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Tagblatt Online
6. Februar 2016, 20:12 Uhr

Für einmal ohne Kanone zum Föbü

Philipp Schwander ist der einzige Schweizer Master of Wine - und nun auch Ehren-Födlebürger. Zoom

Philipp Schwander ist der einzige Schweizer Master of Wine - und nun auch Ehren-Födlebürger.

Der einzige Schweizer "Master of Wine", der aus St.Gallen stammende Philipp Schwander, ist Ehren-Födlebürger der Stadtsanktgaller Fasnacht. Getauft wurde er am Samstagabend mit viel Konfetti, aber ohne Kanone. Diese ist in Revision.

Reto Voneschen

ST.GALLEN. Vor einigen Hundert Fasnächtlerinnen und Fasnächtlern ist am Samstagabend zu Füssen des Vadian-Denkmals der 42. Ehren-Födlebürger (Föbü) der Stadtsanktgaller Fasnacht gekürt worden. Für viele überraschend ist es Philipp Schwander. Er ist der bisher einzige Schweizer "Master of Wine".

Der Weinkenner und erfolgreiche Weinimporteur hat Stadtsanktgaller Wurzeln. Geehrt wurde er als Botschafter der Gallusstadt "in der Fremde", weil er seinen Wurzeln und der St.Galler Bratwurst treu geblieben ist, aber auch, weil er demnächst eine Filiale seiner erfolgreichen Weinhandlung am Burggraben eröffnen wird.

Bilderstrecke: Philipp Schwander ist der neue Föbü

  • Der als Bacchus verkleidete 42. Föbü harrt beim Vadian-Denkmal der Dinge, die da kommen sollen.
  • Bacchus, begleitet vom Kellermeister, drei Sternchen und den bisherigen Ehren-Födlebürgern, auf dem Weg zur Konfettitaufe.
Der neue Ehren-Födlebürger der Stadtsanktgaller Fasnacht heisst Philipp Schwander. Er wurde am Samstagabend vor dem Vadian-Denkmal in der Innenstadt gekürt. (Bilder: Ralph Ribi)


Die Konfettikanone fehlte vielen

Die Kür des Föbü ist ein traditioneller und auch viel beachteter Bestandteil der Stadtsanktgaller Fasnacht. Der erste Föbü war 1973 der Künstler und legendäre Fasnächtler Max Oertli. Von ihm und René Engeler, der sie bis heute mit seinem Team bedient, stammt auch die berühmt-berüchtigte Konfetti-Kanone.

Mit dem Monstrum werden seit 1983 Föbinen und Föbüs mit einem lauten, rauchigen und konfettireichen Ritual ins Fasnachtsparadies geschossen. 2015 erlangte die Kanone nationale Medienaufmerksamkeit. Dies, weil der 41. Föbü Hanspeter Trütsch, der in St.Gallen wohnende Chef der Bundeshausredaktion von Fernsehen SRF, beim Verschuss leicht am Kinn verletzt worden war.

Die Kanone ist in der Revision

In diesem Jahr stand das phantastische und skurrile Fasnachtsgeschütz nicht im Einsatz. Was am Samstag – gemessen an den Buh-Rufen auf die entsprechende Mitteilung hin – viele Zuschauerinnen und Zuschauer bedauerten.

Die Konfettikanone muss aber nachgerüstet werden, um den neusten Vorschriften zu entsprechen. So darf künftig beim Föbü-Verschuss kein Schwarzpulver mehr zum Einsatz kommen. Das haben Amtsstellen und Föbüs kurz vor der Fasnacht gemerkt und noch kurzfristiger kommuniziert.

Für einmal Konfetti von oben

Philippe Schwander blieb damit am Samstagabend der Gang vor die Kanone erspart. Er wurde quasi mit einem Aushilfsverfahren zum Föbü geadelt: Föbine Mélanie XII. Rietmann-Knüsel und Föbü Michael XXXV. Hüppi deckten den als Bacchus verkleideten, 42. Anwärter auf den fasnächtlichen Ehrentitel von einer Hebebühne aus kübelweise mit Konfetti ein.

Umrahmt wurde der rund eine halbe Stunde dauernde Festakt wie üblich von den Guggen. Unter anderem mit einer fasnächtlichen Version des Schlagers "Griechischer Wein". Zum Zeichen, dass die Stadt einen neuen Föbü hat, zauberte am Schluss wie üblich eine Feuerwerksrakete ein Sternen-Bouquet an den Nachthimmel über der St.Galler Altstadt.

"Födle, Herz und Humor"

Der erste Stadtsanktgaller Föbü wurde 1973 gekürt. Die Idee dazu war ein Jahr zuvor in bierseliger Runde von Guggern und anderen Kreativen ausgeheckt worden. Der Ehren-Fasnächtler soll sich bis heute durch "Födle, Herz und Humor" auszeichnen. Häufig ist es eine oder einer, der im zurückliegenden Jahr durch Zivilcourage, eben durch Födle, auf sich aufmerksam gemacht hat.

Dem Föbü wird immer am Fasnachtssamstag mit viel Konfetti, Rauch und kakophonischen Klängen der Guggen der letzte Rest Spiessertum ausgetrieben. Zum Brauch gehört übrigens auch die dem Verschuss folgende, mehr oder minder öffentlich ausgetragene Diskussion, ob die aktuelle Föbine oder der aktuelle Föbü die Fasnachtswürde tatsächlich verdiene.

Mehr zum Thema in der Ausgabe vom 8. Februar.


 


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