auch der neue Verschluss nichts.

Auf die Aschenbecher zu verzichten, sei keine Lösung, sagt Hutter. Das Bedürfnis sei ausgewiesen. Passanten wollen keine Stummel auf den Strassen sehen. «Das System stimmt so.» Weniger Putzaufwand hat das Strasseninspektorat deswegen aber nicht. «Wir fahren immer noch gleich viele Touren. Egal wie viele Stummel auf der Strasse liegen.»

Stadt ist sauberer geworden

Gemäss Gerald Hutter sind die Unterflurabfalleimer, abgesehen von den unerwünschten Mottbränden, eine eigentliche Erfolgsgeschichte. «Mit den neuen Abfallbehältern ist die Stadt nun sauberer geworden.» Das System wurde in Deutschland entwickelt. St.Gallen hat es als eine der ersten Schweizer Städte übernommen. «Andere Städte wie Basel haben bereits Interesse am System gezeigt, vor allem am Entleerungsfahrzeug», sagt Hutter. Die Abfallbehälter werden durch ein eigens umgebautes Reinigungsfahrzeug abgesaugt.

Aufgestellt sind die rund 140 Abfalleimer in der Innenstadt und an stark frequentierten Orten, wie etwa an Bushaltestellen oder vor Einkaufszentren. In den Aussenquartieren werden jedoch die grünen Plastikkübel beibehalten. Deren Fassungsvermögen von 50 Litern reiche dort aus.


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