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Tagblatt Online
11. März 2016, 06:01 Uhr

Verständnis für Blitzer und Fahrer

Stein des Anstosses: Der Blitzer an der Lindenstrasse beim Kantonsspital. Zoom

Stein des Anstosses: Der Blitzer an der Lindenstrasse beim Kantonsspital. (Bild: Urs Bucher)

Der Radarkasten beim Kantonsspital an der Lindenstrasse erhitzt die Gemüter. An diesem Standort aufgewühlte Spitalbesucher zu blitzen, sei schikanös. Politiker sind in ihrem Urteil gnädiger, verstehen aber den Ärger der Autofahrer.

Elisabeth Reisp

ST.GALLEN. Ein Autolenker ist empört: Vergangene Woche musste er ein Familienmitglied im Spital besuchen, das offenbar einen Herzstillstand erlitten hatte. Um sich zu orientieren, liess er den Tacho aus den Augen und wurde geblitzt. Der Radarkasten steht an der Lindenstrasse in der Tempo-30-Zone (Tagblatt vom Dienstag).

Auf Facebook hat sich der Autofahrer an die Stadtpolizei gerichtet und sich darüber beschwert. Den Standort kritisierte er als «ethisch überhaupt nicht vertretbar». Damit löste er eine heftige und anhaltende Diskussion aus: Hunderte Kommentare zu diesem Fall und zum Standort des Blitzers waren die Folge. Ist ein familiärer Notfall eine Rechtfertigung für eine Geschwindigkeitsübertretung? Und ist der Standort des Radarkastens wirklich «unethisch»?

Zwei Herzen in einer Brust

Die Meinungen gehen auseinander. Auch auf politischer Ebene ist eine Schwarzweiss-Zeichnung des Falles nicht möglich. Es gibt Grautöne. So etwa bei FDP-Fraktionschef Roger Dornier, einerseits freisinniger Politiker, andererseits Jurist. «Ja, bei diesem Thema schlagen zwei Herzen in meiner Brust», räumt er freimütig ein.

«Manchmal eine Schweinerei»

Als Jurist argumentiert Dornier mit den geltenden Gesetzen. «Verkehrsvorschriften gelten für alle. Wo Tempo 30 gilt, darf mit maximal 30 Stundenkilometern gefahren werden.» Im Einzelfall könne man gegen eine Busse den Rechtsweg beschreiten. Dann liege es im Ermessen des Richters, ob er die Busse erlässt oder nicht.

Roger Dornier FDP-Stadtparlamentarier Zoom

Roger Dornier FDP-Stadtparlamentarier
(Bild: (FDP))

Durchaus diskutabel sei aber die Frage, ob an dieser Stelle eine Tempo-30-Zone Sinn mache, sagt Dornier, der Politiker. Seiner Meinung nach sei eine Tempo-30-Zone beim Kantonsspital durchaus sinnvoll, genauso wie etwa bei Schulhäusern. «So habe ich nicht immer gedacht, aber 50 Stundenkilometer sind eben schon sehr schnell.»

Gewisse Radarkästen seien hingegen durchaus «eine Schweinerei». Auch würden in der Tendenz zu viele Geschwindigkeitskontrollen gemacht. «Es ist eine Frage der Prioritätensetzung. Mit wäre es lieber, die Polizei würde das subjektive Sicherheitsgefühl stärken, indem sie etwa intensiver gegen Einbrüche vorgeht.»

Doris Königer SP-Stadtparlamentarierin Zoom

Doris Königer SP-Stadtparlamentarierin
(Bild: (SP))

Weniger Verständnis für die Diskussion hat Doris Königer, SP-Stadtparlamentarierin. Manchmal sei sie auch etwas schnell unterwegs auf ihrem Rennvelo. «Abwärts habe ich plötzlich ein ziemliches Tempo drauf. Das ist wahnsinnig gefährlich.» Geblitzt wurde sie auf dem Rennvelo noch nie. Und im Auto stelle sie konsequent den Tempoautomaten ein. «Eine Busse ist zwar ärgerlich, erinnert einem aber daran, wie gefährlich ein zu hohes Tempo ist.

Ethik steht nicht zur Diskussion

Auf die Frage, ob der Standort «ethisch» sei oder eben nicht, möchte Doris Königer gar nicht erst eingehen. «Hier geht es nicht um Ethik, sondern um Sicherheit», sagt Königer. Im Gebiet rund um das Kantonsspital bewegen sich viele schwächere Fussgänger, etwa jene an Krücken, «und alle Autofahrer sind dort etwas nervös». Daher müssten alle vorgeschriebenen Tempi «unbedingt» eingehalten werden. Wenn der Radarkasten die einzige Möglichkeit sei, die Einhaltung des Tempos zu gewährleisten, dann brauche es dort halt einen Kasten. «Dasselbe gilt auch für die Gebiete rund um Schulhäuser.»



