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Tagblatt Online
20. Januar 2016, 09:04 Uhr

Pläne für Villa Wiesental abgelehnt

Die Villa Wiesental mit dem geplanten Neubau auf der Rückseite. Das Gebäude hätte rund 25 Meter hoch werden sollen. Zoom

Die Villa Wiesental mit dem geplanten Neubau auf der Rückseite. Das Gebäude hätte rund 25 Meter hoch werden sollen. (Bild: Visualisierung/pd)

ST.GALLEN. Der Stadtrat hat den Gestaltungsplan für einen Neubau im Garten der Villa Wiesental abgelehnt. Das geplante Gebäude habe den Anforderungen an die städtebauliche Vorzüglichkeit nicht genügt. Die Villa wird damit vorerst nicht saniert.

DAVID GADZE

Lange war es ruhig um die Villa Wiesental. Doch nun dürften die Diskussionen um die Zukunft des maroden Gebäudes an der Rosenbergstrasse wieder lauter werden: Der Stadtrat hat den Gestaltungsplan, der einen Neubau im Garten der Villa vorsah, abgelehnt. Das bestätigt Stadträtin Patrizia Adam auf Anfrage. Damit ist wieder völlig offen, was mit der Villa geschehen wird.

25 Meter hohes Gebäude

Die Eigentümerin HRS habe im Herbst 2014, wenige Monate nach dem Kauf der Villa von der Swisscanto Anlagestiftung, den Gestaltungsplan eingereicht, sagt die Baudirektorin. Dieser sah zuletzt ein rund 25 Meter hohes Gebäude vor – rund doppelt so hoch wie die Villa selbst.

Der Gestaltungsplan sei vom Sachverständigenrat für Architektur und Städtebau, einem beratenden Organ der Direktion Bau und Planung, sowohl in der alten Besetzung von 2014 als auch in der aktuellen Besetzung begutachtet worden. Das Fazit: Der geplante Neubau nehme zu wenig Rücksicht auf die Villa Wiesental. «Er war zu wuchtig und hätte sie regelrecht erdrückt», sagt Adam. Die «städtebauliche Vorzüglichkeit», ein Hauptkriterium und rechtliche Bedingung für die Annahme des Gestaltungsplans, sei dadurch nicht erfüllt gewesen. Auch das kantonale Hochbauamt sei zu diesem Schluss gekommen.

Verbesserungen nicht gelungen

Der Sachverständigenrat habe der HRS in Gesprächen mehrfach Verbesserungsvorschläge gemacht, sagt Adam. Der HRS sei es aber nicht gelungen, diese umzusetzen. Der Stadtrat habe ihr schliesslich nach den Herbstferien mitgeteilt, dass er den Gestaltungsplan ablehnen und ihn deshalb nicht öffentlich auflegen werde. Daraufhin habe die HRS diesen zurückgezogen.

Sie verstehe, dass die HRS mit dem Neubau auch wirtschaftliche Interessen verfolgen wollte, sagt Adam. «Es handelt sich aber um einen prominenten Ort am Eingang zur Innenstadt, an dem nur ein städtebaulich vorzügliches Projekt in Frage kommt.»

Zurück auf Feld eins

Die HRS sei vom Entscheid des Stadtrats «enttäuscht», sagt Sprecher Sven Bradke. «Dadurch werden wir erneut auf Feld eins zurückgeworfen.» Bradke lässt die Kritik am geplanten Neubau nicht gelten: «Es handelte sich um ein gutes Projekt. Der Neubau hätte die Villa Wiesental auch nicht erdrückt.» Dieses Argument sei vorgeschoben. Vielmehr sei der Stadtrat bei seinem Entscheid, den Gestaltungsplan abzulehnen, «offenbar aus politischen Gründen eingeknickt» – wie bereits beim Entscheid vom August 2013, dass die Villa Wiesental nicht für das Neubauprojekt «Stadtkrone» abgebrochen werden darf.

Die HRS habe das Projekt mehrmals angepasst. Einzelne Dinge seien jedoch architektonisch nicht zu vertreten gewesen. «Nun sind wir zum zweiten Mal in eine Sackgasse geführt worden. Dabei hat die HRS mehr als eine Million Franken in die Planung investiert», sagt Bradke. Es sei auch nicht richtig, dass die HRS mit dem Projekt in erster Linie wirtschaftliche Interessen verfolge. «Sonst hätten wir gleich ein Hochhaus geplant.»

Villa wird vorerst nicht saniert

Was mit der Villa Wiesental nun geschehen wird, ist unklar. Die HRS wollte das Gebäude umfassend sanieren und an eine auswärtige Immobilienunternehmung verkaufen. Bedingung dafür war aber die Erstellung des Neubaus im Garten der Villa. Mit dem Nein des Stadtrats zum Gestaltungsplan sei auch die Sanierung der Villa vom Tisch: «Wir werden nun vorerst nicht mehr investieren, sondern bloss noch den jetzigen Zustand erhalten.» Ob die HRS einen neuen Käufer für die Villa Wiesental suchen wird, lässt Bradke offen.

Dass der Stadtrat den Gestaltungsplan aus politischen Überlegungen abgelehnt habe, sei nicht der Fall, entgegnet Patrizia Adam: «Der Sachverständigenrat hat nachvollziehbar dargelegt, warum das Projekt aus städtebaulicher Sicht nicht genügt.»



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