Tagblatt Online, 07. Mai 2009 01:03:47
Steinach das «Schüümli» nehmen
Das Idyll trügt: Die Wasserqualität der Steinach lässt zu wünschen übrig. Schaumbildung und üble Gerüche sind keine Seltenheit. (Bild: Archivbild: Hannes Thalmann)
Die Stadt bereitet ein Sanierungsprojekt für die Steinach vor. Gereinigtes Abwasser soll aus der Kläranlage Hofen zum Bodensee geleitet werden. Anders als ihre Thurgauer WWF-Kollegen unterstützen St. Galler Umweltverbände die Idee.
reto voneschen
st. gallen. Das Problem ist altbekannt: Die Wasserqualität der Steinach zwischen Wittenbach und dem Bodensee ist ungenügend. Vor allem im Sommer stinkt das Flüsschen zeitweise richtiggehend zum Himmel. Grund ist, dass bei Wittenbach das gereinigte Abwasser der ARA Hofen eingeleitet wird. Und weil die Steinach oft nur wenig Wasser führt, wird die «Suppe» aus der Kläranlage nicht genügend verdünnt.
Daraus resultieren Geruchsbelästigungen für Anwohner und Spaziergänger oder Badeverbote am Steinach-Unterlauf. Und das Flüsschen wird dadurch auch als Lebensraum für Pflanzen und Tiere massiv beeinträchtigt.
Grosse Skepsis am See
Als Betreiberin der Kläranlage Hofen sucht die Stadt St. Gallen seit Jahren nach Lösungen für das Problem.
Geplant ist jetzt, das gereinigte Abwasser von dort per Druckleitung direkt in den Bodensee einzuleiten und die Steinach so zu entlasten (siehe Kasten). Am See haben diese Pläne keine eitle Freude ausgelöst: Fischer zeigten sich skeptisch. In Leserbriefen aus Arbon und Steinach wurden Bedenken angemeldet. Im St. Galler wie im Thurgauer Kantonsrat gab's kritische Fragen zum Projekt. Und der WWF Bodensee/Thurgau lehnte es in einer Mitteilung rundweg ab.
St. Galler sagen Ja zum Projekt
Gestern nun haben drei grosse St. Galler Umweltverbände gemeinsam Stellung zur Steinach-Sanierung genommen. Und sie kommen zu einem anderen Urteil als die Thurgauer WWF-Leute. Pro Natura St. Gallen-Appenzell, der WWF St. Gallen und der Naturschutzverein Stadt St. Gallen und Umgebung (NVS) befürworten die Einleitung des gereinigten Abwassers in den Bodensee.
Für die Steinach sei das die beste Lösung. Sie werde dadurch von der Belastung befreit, begründete gestern auf Anfrage Martin Zimmermann, Geschäftsführer des WWF St. Gallen. Auf die Qualität des Bodensees werde die direkte Einleitung keinen Einfluss haben: Schon heute spiele die Steinach ihre Rolle als Vorfluter nicht. Im Klartext: Die in den gereinigten Abwässern verbleibenden Schadstoffe gelangen bereits heute vollumfänglich in den Bodensee. Allerdings verwandeln sie vorher die Steinach in eine Kloake.
Technisch derzeit beste Lösung
Die Entlastung der Steinach durch Direkteinleitung des Abwassers in den Bodensee ist für die drei St. Galler Umweltverbände die derzeit beste Lösung. Nicht unwichtig für sie: Sie kann auch rasch umgesetzt werden. Die optimale Lösung wäre allerdings eine weitere Verbesserung der Reinigungsqualität in den Kläranlagen. Die dafür nötige Reinigungsstufe für Mikroorganismen sei technisch noch nicht einsatzreif. Solche Systeme würden erst jetzt in Pilotprojekten geprüft. Unter anderem sei so eines für Herisau im Gespräch, sagt Martin Zimmermann vom WWF St. Gallen. Die Stadt habe den Verbänden zugesichert, eine solche Reinigungsstufe zu installieren, sobald die Technik so weit sei. Und zwar unabhängig davon, ob das gesetzlich dannzumal bereits verlangt werde. Klar ist für die Verbände auch, dass die vom Abwasser entlastete, heute teils noch in Kanälen geführte Steinach ökologisch aufgewertet werden muss. Und sie fordern weitere präventive Schritte, damit erst gar keine gefährlichen Stoffe ins Wasser gelangen.
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