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Kea (11. März 2016, 16:48)
tja

auch mich hats erwischt. Aber was solls..... die VIERZIG FRanken werde ich auch verkraften. Aber es gibt nur einen Schuldigen: Mich!!
Ich habe nicht auf die Geschwindigkeit geschaut.Als ich für einen Termin im Spital auf Parkplatz Suche war. Und ich bin der Behörde nicht böse, dass sie Ihre arbeit machen

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v.adian (11. März 2016, 11:10)
Autobahn-Zubringer Schleichweg

Der Blitzer hat doch eine ganz andere Funktion: Jeder Ortskundige weiss es doch: Die Lindenstrasse führt direkt zur Autobahn und man hat - zur Autobahn oder von ihr weg wieder in die Stadt - über diese Lindenstrasse einen "Vorteil", weil erst wieder bei der Splügenstrasse eine Ampelanlage steht und die Abkürzung wirklich als solche gelten kann. Dass hier das "Spitalgelände" sein soll, finde ich eher fraglich...die Strasse ist sehr breit, sehr übersichtlich und ziemlich gerade und zudem abschüssig. Das eigentliche Spitalgelände ist Gynäkologie, Häuser 02, 03 etc. und da kann man sowieso praktisch nur etwa 20-25 km/h fragen wegen den vielen Passanten....also...noch Fragen? Einfach aufpassen, liebe ortskundige "Autobahn-Aufsucher"!

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MitdenkerSG (11. März 2016, 10:23)
Rechtssschutzversicherung einschalten.....

Wenn das Foto authentisch ist, bin ich mir fast sicher das diese 30er Zone "ungeprüft ist", man sieht keinerlei Schikanen, Verengungen etc die passiv den Verkehr verlangsamen. Das Strassenverkehrsgesetz verlangt das aber und verlangt (kontrolliert werden soll) das sich über 80% über einen gewissen Zeitraum dran halten.
Jedem Autofahrer der mit einem ungeprüften Auto rumfährt (nicht vorgeführt) wird die Nummer entzogen.
Leider werden eben die Behörden die solche "Sauereien" gegen das Volk veranstalten nicht gebüsst.
Es ist kein halbes Jahr her das war so etwas in Münchwilen TG wo die Gemeinde selbst sagte, wir müssten aufgrund der Messungen die Strasse passiv nachrüsten, haben aber das Geld nicht/wollen keines mehr ausgeben.
Nochmals ich Urteile nach dem was auf dem Foto sichtbar ist. Eine Strasse mit ÖV (sehr breite Busse) und täglich mehrfach Einsatz der Blaulichttruppe ist wohl ein grundsätzlicher Widerspruch einer 30er legalen Zone

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alphacentauri (11. März 2016, 07:05)
Besser mal an der Haselstrasse kontrollieren

Auch eine 30er-Zone. Daran halten sich aber höchstens die Anwohner aber selten die Besucher, die oft mind. zweimal soviel auf dem Tacho haben. Ein wahres Goldgrübchen wartet hier entdeckt zu werden.

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Pumpelche (11. März 2016, 08:30)
Träumen darf man

@Alphacentauri, schön wär's. Ich geb seit Jahren hinweise, in welchen 30er-Zonen teils massiv überhöht durchquert wird. Gerade Strassen, die als Traverse genutzt werden, um die Hauptstrasse zu umgehen. Und noch während der Morgenzeit, wenn die Kinder diese Zonen überqueren.

Nichts geschieht. Faule Ausreden: Man mache Stichproben-Überwachungen und die Ausschläge seien nicht besorgniserregend. Nun, ich sah einmal, wann diese Proben gemaht wurden: Um ca. 1430h, an einem Dienstag, einem Tag, notabene, an dem in diesem Schulkreis die meisten Kinder Nachmittagschule haben. Fernab der kritischen Zeiten von 0730h-0800h und 1140h-1210h.

Fazit: Die Stadtpolizei WILL nicht. Punkt.

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MitdenkerSG (11. März 2016, 10:29)
@Pumpelche...es wird so sein...

Wie ich oben geschrieben habe. Ungeprüfte 30er Zone. Die wissen das schon was Gesetz wäre. Vor allem wenn dann ein "Durchbrettern" auch mit 60 oder 70 möglich ist, auch bei Verkehr wird es kritisch für die Behörden, denn dann sind es Raserdelikte, dann geht nichts mehr mit Ordnungsbussen und es wird für die Beteiligten "Beschuldigten" so teuer das ein Rechstanwalt Pflicht wird und der ruft zuerst einmal: "Zertifikat für diese 30er Zone" und dann ist die Sache gegessen. Still und leise...sonst wollen ja noch auf einmal alle das Geld zurück und rufen "Abzocker" und man kann nicht "Verkehrssicherheit und Gesetz zurückrufen".

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