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Tagblatt Online, 02. August 2012 09:41:00

«Man schiebt das Problem vor sich hin»

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Fahrende aus Frankreich hatten vor rund zwei Wochen das Breitfeld in Beschlag genommen. (Bild: Ralph Ribi)

GOSSAU. Für Fahrende gibt es zu wenig Durchgangsplätze, und ausländische Roma haben andere Bedürfnisse und Bräuche als Schweizer Jenische. Das stellt die Behörden vor Herausforderungen. So auch in Gossau, wo ein Durchgangsplatz geplant ist.

DAVID GADZE

Die Situation der Fahrenden in der Schweiz sorgt zurzeit für Diskussionen. Nicht nur der Vorfall im Wallis, wo letzte Woche eine ausländische Hochzeitsgesellschaft eine Wiese besetzte und verwüstete, gibt zu reden. Sondern auch derjenige in Winkeln, als vor rund zwei Wochen französische Fahrende mit acht Wohnwagen während zehn Tagen zuerst im Breitfeld und danach im Winkler Industriegebiet hielten (Tagblatt vom 17. Juli).

Eine Strategie des Vergraulens

Das rückt auch den geplanten Durchgangsplatz in Gossau wieder ins lokale Interesse. Ursprünglich hätten die Behörden dessen Benützung Schweizer Fahrenden vorbehalten wollen, sagt Cornelia Sutter, Siedlungsplanerin beim kantonalen Amt für Raumentwicklung und Geoinformation.

Ein Gutachten der Universität St.Gallen im Auftrag des Baudepartements kam jedoch zum Schluss, dass diese Beschränkung des Nutzungsrechts einer Diskriminierung gemäss Bundesverfassung gleichkäme. Also entschloss man sich, den Durchgangsplatz möglichst klein zu halten und ihn so für die ausländischen Fahrenden, die meist in grösseren Gruppen unterwegs sind, möglichst uninteressant zu machen. Gegen die Öffnung des Platzes für Fahrende aus dem Ausland hat der Quartierverein Winkeln bei der Stadt Gossau Einsprache eingelegt. Was die Frage aufwirft, ob es dem Quartier nicht lieber wäre, die Fahrenden würden auf dem Durchgangsplatz halten, anstatt willkürlich freie Flächen zu besetzen.

Laut Quartiervereinspräsident Ramon Gubelmann wolle man mit der Einsprache bloss den «Etikettenschwindel» der Behörden, die einen Platz ausschliesslich für Schweizer Fahrende in Aussicht gestellt haben sollen, anprangern. «Was hier passiert, ist anrüchig.» Doch weshalb konzipieren die Behörden die Durchgangsplätze nicht von Anfang an so, dass sie auch den Ansprüchen der ausländischen Fahrenden genügen, und ersparen sich so Situationen wie jene in Winkeln? «Die Durchgangsplätze wurden bewusst so geplant, dass sie in erster Linie für Schweizer Fahrende geeignet sind», sagt Sutter. Dies sei auf deren Wunsch hin geschehen.

Zu unterschiedliche Mentalität

Bereits im Konzept, das das kantonale Baudepartement in Zusammenarbeit mit den Regionen und Schweizer Fahrenden im Mai 2006 erarbeitet hatte, war die Rede davon, dass «aufgrund der unterschiedlichen Ansprüche und Mentalitäten die Mitbenutzung der Durchgangsplätze durch gewisse Gruppen von ausländischen Fahrenden problematisch» sei. Aus diesem Grund wurde vorgeschlagen, im Fürstenland und im Rheintal entlang der Hauptverkehrsachsen der Autobahnen A1 und A13 sogenannte Transitplätze einzurichten, die für ausländische Fahrende geeignet wären.

Der Kantonsrat hatte eine dafür nötige Budgeterhöhung jedoch abgelehnt. Mit den nun vorhandenen 2,85 Millionen Franken würden in erster Linie die beiden Durchgangsplätze in Thal und Gossau finanziert. «Uns ist jedoch bewusst, dass wir längerfristig auch für die ausländischen Fahrenden eine Lösung finden müssen», sagt Cornelia Sutter.

Problem ist seit Jahren bekannt

Eine solche wünscht sich auch Urs Glaus, Geschäftsführer der Stiftung Zukunft für Schweizer Fahrende. «Wir haben den Bund bereits im Jahr 1998 in einem Bericht darauf aufmerksam gemacht, dass es adäquate Plätze für Grosskonvois braucht.» Man schiebe das Problem jedoch vor sich hin.

Eine Trennung von einheimischen und ausländischen Fahrenden hält Glaus für sinnvoll. «Das Hauptproblem sind die kulturellen Unterschiede zwischen den Jenischen, die den Grossteil der Schweizer Fahrenden ausmachen und an das Zusammenleben mit der Bevölkerung gewöhnt sind, und den ausländischen Roma, die eigene Sitten und Bräuche pflegen.»

Diese Differenzierung sei sachlich begründet. «Toiletten beispielsweise gelten bei den Roma als unrein und werden deshalb nicht benützt, gelegentlich sogar zerstört», sagt Glaus. Schon allein deshalb könne man für die beiden Gruppen nicht dieselben Plätze einrichten.




Leser-Kommentare:
2 Beiträge

Kommentare lesen

adolfk31 (02. August 2012, 12:56)
Wenn wir schon ....

Volle Infrastrukturen für Zehntausende von sogenannten Wirtschafts- Flüchtlingen fremder Kulturen und Religionen kreieren, können wir sicherlich auch Platz für die in Europa fahrenden Roma schaffen ! - Allerdings bedarf es dazu dringendst einer zuvor amtlich abgesegnete Verwaltung und Überwachungs- Organisation.

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deich (02. August 2012, 12:20)
Schieben

Wenn solche Fragestellungen in der Schweiz nicht zur Zufriedenheit aller (Menschen!) gelöst werden können, werden alle netten 1. Augustansprachen ad absurdum geführt und nutzlos verpuffen! Wer schiebt da was vor sich hin? Und wenn: Warum?

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