Direkte Links und Access Keys:

Tagblatt Online, 16. August 2011 07:29:00

Ein offenes Ohr für die Quartiere

Zoom

Stadtrat Nino Cozzio, Sozialdirektor. (Bild: Sam Thomas)

ST.GALLEN. Der Stadtrat will die Stelle eines Quartierentwicklers schaffen. Befristet vorderhand auf drei Jahre. Er soll zwischen Quartier und Verwaltung vermitteln, Aktivitäten koordinieren und den «Dörfern im Stadtgefüge» so zu mehr Mitsprache verhelfen.

Andreas nagel

Wer in St. Gallen wohnt, bezeichnet sich in der Regel als Stadtsanktgaller. Ob er nun ursprünglich aus Kroatien, Zürich oder Schaan stammt. Gleichzeitig sind er oder sie aber auch Winkler, Brögglerin, Heiligkreuzler oder St. Geörglerin. Wenn auch keine waschechten. Der Wohnort stiftet Identität. Doch das jeweilige Quartier? Nach Auffassung des Stadtrates sogar noch mehr. In seinem eben veröffentlichten Bericht zum Thema «Quartierentwicklung: Ein neues Handlungsfeld für die Stadt St. Gallen?» werden die Quartiere als «Orte der sozialen Vernetzung» gehandelt. Sie seien sozusagen die «Dörfer im Stadtgefüge», deren Gesamtheit die Stadt erst ausmache. «In den Quartieren sind die Menschen <zu Hause>, mit den Quartieren identifizieren sie sich stärker als mit der Stadt als Ganzes», heisst es da.

Quartierarbeit, Knochenarbeit

Entsprechend sind die Quartiere zu pflegen, ihre Bedürfnisse zu respektieren und ihre Eigenheiten zu schätzen. Quartierarbeit ist Knochenarbeit, nur fühlte sich dafür auf der Stadtverwaltung bis jetzt niemand so richtig in der Pflicht. Was sich jetzt ändern soll.

Heute geschehe zwar schon vieles, was man unter dem Begriff «Quartierentwicklung» einordnen könne, sagt der dossierführende Stadtrat Nino Cozzio, Direktor Soziales und Sicherheit. Und seit rund fünf Jahren ist gar das sogenannte Partizipationsreglement in Kraft, welches auch Einwohnerinnen und Einwohnern ohne politisches Stimmrecht die Mitsprache ermöglicht. Es brauche also nicht alles neu erfunden zu werden, sagt Nino Cozzio. Aber wohl besser gebündelt.

Vordringliches Anliegen der neuen städtischen Quartierpolitik sei es, die Selbstorganisation zu fördern, «so dass sich die Menschen noch vermehrt selber einbringen und quartierspezifische Fragen miteinander lösen».

Aber Freiwilligenarbeit stösst schnell einmal an Grenzen. Und selbst die verheissungsvollste Quartier-Zukunftswerkstatt verpufft wirkungslos ohne professionelle Hilfe etwa seitens der öffentlichen Hand. So geschehen vor zehn Jahren in der Lachen, 2003 dann im Heiligkreuz. Selbstkritisch hält der Stadtrat in seinem Bericht denn auch fest, es sei damals versäumt worden festzulegen, «in welchem Umfang die Arbeits- und Projektgruppen aus den Quartieren durch die Verwaltung unterstützt werden (auch finanziell)».

Entwickler erarbeitet Konzept

Damit solches nicht mehr geschieht, wird nun das Modell eines sogenannten Quartierentwicklers vorgeschlagen, eine für drei Jahre neu zu schaffende Stelle (80-Prozent-Pensum). In dieser Zeit ist auch ein Quartierentwicklungskonzept in Absprache mit verschiedenen städtischen Dienststellen sowie den Akteuren in den Quartieren zu erarbeiten. Bereits heute steht gemäss Botschaft fest – das Geschäft ist für die Sitzung vom 30. August traktandiert –, dass nicht alle Quartiere «über einen Leisten geschlagen» werden können. Die Quartiere als Mikrokosmen der Stadt seien in bezug auf die gesellschaftliche Zusammensetzung und die örtliche Lage höchst unterschiedlich und bedürften daher auch unterschiedlicher Massnahmen.

Doch wer braucht was und wer legt das fest? Laut Cozzio muss das Konzept solche Fragen beantworten. Anzustreben jedenfalls sei eine möglichst einfache Organisation. Klar sei natürlich, dass dichtbesiedelte Tal-Quartiere mehr Unterstützung durch die Stadt benötigten als andere.





Leser-Kommentare:
keine


Zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden.

Kommentar schreiben

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!

Um Inhalte kommentieren zu können, müssen Sie eingeloggt sein.

Noch keinen Zugang? Jetzt kostenlos registrieren!

Anzeige:

Anzeige:

Anzeige:

Anzeige:

tagblatt.ch / ipad

iPad und E-Paper

facebook.com / tagblatt

 ...

Anzeige: