Kugl, 28. August 2010 11:59:00
Stadtrat setzt Zeichen fürs Kugl
Kugl
Das Kugl zieht an den Wochenenden jeweils über 300 Leute an. (Bild: Archivbild: Michel Canonica)
ST.GALLEN. Hat St.Gallen ausgekuglt? Diese Frage beschäftigt nebst Jugendlichen nun auch den St.Galler Stadtrat. Dessen Antwort: Hoffentlich nicht. Der Kulturbetrieb gehöre in die Stadt, man stehe hinter ihm und wolle ihn unterstützen.
Malolo Kessler
Das Kugl ist eine Kulturhochburg abseits der Kommerzlokale. Ein Club, der wichtig ist für die Stadt. Das sagt die Partyszene. Das Kugl ist aber auch ein Ärgernis in unmittelbarer Nachbarschaft. Ein Club, vor dem Ruhe und Ordnung missachtet werden. Ein Club, den es so nicht geben soll. Das sagt ein Anwohner.
Der Konflikt ums Kugl zieht sich seit vier Jahren hin (siehe Kasten). Unlängst ist das Thema zum Politikum geworden.
In einem dringlichen Postulat forderten rund zwei Drittel der Stadtparlamentarier von links bis rechts, dass sich der Stadtrat des Themas annimmt (Tagblatt vom 17. Juni). Dieser möchte das Postulat nun für erheblich erklären lassen und stellt sich in seiner Stellungnahme hinter das Kulturlokal.
«Kugl ist ein Bedürfnis»
Die zahlreichen, kontroversen Reaktionen in der Öffentlichkeit nach dem Entscheid des Verwaltungsgerichts zeigten, dass das Kugl einem Bedürfnis von Jugendlichen und jungen Erwachsenen entspreche, schreibt der Stadtrat.
Als das drohende Aus des Kugl im Juni bekannt wurde, formierte sich auf Facebook eine virtuelle Widerstandsgruppe. Tausende von Jugendlichen und jungen Erwachsenen zeigten so, dass sie eine Schliessung nicht goutieren würden.
Eine 24-Stunden-Gesellschaft
Das Kugl sei ein «zentrumsnahes und gut mit öffentlichem Verkehr erschlossenes Lokal» mit einem «vielfältigen, alternativen Veranstaltungs- und Kulturangebot», schreibt der St. Galler Stadtrat weiter.
Bereits im Postulatsbericht «Öffentlicher Raum – Grundsätze und Massnahmen» habe er auf das veränderte Ausgehverhalten von Jugendlichen hingewiesen. Dieses Verhalten werde unter anderem durch die Liberalisierung und die Angebotsausweitung des öffentlichen Verkehrs beeinflusst. «Die 24-Stunden-Gesellschaft ist – zumindest am Wochenende – in einem Raum wie der Stadt St. Gallen Realität», heisst es weiter.
Eine «Unterbindung entsprechender Angebote wie etwa von Kugl» werde der Situation «keinesfalls gerecht».
Schliessung: Am Problem vorbei
Daher teile der Stadtrat die Meinung der Postulanten. Diese schreiben im Vorstoss, dass zu einer Stadt wie St. Gallen ein entsprechend vielfältiges Angebot gehöre. Ein Angebot für verschiedene Gruppen und deren jeweilige Ansprüche.
Der Stadtrat wolle mit der Entgegennahme des Postulats ein Zeichen für das Kugl setzen, sagte Stadtrat Nino Cozzio gestern auf Anfrage. «Es wäre ein Verlust für die Stadt, wenn es das Kugl nicht mehr gäbe.» Es gehöre zur städtischen Ausgangsszene. Eine Schliessung des Lokals sei daher überhaupt nicht im Sinne des Stadtrats. «Das ginge am Problem vorbei.» Die Jugendlichen würden sich dann einfach alternative Orte suchen. Der Stadtrat sei bereit, im Rahmen der Postulatsbeantwortung verschiedene Lösungsansätze zu prüfen.
Neuen Mut für die Betreiber
Schon jetzt unterstützt die Stadt das Kugl bei der Suche nach einem alternativen Standort. Ein schier aussichtsloses Unterfangen. Die Betreiber des Clubs suchen schon seit Jahren nach einer Alternative. Es sei äusserst schwierig, einen Standort zu finden, der geeignet sei, sagt auch Stadtrat Cozzio. Ein weiterer Ansatzpunkt sei die Suche nach einer Möglichkeit eines Weiterbetriebs mit reduzierten Öffnungszeiten am jetzigen Ort. Dabei müssten aber die Interessen von Kläger und Kugl berücksichtigt werden.
Die Betreiber des Kugl zeigen sich erleichtert darüber, dass der Stadtrat hinter ihrem Lokal steht. «Das gibt uns auch Bestätigung in dem, was wir tun», sagt Geschäftsführer Daniel Weder. «Und es gibt uns wieder Mut.»
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