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Tagblatt Online, 23. Juni 2012 08:42:00

Ein Architekt für die Baudirektion

SG - St. Gallen Podiumsdiskussion über das geplante Conference Center 6 der Olma Messen.  Es diskutieren Peter Kriemler (Verwaltungsratspräsi Einstein), Boris Tschirky (Tourismusdirektor), Hanspeter Egli (Olma-Direktor) und Markus Buschor (Architektur For Zoom

Markus Buschor im Februar dieses Jahres an einer Podiumsdiskussion über das heftig umstrittene Olma-Hochhaus. (Bild: Archivbild: Ralph Ribi)

In der St. Galler Stadtregierung sind zwei Sitze neu zu besetzen. Dass die dafür Nominierten nicht nur Begeisterung ausgelöst haben, ist ein offenes Geheimnis. Dass eine Gruppe eine Alternative sucht, ist mehr als ein Gerücht: Architekt Markus Buschor soll als Parteiloser ins Wahlrennen steigen.

RETO VONESCHEN

Jetzt kommt Pfeffer in den St.Galler Stadtratswahlkampf. Für die SVP soll nämlich gemäss gestriger Mitteilung Kantonsrat Markus Straub am 23. September einen der zwei vakanten Sitze in der Stadtregierung erobern (siehe Kasten). Mit der Kandidatur zielt die SVP wohl in erster Linie auf den Sitz von Elisabeth Beéry. Die SP-Baudirektorin tritt nach zwölf Amtsjahren per Ende 2012 zurück.

Ein Parteiloser will kandidieren

Die grössere Überraschung als die SVP-Kandidatur war das gestrige Resultat einer Recherche: Architekt Markus Buschor will sich tatsächlich als Parteiloser für einen Stadtratssitz bewerben. Ins Wahlrennen geschickt wird er von einer bürgerlichen, parteipolitisch ungebundenen Gruppe. Das bestätigte Markus Buschor gestern Freitag auf Anfrage. Von der Kandidatur Buschors war gerüchteweise am Vortag auf dem Kinderfestplatz zu hören gewesen.

Mehr als die Bestätigung seiner Kandidatur war gestern von Buschor noch nicht zu erfahren. Die Vorbereitungen dafür liefen derzeit auf Hochtouren. Sobald man mit den Details so weit sei, werde man sich über die Medien an die Öffentlichkeit wenden. Einen Termin für diesen offiziellen ersten Auftritt wollte Markus Buschor gestern noch nicht nennen. Da die Anmeldefrist für die Stadtratswahlen am 23. Juli – also mitten in den Sommerferien – abläuft, dürfte die offizielle Ankündigung und Begründung der Kandidatur aber in den nächsten zwei Wochen erfolgen.

Jemand «vom Fach»

Die Kandidatur von Markus Buschor zielt sicher auf den links-grünen Stadtratssitz. Die beiden von der SP für die Beéry-Nachfolge nominierten Personen sind auch gemässigten Bürgerlichen zu weit links positioniert. Der Gossauer Kantonsrat Ruedi Blumer hat sich als pointiert linker Verkehrspolitiker einen Namen gemacht. Sylvia Huber sitzt für die Politische Frauengruppe, als Kämpferin für die Rechte der Frauen also, im Stadtparlament. Dazu kommt, dass sich wirtschaftsnahe Kreise nach Primarlehrer Erich Ziltener (CVP, 1989 bis 2000) und Rechtsanwältin Elisabeth Beéry (SP, 2001 bis 2012) jemanden «vom Fach» an der Spitze der städtischen Baudirektion wünschen. Die als Nachfolgerin von Schuldirektorin Barbara Eberhard nominierte CVP-Kandidatin Patrizia Adam ist von Beruf Treuhänderin, Ruedi Blumer arbeitet als Schulleiter, Sylvia Huber ist Leiterin der kantonalen Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen.

Projekt für Grüninger-Stadion

Mit Markus Buschor kandidiert ein Architekt für den Stadtrat. Der 51-Jährige führt ein eigens Büro in St. Gallen. Von ihm stammt etwa die Planung für die Sanierung des Paul-Grüniger-Stadions. Öffentliche Auftritte hatte Buschor in den letzten 15 Jahren immer wieder fürs Architektur-Forum Ostschweiz, in dessen Vorstand er sich bis diesen Frühling um die Öffentlichkeitsarbeit kümmerte.

In der ehrenamtlichen Funktion setzte er sich für gutes Bauen ein. Er hielt dabei nicht – wie andere seiner Zunft, die hintenherum kritisierten – mit klaren Stellungnahmen zu umstrittenen Projekten hinter dem Berg. Markus Buschor lehrt zudem an der Universität Liechtenstein in Vaduz «Architektonisches Entwerfen». Parteipolitisch war er bisher nicht aktiv.

Aufgewachsen ist Markus Buschor in Goldach. Er lebt seit Jahrzehnten – heute mit seiner Familie – in der Stadt St. Gallen. Er ist Vater dreier Töchter. Als Fan des Anlasses seit seiner Kantizeit, aber auch, weil eine Tochter erstmals einen Auftritt hatte, verbrachte er übrigens den Donnerstag am Kinderfest. Also dort, wo andere Gäste – auch mit Journalisten – über seine mögliche Kandidatur für den Stadtrat spekulierten.





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