Zur Mobile-Ansicht wechseln
Tagblatt Online
11. März 2016, 05:58 Uhr

Wenn Flüchtlinge Schnee schaufeln

Not macht erfinderisch: Flüchtlinge haben eine Abfallplache kurzerhand zu einer "Schneewanne" umfunktioniert, um damit den Hauptplatz des Paul-Grüninger-Stadion von Schnee zu räumen. Zoom

Not macht erfinderisch: Flüchtlinge haben eine Abfallplache kurzerhand zu einer "Schneewanne" umfunktioniert, um damit den Hauptplatz des Paul-Grüninger-Stadion von Schnee zu räumen. (Bild: Urs Bucher)

In einer spontanen Aktion hat der SC Brühl rund 30 Asylsuchende am Donnerstagnachmittag ins Paul-Grüninger-Stadion gerufen. Grund war nicht etwa ein Fussballspiel, sondern die Schneeschicht auf dem Hauptplatz. Der Verein versucht mit deren Hilfe das Terrain bis Samstag bespielbar zu machen.

Alexandra Pavlovic

ST.GALLEN. Rund 20 Zentimeter Schnee auf dem Rasen, Temperaturen um den Gefrierpunkt in der Nacht und kaum Aussicht auf eine Räumung - die Situation auf dem Hauptplatz des Paul-Grüninger-Stadions hätte am Donnerstagmorgen nicht schlechter sein können. Am kommenden Samstag will der SC Brühl gegen Basels U21-Mannschaft auflaufen: "Doch so kann das Spiel nicht stattfinden", sagt Club-Präsident René Hungerbühler. Der Schnee werde von alleine nicht verschwinden. "Das Gartenbaum- sowie das Sportamt der Stadt, die sonst für das Abtragen des Schnees verantwortlich sind, können mit ihren schweren Maschinen nicht auf den Rasen", so Hungerbühler weiter. Sie würden ihn beschädigen. "Der Schnee kann nur mit Schaufeln abgetragen werden."

Doch dazu braucht der SC Brühl Personal - mindestens 30 Personen sind nötig um den rund 7000 Quadratmeter grossen Platz wider bespielbar zu machen. Doch woher so schnell, so viel Personal auftreiben?

Bei Asylzentren angeklopft
"Da der SC Brühl schon mehrere Aktion für Flüchtlinge durchgeführt hat, kam uns spontan die Idee erneut bei den Asylzentren Jungendherberge St.Gallen und dem Zentrum Landegg Eggersriet/Weihnachten anzuklopfen", sagt René Hungerbühler. Gesagt, getan. Die Zentrumsleiter haben die Idee im Rahmen eines Beschäftigungsprogramms unter die Asylsuchenden gebracht. Freiwillige konnten sich melden und an der Aktion teilnehmen.

Um 13.30 Uhr fanden sich so rund 30 Personen auf dem Stadion ein. Ausgerüstet mit Schneeschaufeln und Schneewannen machten sich die Männer im Alter zwischen 20 bis 50 Jahren an die Arbeit. Zugute kam ihnen das gute Wetter. Dank der Sonne wurde der Schnee ein wenig aufgeweicht. "Der Boden ist noch immer gefroren", sagt Brühls sportlicher Leiter Kurt Scheiwiller. Die obere Schicht des Schnees sei kein Problem. "Der Schnee darunter macht uns mehr Sorgen, denn auch dieser ist gefroren."

Bilderstrecke: Schneeschaufeln im Paul-Grüninger-Stadion

Eine dicke Schneeschicht hat den Hauptplatz des Paul-Grüninger-Stadions bedeckt. Damit der SC Brühl am kommenden Samstag gegen Basels U21-Mannschaft spielen kann, musste der Rasen von der weissen Masse befreit werden - und das per Schaufel. Hilfe hat sich der Klub in den Asylzentren Jugendherberge St.Gallen und dem Zentrum Landegg Eggersriet/Weihnachten geholt. In einer spontanen Aktion sind am Donnerstagnachmittag 30 Asylsuchende dem Schnee zu Leibe gerückt. (Bilder: Urs Bucher)
Spass an der Arbeit
Vier Stunden hatten die Asylsuchenden Zeit den Schnee zu räumen. Angeleitet von Scheiwiller, einigen Helfern und dem Platzwart haben sie sorgfältig Quadratmeter für Quadratmeter der weissen Masse abgetragen. Während die einen mit Schaufeln den Schnee zu kleinen Haufen schaufelten, haben die anderen diesen mit der Schneewanne vom Spielfeld transportiert. All dies verrichteten sie aber nicht etwa dick eingepackt in Winterjacken, sondern in kurzen T-Shirts und ohne Handschuhe.

Kalt hatten die Männer offensichtlich nicht. Und auch sonst, war ihnen der Spass an der Arbeit anzusehen. So haben einige Asylsuchenden weisse Abfallplachen kurzerhand in kleine Stücke geschnitten, um damit den Schnee vom Rasen befördern zu können. Jeder wusste sich zu helfen.

Aus dem Alltag herauslocken
Die Abwechslung hat den Asylsuchenden gut getan. Dies war auch das Ziel des SC Brühl: "Wir wollten sie aus dem Alltag herauslocken, sie mit etwas anderem beschäftigen", sagt Präsident René Hungerbühler. Da der Klub bereits im vergangenem Jahr mit ihren Aktionen für Flüchtlinge Erfolg gehabt habe, sah man in der Schneeschaufel-Aktion eine weitere Möglichkeit. "Als Dank werden wir die Asylsuchenden dann auch zum Spiel einladen", so Hungerbühler.

Und wie stand es um den Rasen am Schluss der Übung? Wie ein Zuständiger des SC Brühl am späten Donnerstagabend mitteilt, konnte der Platz trotz tatkräftiger Unterstützung vom Schnee noch nicht vollständig befreit werden. "Wir werden am Freitag nochmals die Schaufeln in die Hand nehmen, damit für den Samstag doch noch alles klappt."
 


Kommentar schreiben

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein.
Noch keinen Zugang? Jetzt kostenlos registrieren.



Anzeige:

Anzeige:

Anzeige:

ostjob.ch  STELLENSUCHE

Ostschweizer Trauerportal

tagblatt.ch / leserbilder

FACEBOOK.COM /TAGBLATT