Tagblatt Online, 20. Juli 2012 07:51:00
«Illegale Parties sind das Hinterletzte»
ST.GALLEN. Die illegale Party von vergangenem Samstag auf dem Marktplatz stösst bei vielen auf Missmut. Passantinnen und Passanten befürworten eine spezielle Jugendbewilligung, wie es sie in Zürich gibt, mehrheitlich.
Remo Fraefel, 17, Schüler, Oberuzwil
Wie soll so eine Jugendbewilligung ablaufen oder was wird sie am Verhalten der Leute ändern? Grundsätzlich bin ich aber schon dafür. Der Organisator müsste den Überblick haben. Nur möchte sicher kein Jugendlicher die Verantwortung über eine solche Veranstaltung übernehmen. Der Reiz einer solchen Party geht für mich durch eine Bewilligung aber nicht verloren. Es kann ja nur besser werden als zurzeit.
Franz Koller, 65, pensioniert, Winkeln
In St.Gallen würde eine Jugendbewilligung sicher auch funktionieren. Ich finde, dass die Steuerzahler Anrecht auf eine Bewilligungspflicht haben. Im Prinzip sind die Jugendlichen friedlich. Das Problem lässt sich nicht pauschalisieren. Von Vorteil ist, dass es mit einer Jugendbewilligung auch Auflagen für die Party gibt. Im öffentlichen Raum könnten sich sonst Anwohner gestört fühlen. Die Verantwortung läge dann bei einer Person, und die Stadt hätte einen Ansprechpartner. Bei einem solchen Menschenauflauf muss auch für Sicherheit gesorgt werden. Ansonsten gäbe es nachher Kritik am fehlenden Einschreiten der Polizei.
Odile Steurer, 60, Lehrerin, Rotmonten
Es ist schwer zu sagen, ob es solche Jugendbewilligungen wirklich braucht. Mit einer Erlaubnis wäre es nicht gleich spannend. Grundsätzlich habe ich nichts gegen solche Parties. Ich habe selber zwei Söhne und denke, es ist eine Frage der Erziehung. Wenn die Leute viel Alkohol konsumieren, kommt es immer zu Problemen. Nur wegen wenigen Personen, welche randalieren, muss die Polizei eingreifen. Das ist sehr schade.
Franziska Nünlist, 27, Detailhandelsangestellte, St.Gallen
Solche illegalen Parties sind das Hinterletzte. Wieso sind sie überhaupt plötzlich nötig? Vielleicht ist das auch nur mein eigenes Vorurteil. Aber ich glaube nicht, dass die Veranstalter alles im Griff haben. Sie wissen nicht, was die Organisation umfasst und welche Gefahren bestehen. Darum halte ich eine Jugendbewilligung für etwas Gutes. Durch das Bewilligungssystem ginge der Anreiz verloren und dann wären diese Parties auch nicht mehr so «geil».
Dominik Graf, 20, Student, Zürich
Das Bewilligungssystem hat seine Vor- und Nachteile. Es wäre wieder ein administrativer Aufwand. Ich finde es aber gut, wenn die Jugendlichen auf diese Art den öffentlichen Raum benutzen dürfen. Das wäre präventiv, weil es weniger zu illegalen Veranstaltungen verführen würde. Aber man muss auch einsehen, dass der Reiz gerade beim Illegalen liegt.
Patrizia Wirth, 25, Fachangestellte Gesundheit, Goldach
Mit einer speziellen Bewilligung gäbe es sicher weniger illegale Parties. Das St.Galler Fest zum Beispiel zeigt, dass man auch Spass haben kann, ohne dass die Situation eskaliert. Wenn etwas wirklich geplant ist, wird es meiner Meinung nach auch besser. Ich selber würde nicht an eine illegale Party gehen, weil die Probleme mit der Polizei vorhersehbar sind.
Achille Mangiavacchi, 70, pensioniert, St.Gallen
Die Party vom Samstag war eine Schande für die Stadt und die Polizei. Die Organisatoren hatten den Anlass nicht unter Kontrolle. Die Gewalt nahm überhand. Und leider wie immer wegen ein paar einzelnen Jugendlichen. Ich war auch auf dem Marktplatz. Es war ein riesiger Lärm. Jemand muss die Verantwortung übernehmen. Darum bin ich für die Jugendbewilligungen. Der Marktplatz wäre eigentlich ideal für grössere Veranstaltungen, weil hier nur wenige Leute wohnen. Und schmutzig wird die Stadt am Wochenende auch ohne die Krawallmacher.
Severino Clerici, 39, Typographischer Gestalter, St.Gallen
Das Problem ist von grundsätzlicher Art. Die Jugendlichen müssen gelenkt werden. Damit alles geordnet abläuft, muss man ihnen Spielraum geben. Da appelliere ich an die Eigenverantwortung. Chaoten gibt es immer. Die sollten von der Gruppe ausgeschlossen werden. Eine gewisse Spontaneität ist aber wichtig. Darum bin ich eher gegen die Jugendbewilligungen. Die Polizei sollte die Situation richtig einschätzen können, aber keine wahnsinnige Präsenz zeigen.
Agir Sabatin, 25, Sachbearbeiter, St.Gallen
Die Veranstalter solcher Partys sollten ihr Vorhaben publik machen und sich eine Bewilligung holen. Es war eigentlich klar, dass eine Party stattfinden würde. Die Medien haben darüber berichtet. Der Fehler lag auch bei der Polizei. Sie hätten die Ankündigung nicht so gelassen hinnehmen dürfen und in einer Medienmitteilung über die erforderliche Bewilligung und Folgen informieren müssen.
Patrizia Fuego, 20, Fotofachfrau, Erlen
Ich finde, Jugendbewilligungen sollten eingeführt werden. Ich denke aber nicht, dass sich damit etwas bessern würde. Denn die Leute finden illegale Parties einfach cooler, obwohl dann viel zerstört wird. Niemand lernt aus den Erfahrungen.
Text: Julian Stiefel, Bilder: Jean-Yves Proeller
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