Tagblatt Online, 07. Dezember 2009 01:02:00
Oben Doktoren, unten die Mall
Undichter Vorplatz: Heute wirkt das Einkaufszentrum Grossacker auch von aussen etwas trostlos. (Bild: Bild: Michel Canonica)
Aus dem in die Jahre gekommenen Einkaufszentrum Grossacker soll bis im Jahr 2011 das Shoppingcenter Silberturm werden. Die baufällige Liegenschaft soll für 25 Millionen Franken saniert, erneuert und verschönert werden.
ODILIA HILLER
ST. GALLEN. «Banlieue», «70er-Jahre-Mief», «Ramsch-Läden» – das sind nur einige der Qualifizierungen, die Besuchern beim Anblick eines der ältesten Einkaufszentren St. Gallens entfahren. In den letzten Jahren kämpften die Läden unterhalb des Ärzte-, pardon Silberturms nicht nur mit einem leicht schmuddeligen Image, sondern auch mit lebensmüder Haustechnik und Regen, der ins Untergeschoss trieft.
Neuer Mietermix
Lange hat die Eigentümerin der Ladenflächen, eine «Stockwerkeigentümer-Gemeinschaft Gewerbetrakt Grossacker», zugewartet. Nun lässt sich die Sanierung des 34 Jahre alten Komplexes nicht mehr aufschieben. Für 25 Millionen Franken soll das Einkaufszentrum von Grund erneuert werden. Bis im April 2011, so der Bauplan, soll es in neuem Glanz und mit neuem Konzept erstrahlen: als Mall (amerikanisch für Einkaufszentrum) unter dem Namen «Shopping Silberturm». Laut Peter R.
Wittwer von der City Marketing AG in Bern sind allein sieben bis acht Millionen Franken für die Erneuerung der Haustechnik veranschlagt. Weitere sechs Millionen sind für die unterirdische Parkgarage vorgesehen, die zwar bereits besteht, jedoch ebenfalls sanierungsbedürftig ist. Geplant sind im zweiten und dritten Untergeschoss 200 mindestens drei Meter breite «Komfortparkplätze».
Visualisierungen zeigen eine moderne, helle Anlage mit Rolltreppen und Oberlichtern, so genannten «Bubbles», die Tageslicht ins erste Untergeschoss bringen sollen. Laut Wittwer soll der «Branchen- und Mietermix» auf den Verkaufsflächen «markant gestärkt werden». Die Verhandlungen mit potenziellen Neumietern sind laut Wittwer eben erst angelaufen.
Zu den Anbietern, die im Grossacker-Zentrum bleiben, gehören unter anderen die Migros-Filiale, Charles Vögele Mode, Vögele Shoes, Gross Optik, der Valora-Kiosk sowie die beiden Restaurants «Da Pietro» und «La Bocca». Laut Wittwer wird sich die Migros nach dem Umbau mit einer «völlig neuen Ladenkonzeption» präsentieren. Bei Migros Ostschweiz heisst es auf Anfrage lediglich, es sei noch etwas früh, um über Details zu sprechen.
Friedrich Kugler, stellvertretender PR-Leiter, verrät nur so viel: Die Migros-Filiale wird innerhalb des Komplexes zügeln, wahrscheinlich auf die Ostseite, also ans andere Ende der Ladenstrasse. Die Ladenfläche werde «nicht viel grösser, dafür übersichtlicher».
Unterschiedliche Interessen
Das Baugesuch für das Grossprojekt wurde im Oktober eingereicht. Laut Ernst Michel, Leiter des Amtes für Baubewilligungen, wird es voraussichtlich im Januar behandelt. Ein Baubeginn im Februar 2010 wird somit unwahrscheinlich. «Das Vorhaben findet aber sicher unsere grundsätzliche Unterstützung. Es ist wichtig, dass dort etwas gemacht wird», sagt der Amtsleiter. Laut City Marketing AG sind an der bekannten Silberturm-Fassade keine Eingriffe geplant, weshalb mit einem zügigen Verfahren gerechnet werde. Als Grund, weshalb es so lange dauerte, bis im «Grossacker» etwas in Bewegung kam, nennt Wittwer die Strukturen der Stockwerkeigentümer-Gemeinschaft und deren «völlig unterschiedliche Interessenlagen».
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