Tagblatt Online, 31. Oktober 2012 08:23:00
Gewerbe verhalten optimistisch
Hier beginnt Weihnachten im Oktober: Der Coop City am Bohl ist bereit fürs grosse Geschäft. (Bild: Ralph Ribi)
ST.GALLEN. Die Geschäfte in der Stadt stecken mitten in den Vorbereitungen fürs Weihnachtsgeschäft. Die meisten blicken der Adventszeit zuversichtlich entgegen. Der Einkaufstourismus ins nahe Ausland hat sich ihrer Meinung nach stabilisiert.
DAVID GADZE/TOBIAS HÄNNI
Auch wenn der Winter dieses Jahr besonders früh begonnen hat – Weihnachten liegt für viele Menschen noch in weiter Ferne. Nicht jedoch für die Geschäftsführer und Angestellten des städtischen Gewerbes. Langsam, aber sicher wird in den Geschäften die Herbstdekoration durch Weihnachtsguezli, Christbaumschmuck und Geschenkpapier ersetzt. Nachdem im letzten Jahr das Weihnachtsgeschäft unter dem Einkaufstourismus ins nahe Ausland gelitten hat, sind die Geschäfte dieses Jahr zuversichtlicher. «Verhalten optimistisch», fasst Josef Huber, Präsident des Gewerbeverbands Pro City, die Stimmung bei den Geschäftsführern in der Stadt zusammen.
Lange Wartezeiten am Zoll
Der Einkaufstourismus hat sich laut Huber stabilisiert. Für ihn sprechen mehrere Gründe dafür, weshalb die Konsumenten dieses Jahr ihre Geschenke lieber in St. Gallen als in Konstanz kauften. «Erstens haben sie ihre Erfahrungen mit langen Wartezeiten etwa am Zoll gemacht.» Zweitens sei das Thema nicht mehr so ausgeschlachtet worden wie im letzten Jahr, als die Medien mit Preisvergleichen das günstige Ausland beworben hätten. «Und langsam schlagen sich die tieferen Preise bei Importprodukten nieder», sagt Huber, der als Geschäftsführer des Coop City am Bohl die Entwicklungen an der Front miterlebt.
Für das Weihnachtsgeschäft, das im Coop City in den nächsten Tagen beginnt, hat man bei Pro City über spezielle Aktionen nachgedacht. «Wir haben etwa über Gratis-Parkplatz-Tickets diskutiert», sagt Huber. Alle 160 Verbandsmitglieder ins Boot zu holen, sei aber nicht möglich gewesen. «Aber es gibt bei einzelnen Geschäften Aktionen.»
Sonntags und nachts einkaufen
Die Shopping Arena will ebenfalls mit Aktionen Kunden anlocken. Viel Umsatz erhofft man sich vor allem von den Sonntagsverkäufen und dem Night-Shopping. «Umsatzmässig wollen wir mindestens das Vorjahresniveau halten», sagt Marc Schäfer, Leiter des Einkaufszentrums. Man gehe optimistisch ins Weihnachtsgeschäft. «Der Eurokurs hat sich eingependelt, und die Preisdifferenzen sind nicht mehr so gross wie letztes Jahr.»
Von kleineren Preisdifferenzen spricht auch András Németh, Marketingleiter bei Orell Füssli, der die Buchhandlung Rösslitor betreibt. «Importierte Bücher sind günstiger geworden.» Die Preisentwicklung und eine Reihe an «guten Neuerscheinungen» lassen Németh auf ein gutes Weihnachtsgeschäft hoffen. «Dieses beginnt bei uns Mitte, Ende November.» Neben einer Zeitungsbeilage mit Buchtips sei das Rösslitor bei zwei Sonntagsverkäufen dabei.
Auf spezielle Aktionen verzichtet Mode Weber. «Bei Produkten im gehobeneren Bereich können wir nicht plötzlich unsere Preise purzeln lassen. Damit würden wir uns unglaubwürdig machen», sagt Mitinhaber Urs Weber. Auch er sieht dem Weihnachtsgeschäft gespannt entgegen. «Unsere Hauptmonate sind jedoch September und Oktober», sagt er. Während der Weihnachtszeit mache man vor allem mit Accessoires ein gutes Geschäft. «Wir hoffen, ein Umsatzplus von drei bis vier Prozent erreichen zu können.»
Migros ist «verhalten positiv»
Bei der Migros Ostschweiz gibt man weder eine Prognose ab noch konkrete Ziele preis. «Wir haben auch dieses Jahr unsere Preise gesenkt. Wenn wir also den gleichen Umsatz erreichen wie 2011, wäre es bereits ein Erfolg», sagt Kommunikationsleiter Andreas Bühler. Für den Detailhandel seien die letzten zweieinhalb Monate des Jahres, wo bis zu einem Drittel des Gesamtumsatzes eines Jahres erwirtschaftet werde, entscheidend. Nach Auswertung der ersten drei Wochen des Weihnachtsgeschäfts sei man «verhalten positiv».
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