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Tagblatt Online
21. März 2016, 07:35 Uhr

Gesucht: Haus für Soziale Dienste

Haus 23 an der Wassergasse: Früher im Besitz der Raiffeisen-Pensionskasse-Genossenschaft, ist heute die Grossbank Raiffeisen Mieterin. Zoom

Haus 23 an der Wassergasse: Früher im Besitz der Raiffeisen-Pensionskasse-Genossenschaft, ist heute die Grossbank Raiffeisen Mieterin. (Bild: Urs Bucher)

Die Stadt St.Gallen tut sich offensichtlich schwer, für den Zusammenzug der Sozialen Dienste und der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) ein geeignetes Gebäude zu finden. Der Fall «Haggenstrasse 45» ist nicht der erste.

DANIEL WIRTH

Der Stadtrat hat die Notbremse gezogen und das Projekt für den Umbau des Gebäudes an der Haggenstrasse 45 überraschend abgebrochen (Tagblatt vom 18. März). Im ehemaligen Geschäftshaus unterhalb des Bahnhofs Haggen wollte die Stadt die Sozialen Dienste (SDS) und die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) zusammenziehen. Bei der Projektierung, für die das Parlament im Februar 2015 einen Kredit über 439 000 Franken gesprochen hatte, stellte sich dann aber heraus, dass die Kosten explodieren. Gekauft hatte die Stadt diese Liegenschaft im Jahr 2013. Jetzt will sie das Haus vermieten.

Die Geschichte wiederholt sich

Ein Jahr zuvor hatte die Stadt schon einmal ein Gebäude erworben mit der Absicht, darin die Sozialen Dienste zusammenzuziehen; diese sind heute an vier Standorten im Stadtzentrum untergebracht. Das Stadtparlament bewilligte 2012 einen Kredit über 7,9 Millionen Franken für den Kauf des Hauses an der Wassergasse 23. In der Vorlage ans Parlament schrieb der Stadtrat seinerzeit, «dass sich die Liegenschaft Wassergasse 23 für die neu strukturierten Sozialen Dienste St.Gallen (bisher Sozialamt und Vormundschaftsamt) eignen würde, sowohl aufgrund der Räumlichkeiten und der Grösse wie auch aufgrund der Lage wenige Fussminuten vom Hauptbahnhof entfernt».

Diese Übung brachen die Verantwortlichen der Stadtverwaltung bereits ab, bevor dem Stadtparlament ein Projektierungskredit beantragt wurde. Hierzu schrieb der Stadtrat in der Vorlage: «Sollte die Lösung für die Sozialen Dienste nicht zum Tragen kommen, ist die Wassergasse 23 auch für andere städtische Zwecke oder für die Vermietung oder die Abgabe für private Nutzungen sehr gut geeignet.»

Erworben hatte die Stadt das Geschäftshaus an der Wassergasse 23 von der Raiffeisen-Pensionskasse-Genossenschaft. Die Grossbank hatte 2011 ihren Neubau am Raiffeisenplatz 8 bezogen und benötigte die Büros an der Wassergasse 23 nicht mehr. Jetzt braucht sie diese wieder. Serafina di Stefano, Leiterin des Liegenschaftenamtes der Stadt, bestätigt auf Anfrage, dass die Stadt das gesamte Gebäude mit einem Volumen von 8310 Kubikmetern seit Anfang dieses Jahres wieder an die Raiffeisenbank vermiete. Seit dem Erwerb durch die Stadt bis Ende 2015 wurde das Haus für Zwischennutzungen angeboten: Eine Schule setzte wochenweise Kreativprojekte darin um, und auch die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva) war zeitweise an der Wassergasse im Bleicheli eingemietet.

Büros für 140 Banker

Raiffeisen-Pressesprecher Franz Würth sagt auf Anfrage, die Bank habe zusätzliche Büros benötigt, darum werde die Liegenschaft von der Stadt gemietet. Gegenwärtig arbeiten gemäss Würth wieder 140 Raiffeisen-Mitarbeitende an der Wassergasse 23. Zu Details des Mietvertrages macht Würth keine Angaben, auch Serafina di Stefano nicht. Der Raiffeisen-Pressesprecher sagt aber immerhin, es handle sich um ein langfristiges Mietverhältnis mit der Stadt.

Was macht die Stadt jetzt?

Stadträtin Patrizia Adam steht der Direktion Bau und Planung vor. Sie räumt in Zusammenhang mit der Unterbringung der SDS an der Haggenstrasse 45 Fehler ein: «Wir hätten das Raumprogramm früher klären müssen.» Der Stadtrat werde seine Lehren ziehen. Stadtrat Nino Cozzio, Direktion Soziales und Sicherheit, sagt, die SDS an einem Ort zusammenzufassen, bleibe das strategische Ziel. Derzeit gebe es aber kein geeignetes Gebäude in der Stadt.



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stan (21. März 2016, 16:51)
Kauft doch noch ein Haus, oder zwei....

....irgendeines wird dann schon passen.....gibt es eigentlich keine Aufsichtskommission für nicht fähige Stadträte? Leider sind bis zu den nächsten Wahlen solche Skandale wieder vergessen.

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Pumpelche (23. März 2016, 05:38)
Kommissionen..

..bilden sich mit Parteijüngern der Stadträte. Genug gesagt?

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