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Tagblatt Online, 21. Juni 2012 07:44:00

«Es isch», auch bei Westwind

Kinderfest Proben Zoom

Bühne frei! Schulkinder auf der Westbühne warten auf den grossen Auftritt – gestern für die Hauptprobe, heute fürs richtige Kinderfest. (Bild: Urs Bucher)

ST.GALLEN. Das lange Hin und Her hat ein Ende: Heute kann das langersehnte St. Galler Kinderfest endlich stattfinden. Doch schwitzten die Veranstalter gestern noch einmal Blut. Kaum angesagt, regnete es Bindfäden. Eine Nervenprobe für einige.

Er kann wieder strahlen. Es ist 18 Uhr gestern abend. OK- und Schulamts-Chef Christian Crottogini schlendert zufrieden über die Kinderfestwiese, stampft ein-, zweimal auf den Boden. Er hält, hat den Regen vom Nachmittag problemlos geschluckt. Und bereits brennt wieder die Sonne.

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Es war kein leichter Entscheid am Morgen. Die Wetterprognosen verhiessen zwar Sonnenschein, aber auch etwas Niederschlag. Dass es gestern bereits regelrecht zu schiffen begann, damit hatten Crottogini und seine Crew nicht gerechnet. «Das war nicht vorhersehbar», entschuldigt er sich beim ersten Sprutz am Mittag. Neun Millimeter waren's dann insgesamt. «Das Terrain hätte locker das Doppelte geschluckt», versichert Platzchef Werner Siegwart, der ebenfalls ein Wechselbad der Gefühle durchleben musste.

«Wössed er scho meh?», wollte er am Morgen von seinen Helferkollegen wissen. Da war noch nicht sicher, ob das Fest heute tatsächlich steigen würde. Siegwart hoffte darauf. «Wir hatten verschiedentlich Sturmschäden vor allem auf dem westlichen Teil des Geländes. Das reicht mir.»

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Auf den drei Bühnen laufen derweil die Hauptproben. Ruth Helfenberger, Schulleiterin im Boppartshof, erfreut sich an den Darbietungen ihrer Schützlinge, die morgen in St. Galler Stickerei auftreten werden. Nervös? «Das Lampenfieber steigt.» Auch bei den Kindern. Erst recht, als gegen 11 Uhr dann der definitive Entscheid fällt: «Es isch!» Zahlreiche Lehrerinnen und Lehrer haben den SMS-Dienst abonniert, so dass sich die frohe Kunde im Nu verbreitet. Die Spelterini-Schüler erfahren's auf der Bühne und brechen in unbeschreiblichen Jubel aus. Allerdings nicht ganz zur Freude ihrer Betreuerin, die sogleich zur Ruhe mahnt. «Quiet, please!» Als das nichts nützt, fährt Lady Drill gröbere Geschütze auf: «Shut up!» Und siehe da, die offensichtlich des Englischen mächtigen Spelterini-Kids verstummen augenblicklich. Auch Lehrpersonen gehen halt unterschiedlich mit Lampenfieber um.

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Die Sechstklässlerinnen Chloé, Luana und Meret jedenfalls sind froh, dass sie in Rotmonten zur Schule gehen. Freuen sie sich aufs Fest? «Uh mega», entgegnen sie im Chor. Vor allem, weil der ganze (und nicht nur der halbe) Freitag vom Schulamt kurzerhand zum Freitag erklärt wurde. Ob's die Eltern genauso ergötzt?

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Plötzlich verdunkelt sich der Himmel bedrohlich. Es beginnt zu tröpfeln, dann zu giessen. Die Proben laufen weiter. Unter erschwerten Bedingungen. Der Bühnenboden wird spiegelglatt und die Kinder klatschnass.

Erste Zweifel kommen auf. War der Entscheid voreilig? Um 18 Uhr will das OK wieder informieren.

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Die rot-weissen Sonnendächli triefen, Pelerinen und Gummistiefel werden montiert. Platzchef Siegwart hat heute schon entspannter dreingeschaut. An neuralgischen Punkten sollen nun Platten verlegt werden.

Jürg Diriwächter vom Öpfel-Chüechli-Stand Doris wartet vorderhand zu mit Äpfel rüsten. Auch Früchte für sein Birchermüesli will er noch nicht kaufen. Das tat er am 22. Mai schon, am Tag vor dem ersten Festtermin. Die letzten vier Wochen habe er nur Bananen und Melonen gegessen…

Wiesen-Bauer Buchmann, den hier oben alle Johnny nennen, beruhigt. Er zeigt unter die Linde vor seinem Haus. «Der Boden ist dort noch trocken. Das mag's schon leiden.» Johnny, die Ruhe in Person, wurde im Gegensatz zu anderen nicht vom Regen überrascht. «Wir hatten Westwind heute morgen, der bringt oft Niederschlag.»

Er wird auch heute morgen wieder auf den Wind achten. Crottogini sicher auch. Andreas Nagel




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