Tagblatt Online, 27. Juli 2012 14:57:00
Nik Hartmann: «Das Publikum ist genauso kribbelig wie ich»
«Billige Klischees, so beispielsweise das Mäkeln am St.Galler Dialekt, thematisieren wir nicht»: Nik Hartmann auf dem Gallusplatz. (Bild: Ralph Ribi)
ST.GALLEN. Nik Hartmann, Moderator von «SF bi de Lüt – live», rückt am Samstagabend St.Gallen ins nationale TV-Scheinwerferlicht. Er spricht über Bratwürste, den Charakter der St.Galler und die Vorbereitungen auf die Sendung.
Herr Hartmann, wann haben Sie zuletzt eine St.Galler Bratwurst genossen?Nik Hartmann: Erst gerade vor ein paar Wochen. In unserer Nachbarschaft wohnt eine St.Gallerin, die jeweils das ganze Quartier mit Bratwürsten von den Metzgereien Schmid oder Gemperli versorgt. Zudem lebt seit einigen Monaten mein Bruder in der Stadt – er ist mit einer St.Gallerin zusammen. Von daher ist die Versorgung mit Bratwürsten gewährleistet.
Dann essen Sie wohl gar keine Bratwürste mehr, die nicht aus der Ostschweiz kommen?
Hartmann: Doch – Bratwurst ist Bratwurst. Wobei: Die original St.Galler Kalbsbratwurst ist halt schon ein besonderes Erlebnis.
Was verbinden Sie sonst noch mit dem Austragungsort Ihrer «SF bi de Lüt – live»-Sendung vom Samstag?
Hartmann: Das OpenAir. Ich war in meiner Jugend als Besucher am Festival und moderierte es später ein paar Jahre. Und es gibt weitere schöne Erinnerungen an die Ostschweiz: Als Bub war ich in Wildhaus in den Ferien, und vor kurzen wanderte ich in den Gebieten Pizol/Weisstannental/Walensee. Die Ostschweiz dünkt mich vielfältig, und die Eigenständigkeit der Stadt St.Gallen gefällt mir. Die Menschen hier sind selbstbewusst und handeln aus dem Bauch heraus – das passt zu mir.
Wie verhindern Sie es, dass in den Sendungen, die aus bekannten Orten kommen, ein Klischee ans nächste gereiht wird?
Hartmann: Gegenfrage: Was ist schlecht an Klischees? Sie gehören doch einfach dazu! Man reist ja auch nicht in eine Stadt und lässt die Sehenswürdigkeiten aus. Für die Hunderttausenden von Zuschauern, die unsere Sendungen verfolgen, gehört beispielsweise das Thema Bratwurst schlicht dazu, wenn wir in St.Gallen sind. Wir gehen aber einen Schritt weiter und fragen beispielsweise, warum die St.Galler Wurst so fein ist und was hineingehört. Wir werden aber auch auf andere Themen zu sprechen kommen, beispielsweise das Weltkulturerbe. Und: Billige Klischees, so beispielsweise das Mäkeln am St.Galler Dialekt, thematisieren wir nicht.
Stadtpräsident Thomas Scheitlin hat in unserer Zeitung selbstbewusst verlauten lassen, dass St.Gallen bei «SF bi de Lüt – live» nicht mitgemacht hätte, wenn in dieser Staffel erneut vor allem kleinere Orte berücksichtigt worden wären…
Hartmann: Ja, das habe ich gelesen. Ich finde diese Haltung gut, eine Teilnahme an unserer Sendung ist jedem Ort freigestellt. Wenn eine Stadt findet, sie passe nicht zu unserem Format: tant pis – selber schuld.
Weshalb wurde der Fokus diesen Sommer auf grössere Orte gelegt, während «SF bi de Lüt – live» in den vergangenen Jahren vor allem in der Provinz zu Gast war?
Hartmann: Das war ein strategischer Entscheid des Schweizer Fernsehens. Auch grössere Orte haben ihren Charme, und hier gibt es mehr Geschichten zu erzählen. Zudem ist unsere Sendung nicht per se ländlich. Wir sind generell mutiger geworden, unsere Infrastruktur auch an grösseren Orten aufzustellen, was einen ziemlichen Aufwand für uns, aber auch die jeweiligen Städte bedeutet.
Sie sind in den vergangenen Jahren in Rapperswil-Jona, Wil und Romanshorn zu Gast gewesen. Was ist Ihnen von diesen Orten geblieben?
Hartmann: Wir sind bis jetzt überall herzlich empfangen worden, und das war auch in der Ostschweiz so. Speziell in Erinnerung geblieben ist mir die Sendung aus Wil. Ich kannte von diesem Ort vorher nur den McDonald's-Schriftzug, den man von der Autobahn aus sieht. In der Sendung wurde aus dem schwarzen Entlein Wil dann ein weisser Schwan. Und genau das ist auch der Reiz an «SF bi de Lüt – live»: Das vermeintlich Bekannte während eines Abends in einem anderen Licht zu präsentieren.
Ab welchem Zeitpunkt sind Sie jeweils für die Vorbereitungen auf die Samstagabend-Sendung vor Ort?
Hartmann: Ab dem Freitagmittag. Zuvor gab es schon Sitzungen mit der Produktion sowie der Regie, wo wir unter anderem überlegen, was wir noch in die Sendung integrieren könnten oder was wir besser wieder streichen. Am Freitagnachmittag gibt es dann Stellproben und am Abend einen kompletten Durchgang der Sendung – allerdings nur mit Statisten und ohne die Bands. Am Samstag um 16 Uhr folgt dann die Generalprobe – ebenfalls mit Statisten als Gesprächsgästen, dafür aber mit jenen Bands, die am Abend dann auch tatsächlich in der Sendung sind.
Und wo übernachtet Nik Hartmann in St.Gallen?
Hartmann: In einem Hotel ganz in der Nähe des Gallusplatzes.
Weshalb muss man die Sendung aus St.Gallen unbedingt gesehen haben?
Hartmann: Für Einheimische lohnt sich das Anschauen der Sendung, weil sie Altbekanntes von Menschen präsentiert erhalten, die nicht von hier stammen. Dem Rest wollen wir einen Unterhaltungsabend bieten, nachdem die Leute sagen: «Komm, wir gehen wieder einmal nach St.Gallen!» Wir gehen mit den jeweiligen Orten sorgfältig um. Am besten ist es jedoch, wenn die Leute direkt an den Gallusplatz kommen für die Sendung. Es herrscht jeweils richtiggehende Volksfeststimmung, und das Publikum ist genauso kribbelig wie ich, bis es losgeht.
Interview: Daniel Walt
Nik Hartmann im St.Galler Quiz
Wie viele Studierende hat die HSG?
Rund 4500. (Richtige Antwort: etwa 7200)
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Drei Weieren.
Wofür steht das Kürzel Olma?
Ostschweizerische land- und milchwirtschaftliche Ausstellung.
Wann wurde der FC St.Gallen gegründet?
Ende des 19. Jahrhunderts. (Richtige Antwort: 1879)
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Kurt Furgler
Welcher Fasnachts-Ehrentitel wird in St.Gallen vergeben?
Födlebürger.
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