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Tagblatt Online
13. März 2013, 07:54 Uhr

Neue Moschee in der Kegelbahn

Beten auf der Kegelbahn: Noch-Hausbesitzer Bruno Bianchi (links) verkauft das Restaurant Burghof an den neuen Verein Paradies Moschee, im Bild Vereinspräsident Refet Jonuzi. Zoom

Beten auf der Kegelbahn: Noch-Hausbesitzer Bruno Bianchi (links) verkauft das Restaurant Burghof an den neuen Verein Paradies Moschee, im Bild Vereinspräsident Refet Jonuzi. (Bild: Luca Linder)

Im Restaurant Burghof entsteht ein islamisches Kulturlokal. Der neugegründete Verein Paradies Moschee schafft Raum fürs gemeinsame Beten und Spielen. Zwei der vier bestehenden Kegelbahnen werden zur Moschee umgenutzt.

JEANETTE HERZOG

Von aussen scheint es, als sei beim «Burghof» an der Paradiesstrasse alles beim Alten. Sogar die frühere Menukarte hängt noch im Schaukasten. Doch Féchy, Merlot und Schützengarten-Bier wird im «Burghof» bald nicht mehr ausgeschenkt. Auch die Pizza Prosciutto und das Schweinssteak gibt es nicht mehr. Die Quartierbeiz wird künftig als islamisches Kulturlokal genutzt, Alkohol und Schweinefleisch sind also tabu. Der neugegründete Verein Paradies Moschee hat das Restaurant im Erdgeschoss und die Kegelbahnen im Untergeschoss gemietet. 2015 will der Verein das ganze Haus kaufen, ein provisorischer Vertrag ist laut Besitzer Bruno Bianchi bereits unterzeichnet.

Zweiter Anlauf im «Burghof»

«Im April oder Mai werden wir das Restaurant wieder eröffnen», sagt Vereinspräsident Refet Jonuzi. Der 35-Jährige hat den «Burghof» bereits vor drei Jahren für kurze Zeit geführt. Damals klappte es aus privaten Gründen nicht. Nun nimmt er gemeinsam mit dem Verein einen erneuten Anlauf. Er will den Betrieb als Pizzeria führen, deren Ofen auch für Gäste mit kleinem Budget etwas hergibt. Gerade im Untergeschoss muss bis zur geplanten Eröffnung im April oder Mai aber noch einiges getan werden. «Zwei der vier Kegelbahnen bauen wir zum Gebetsraum um», sagt Jonuzi. Die Fachleute unter den 70 Vereinsmitgliedern steigen jeweils nach Feierabend in die Überhosen, um die Sanierung voranzutreiben. Da ein Wasserschaden die Arbeiten aber verzögert, haben sie einen Teppich auf den zwei anderen Kegelbahnen ausgelegt. Nun beten die Vereinsmitglieder zwischen Rücklauf und Anzeigetafel.

Refet Jonuzi macht das nichts aus. Er hat sich früher im Computerraum der Kegelbahn zum Gebet niedergekniet. «Das Restaurant mit Kegelbahn wurde für mich damals zu einer zweiten Heimat», sagt er. Auch nachdem er den «Burghof» wieder schliessen musste, traf er sich regelmässig mit Kollegen zum Kegeln, Billardspielen oder «Töggele». In dieser Zeit sei die Idee eines Kulturlokals entstanden, in dem das Spielen und Beten vereint werden könnte.

Religion spielerisch lehren

Dieselbe Idee hegte auch Fehim Dragusha seit einiger Zeit. Der ehemalige Imam der islamischen Gemeinschaft El-Hadje in St. Gallen Winkeln stiess damit bei seinen Arbeitgebern aber nicht auf offene Ohren. Als er das Angebot erhielt, für den Verein Paradies Moschee zu arbeiten, sagte er zu. Künftig will der 30jährige Imam bei Kindern und Jugendlichen das Interesse für die Religionen spielerisch wecken.

Ende 2011 hatte Dragusha noch für ganz andere Schlagzeilen gesorgt: «Imam rät Eltern zu Gewalt gegen Kinder», hiess es in den Medienberichten. Er hatte auf seiner Homepage ein Allah-Zitat publizierte, in dem es hiess, dass Kinder ab zehn Jahren zu schlagen oder zu tadeln seien, wenn sie nicht beten wollten. «Ich lebte damals erst seit kurzer Zeit in der Schweiz und hatte die deutsche Übersetzung nicht verstanden», sagt er. Stadtrat Nino Cozzio und Pfarrer aus der Stadt hatten dem jungen Imam damals den Rücken gestärkt.

Keine geschlossene Gesellschaft

«Ich bin für einen modernen Islam», sagt Dragusha. Diese Einstellung teilt der neue Verein; im siebenköpfigen Vorstand haben zwei Frauen Einsitz. Das Kulturlokal werde keine geschlossene Gesellschaft beheimaten. «Im Restaurant und auf der Kegelbahn sind Gäste aller Glaubensrichtungen und Nationalitäten willkommen», sagt Jonuzi.



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