Zur Mobile-Ansicht wechseln
Tagblatt Online
2. März 2016, 07:02 Uhr

Planung der Teilspange beginnt

Stadt, Kanton und Bund wollen im Güterbahnhofareal einen neuen Autobahnanschluss realisieren. Jetzt nehmen sie die Planung wieder auf. Zoom

Stadt, Kanton und Bund wollen im Güterbahnhofareal einen neuen Autobahnanschluss realisieren. Jetzt nehmen sie die Planung wieder auf. (Bild: Benjamin Manser und Ralph Ribi)

Kanton und Bund wollen nach dem Nein zur Güterbahnhof-Initiative die Planung für einen neuen Autobahnanschluss vorantreiben. In einem ersten Schritt soll unter anderem geklärt werden, wie viel Kanton und Stadt daran zahlen müssen.

DAVID GADZE

ST.GALLEN. Nach dem Nein zur Güterbahnhof-Initiative am Sonntag haben die Ampeln für einen neuen Autobahnanschluss im Güterbahnhofareal auf Grün geschaltet – zumindest was die weitere Planung betrifft. Die sogenannte Teilspange, die Kanton und Stadt bis in die Liebegg weiterführen wollen, soll vor allem den Anschluss Kreuzbleiche und die städtischen Verkehrsachsen südlich davon entlasten.

Wer bezahlt wie viel?

Kanton und Bund hätten vereinbart, die weitere Planung erst nach der Abstimmung wieder aufzunehmen, sagt Kantonsingenieur Marcel John. «Einen Plan B für den Fall, dass die Initiative angenommen worden wäre, gab es nicht.» Noch in dieser oder spätestens der nächsten Woche werde der Kanton das Bundesamt für Strassen (Astra) kontaktieren, um das weitere Vorgehen zu bestimmen. «Es gilt nun, die Verantwortung für die drei Teilprojekte – also die dritte Röhre durch den Rosenberg, den Anschluss bis zum Güterbahnhof und den Tunnel in die Liebegg – abzustimmen und den Kostenteiler für den Anschluss Güterbahnhof zu verhandeln.»

Dies ist nötig, weil der Bund nicht sämtliche Kosten für das Teilstück zwischen der Stadtautobahn und dem Güterbahnhofareal, das in einer ersten Version auf rund 350 Millionen Franken veranschlagt worden war, übernimmt. Wie stark er sich beteiligen wird, ist derzeit noch völlig offen. Der Abschnitt zwischen dem Güterbahnhofareal und der Liebegg müsste wohl von Stadt und Kanton allein – allenfalls mit Beteiligung von Appenzell Ausserrhoden – finanziert werden. Experten schätzen die Kosten auf mindestens 200 Millionen. Die Kosten von 530 Millionen für die dritte Röhre übernimmt der Bund.

Teilprojekte koordinieren

Wichtig sei, die unterschiedlichen Verfahren und Abhängigkeiten der drei Teilprojekte so zu koordinieren, dass eine gesamtheitliche Planung ermöglicht werde, sagt John. Da auch die Bundesanteile aus unterschiedlichen Töpfen finanziert werden, sei das alles andere als einfach. Eine zusammenhängende Planung ist auch im Hinblick auf eine Volksabstimmung nötig, die aufgrund des Finanzvolumens wohl für beide Tunnelabschnitte unumgänglich sein wird.

Kanton hofft auf Astra-Mandat

Der Kanton hofft nun, vom Astra ein Mandat für die Projektierung der Teilspange zu erhalten, da er bereits sehr viel Zeit in die Planung investiert hat. Auf diesen Vorarbeiten lasse sich aufbauen, obwohl es sich bloss um einen «Nachweis der Machbarkeit» handle, sagt John. «Gerade die Strassenbauprojekte im Untergrund haben noch einen geringen Detaillierungsgrad.»

