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Tagblatt Online
19. März 2016, 09:50 Uhr

Peinliche Posen im Club

Ein Selfie auf der Tanzfläche: Ärgernis für die Umstehenden oder beste Gratiswerbung für den Veranstalter? Zoom

Ein Selfie auf der Tanzfläche: Ärgernis für die Umstehenden oder beste Gratiswerbung für den Veranstalter? (Bild: fotolia)

Ein Zürcher Club verbietet seinen Gästen das Fotografieren mit dem Handy. In St.Gallen gibt es kein solches Verbot. Bei manchen Clubbetreibern stösst die Idee zwar auf Anklang, andere wollen ihre Gäste aber nicht derart einschränken.

ROGER BERHALTER

Es ist Freitagnacht im Club, man hat ein paar Drinks zu viel im Blut, der Tanznachbar schiesst ein Foto mit dem Smartphone – und am nächsten Tag findet man sich plötzlich in unvorteilhafter Pose auf Facebook wieder. Das muss nicht sein, finden die Betreiber des Clubs Friedas Büxe in Zürich. Soeben haben sie ihren Gästen verkündet, dass Fotografieren ab sofort verboten sei. Als Grund geben sie die Privatsphäre an: Jeder soll sich im Club nach seinem Gusto ausleben dürfen. Ohne Angst, dabei ungewollt auf fremden Fotos zu landen.

Der Entscheid hat in der Clubszene einigen Wirbel ausgelöst. Alex Flach, der Nachtleben-Kolumnist des «Tages-Anzeigers», sieht darin gar einen neuen Trend: Die Leute würden sich wieder mehr Privatsphäre wünschen. «20 Minuten» schaltete eine Onlineumfrage zum Thema. Ergebnis: 67 Prozent von 1500 Teilnehmern befürworten ein solches Verbot. «Heute kann man ja fast nirgends mehr hingehen, ohne dass überall Fotos geschossen und danach auf Facebook geladen werden», wird ein Leser zitiert.

Fotos sind Erinnerungen

In St. Gallen verbietet kein Club seinen Gästen das Fotografieren mit dem Smartphone. «Das ist doch die beste Gratiswerbung für jeden Club!», sagt Aron Tanie vom «Elephant» an der Hinteren Poststrasse. Er kann nicht verstehen, wie man seine Gäste derart einschränken kann. Die Leute sollen feiern und Spass haben. «Fotos sind Erinnerungen, die man nach Hause nehmen kann», sagt Tanie. Der Elephant Club ermuntert seine Gäste sogar dazu, Fotos zu schiessen. Nicht zuletzt deshalb bucht der Club regelmässig Prominente, die als DJ auflegen – und sich gerne mit Gästen fotografieren lassen. Das «Elephant» engagiert auch regelmässig eine Hausfotografin, welche die Gäste auf Wunsch fotografiert und die Bilder danach auf die Clubwebseite stellt. Es komme vor, dass Besucher mit den Partybildern nicht zufrieden seien, sagt Tanie. Dann lösche man das entsprechende Foto wieder: «Die Privatsphäre bleibt gewahrt.»

Facebook gehört zum Alltag

Auch im Kugl hält man wenig von neuen Regeln. «Es gibt schon genug Verbote, zum Beispiel das Rauchverbot. Da braucht es sicher nicht noch ein Fotoverbot», sagt Rouven Hörler, Booking-Chef des Clubs auf dem Güterbahnhofareal. Seiner Meinung nach ist die Massnahme wenig sinnvoll in Zeiten von Facebook, Instagram und Snapchat: Diese Onlineplattformen würden heute zum Alltag des jungen Clubpublikums gehören. Auch im Kugl gibt es Hausfotografen, sie richten die Kamera aber nicht auf einzelne Besucher, sondern auf die auftretenden Künstler und die Dekorationen im Club.

Geniessen ohne Kamera

Im «Alpenchique» ist man einem Fotoverbot gegenüber positiver eingestellt. «Ich finde die Idee im Grundsatz gut, auch wenn ich kein solches Verbot einführen würde», sagt Geschäftsführer Andi Messmer. Das «Alpenchique» – am Standort des früheren «Casablanca» – richtet sich an ein älteres Clubpublikum, das Durchschnittsalter beträgt über 30 Jahre. «Unsere Gäste wollen den Ausgang geniessen, ohne sich im Hintergrund eines Selfies wieder zu finden», sagt Messmer. Er kann sich vorstellen, dass es ein Trend sein könnte, das Handy im Club für ein paar Stunden loszulassen – oder gar am Eingang abzugeben.



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