Tagblatt Online, 23. Dezember 2011 13:47:00
Stadt stolpert über Bohrvergabe
ST.GALLEN. Dem Geothermieprojekt bläst ein harter Wind entgegen. Bei der Vergabe des Bohrauftrags seien Fehler passiert, sagt das Verwaltungsgericht. Die Stadt muss wohl neu ausschreiben, hofft aber dennoch auf einen Bohrstart im Juni 2012.
RALF STREULE
Der Geothermie-Bohrplatz im Sittertobel ist bald bereit, gebohrt wird dennoch vorläufig nicht. Denn das kantonale Verwaltungsgericht wirft der Stadt vor, bei der öffentlichen Ausschreibung zur Vergabe des Bohrauftrags Fehler gemacht und «den Grundsatz der Transparenz» verletzt zu haben. Die Beschwerde war von zwei deutschen Bohrfirmen eingegangen, deren Eingaben von der Stadt nicht berücksichtigt worden waren. Das Rennen machte die deutsche Firma Itag Tiefbohr GmbH.
Weitere Ausschreibung möglich
Durch den Entscheid des Verwaltungsgerichts ist weiterhin offen, wann die Bohrungen auf der Suche nach heissem Wasser in 4000 Metern Tiefe beginnen können. Mit den Beschwerden der beiden Firmen war klar geworden, dass sich der Start der Bohrungen bis im Juni 2012 verzögern würde (Tagblatt vom 25. August). «Wir hoffen auch nach dem Entscheid auf einen Bohrstart im Juni», sagt Marco Huwiler, Leiter des Geothermieprojekts.
Unklar ist noch, wie es nun weitergeht. Denkbar sind laut Huwiler drei Varianten. Erstens könnte der Entscheid ans Bundesgericht weitergezogen werden, was aber mit Sicherheit Verzögerungen zur Folge hätte. Zweitens könnte der Auftrag nach angepasster, neuer Ausschreibung unter den zwei Einsprechern und der berücksichtigten Bohrfirma ausgeschrieben werden. Am wahrscheinlichsten sei aber, dass die Stadt den Bohrauftrag im neuen Jahr gänzlich neu ausschreibe.
Kriterien zu wenig detailliert
Ob in diesem Fall – auch bei zügiger und rechtlich korrekter Vergabe – die Bohrungen im Sommer beginnen könnten, hänge von der Bohrfirma ab. «Oft gehen die Bohrfirmen längerfristig Verpflichtungen ein und sind damit blockiert.»
Bei den Fehlern, welche das Verwaltungsgericht der Stadt vorwirft, geht es im Detail um die «Geräteliste» der Bohranlage, welche die fünf in der Endausscheidung teilnehmenden Bohrfirmen einreichen mussten. Hier habe Transparenz gefehlt, schreibt das Verwaltungsgericht: Die Kriterien, mit welchen die Stadtwerke die Geräteliste bewerteten, seien bei der Ausschreibung nicht bekannt gewesen. Erst nachträglich seien die Anforderungen konkretisiert worden, was die «Gefahr von Missbrauch und Mauscheleien» berge. Zudem seien die genannten Kriterien zu wenig detailliert definiert gewesen. Zwar sei es dem Auftraggeber überlassen, wie er die Qualität der Geräte gewichten wolle. Nicht nachvollziehbar sei aber das Benotungssystem, das der Bewertung der Geräte zugrunde liege.
«Stadt erstaunt über Entscheid»
Laut Huwiler ist dieses Vorgehen der Stadtwerke bei Vergaben «im internationalen Bohrbusiness» gang und gäbe, vor allem bei privaten Vergaben. Dass man nun bei der öffentlichen Ausschreibung dies zu wenig berücksichtigt habe, müsse man sich letztlich selber zuschreiben. «Im nachhinein ist man immer schlauer.» Paradox sei aber eines: «Hätten wir die Gerätekriterien wie vom Verwaltungsgericht verlangt von Anfang an aufgeschlüsselt, hätte die berücksichtigte Firma das Rennen sogar noch klarer für sich entschieden.» Es sei aber klar, dass dies das Verwaltungsgericht nicht mitberücksichtigen könne. Dennoch habe der Entscheid doch grösseres Erstaunen bei der Stadt ausgelöst.
Beim Entscheid für die Itag Tiefbohr AG habe mitgespielt, dass die Firma einen mehr als 450 Tonnen schweren Bohrturm zur Verfügung habe. Das Gewicht habe man aber ursprünglich auf 350 Tonnen festgelegt gehabt, im Verlaufe der Planung und der Seismikauswertung habe sich aber gezeigt, dass man eine schwerere Bohranlage brauche. Damit steige die Sicherheit und die Wahrscheinlichkeit, das Projekt erfolgreich durchführen zu können.
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stargate (23. Dezember 2011, 14:37)
Das Bauamt
Das Bauamt wurstelt einfach weiter. So war's auch im Fall der eingestürzten Turnhalle, und wird es auch weiterhin bleiben.
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