Auch der Standort der beiden Ein- und Ausfahrtsrampen im Güterbahnhofareal ist noch nicht in Stein gemeisselt. Die westliche Rampe sei direkt bei der Verzweigung Geltenwilenstrasse/Güterbahnhofstrasse geplant worden, um eine möglichst grosse Fläche des Areals frei zu halten, sagt John. «Je nach den Rahmenbedingungen für eine spätere Nutzung könnten wir sie auch verschieben.»

Kreiselvariante noch offen

Offen ist ausserdem, welche Variante des unterirdischen Knotens, der die beiden Teilstücke unter dem Güterbahnhofareal verbinden soll, Bund und Kanton weiterverfolgen werden. Es gibt drei Optionen: Ein «unterirdisches Verflechtungsbauwerk auf drei Etagen», die vom Kanton favorisierte Variante mit einem zweistöckigen Kreisel, der von der Stadtautobahn mit zwei jeweils zweispurigen Röhren erschlossen würde, und die vom Bund eigentlich schon verworfene Lösung mit nur einer Röhre im Gegenverkehr, bei der es nur einen einfachen Kreisel braucht. Letztere Variante hatte der Bund ursprünglich aus Sicherheitsgründen abgelehnt. «Die Richtlinien besagen, dass ein zweispuriger Tunnel im Gegenverkehr maximal 20 000 Fahrzeuge pro Tag aufnehmen darf. Bis 2025 rechnen wir bereits mit 19 000 Fahrzeugen», sagt John. Da eine weitere Verkehrszunahme auf der Stadtautobahn erwartet wird, würde die tolerierbare Menge bereits bis zur Eröffnung der Teilspange, die zwischen 2030 und 2035 geplant ist, überschritten.

Bei den anderen beiden Varianten dürften die Kosten den Ausschlag geben. Dieses Kriterium wird auch massgeblich die Linienführung des Liebegg-Tunnels bestimmen, sagt Marcel John. «Je direkter sie wird, desto steiler wird der Tunnel – und desto teurer.»



Kommentar schreiben

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein.
Noch keinen Zugang? Jetzt kostenlos registrieren.



nahona (07. März 2016, 10:00)
MIV Wahnsinn ohne Ende?

Geht das endlos so weiter?
3. Gubristtunnel, 2. Gotthardröhre, T14 im TG und der neue Autobahnanschluss in SG Güterbahnhof?
Freie Fahrt für freie Bürger ......

Beitrag kommentieren

gallenblog.wordpress.com (04. März 2016, 14:48)
Kein Plan B?

Und was ist die Variante Null+

Beitrag kommentieren

AVA (02. März 2016, 15:34)
Finanzierung des Anschlusses Güterbahnhof und Teilspange Liebegg

Die Frage nach der Finanzierung der Teilspange Liebegg wird im Artikel nur lückenhaft dargestellt. Ein wichtiger Aspekt wurde vollumfänglich ausgeblendet. Bei der Planung muss bereits darauf hin gearbeitet werden, dass der Anschluss Güterbahnhof und Teilspange Liebegg als Nationalstrasse zweiter Klasse gemäss Art. 3 NSG ( Nationalstrassengeetz) klassifiziert werden. Diese Klassifizierung wird dann erreicht, wenn Stadt und Kanton St. Gallen darlegen können, dass der Anschluss gesamtschweizerische Bedeutung erlangt, weil die beiden Halbkantone Appenzell grossmehrheitlich über diese Achse vom Mittelland erschlossen werden. Gelingt diese Darstellung und Klassifizierung, ist der Bund gemäss Bundesverfassung Art. 83 Abs. 2 und Gesetz verpflichtet, alle Kosten für den Bau und den Betrieb des Anschlusses Teilspange Liebegg zu übernehmen.
Manfred Trütsch, Präsident ACS St. Gallen - Appenzell

Beitrag kommentieren

Anzeige:

Anzeige:

Anzeige:

ostjob.ch  STELLENSUCHE

Ostschweizer Trauerportal

tagblatt.ch / leserbilder

FACEBOOK.COM /TAGBLATT