Tagblatt Online, 05. September 2009 11:45:00
Über das St.Galler Bermudadreieck und teuflischen Ausgang
Kennen Sie das Bermudadreieck? Eine Zone zwischen den Bermudas, Florida und Puerto Rico, wo Schiffe und Flugzeuge von einem Augenblick zum andern verschwinden. Allerdings sind diese Gruselgeschichten nicht mehr sehr aktuell und ziemlich zweifelhaft.
Trotzdem hat das Bermudadreieck den unzweifelhaften Ruf, etwas sehr Böses zu sein, weshalb es auch Teufelsdreieck heisst.
In St. Gallen gibt es eine Gegend – eine meiner Lieblingsgegenden! –, die seit einer Weile schier offiziell als Bermuda- oder eben Teufelsdreieck bekannt ist. Als ausgewiesener Blasphemiker unter dem Herrn macht mir das nichts aus, das Gegenteil ist der Fall. Doch der wohlgesittete Bürger schreit Zeter und Mordio.
Bei so einem Namen kann man sich ja vorstellen, was da vor sich geht, in der Metzger- und Augustinergasse.
Vier gutbesuchte Lokale, das kantonale Rauchverbot und ein lauer Abend führen dazu, dass der Platz dazwischen überfüllt ist mit biertrinkenden, rauchenden und wild durcheinander quatschenden Menschen, welche die Nacht zum Tage machen. Von aussen betrachtet mag es ein Teufelsdreieck sein. Mittendrin gestanden hält man sich eher an den romantisch angehauchten Namen Bermudadreieck.
Überhaupt werden Namen überschätzt. Kennen Sie das Goldene Dreieck? Schöner Name, oder? Wenn Sie aber nicht gerade Drogendealer sind, so verliert diese Gegend in Südostasien definitiv an Reiz. Auch einer Goldenen Horde möchte man nicht unbedingt im Dunkeln begegnen, und vom Goldenen Schuss wollen wir mal gar nicht reden. Nicht alles, was Gold heisst, glänzt auch. Beim St. Galler Bermudadreieck weiss man wenigstens, was man hat. Es kommt immer mal wieder vor, dass da jemand abstürzt. Aber die allermeisten tauchen irgendwann, irgendwo wieder auf.
Lukas Bollhalder
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