Tagblatt Online, 08. Dezember 2010 06:34:00
Durchtanzen bis Sommer 2011
Die ganze Nacht feiern ist ab Sommer 2011 im Kulturbetrieb Kugl wohl nicht mehr möglich. (Bild: Archivbild: Coralie Wenger)
ST.GALLEN. Das Kugl im alten Güterbahnhof kann noch bis Ende Juni 2011 weitermachen wie bisher. Danach wird dem Lokal die Bewilligung für erweiterte Öffnungszeiten entzogen. Für die Betreiber geht das zu schnell. Für einen Nachbarn zu langsam.
Malolo Kessler
Es ist Ausgehlokal und Ärgernis, Kultur und Krach: Seit März dieses Jahres steht das Kulturlokal Kugl im alten Güterbahnhof wegen eines Urteils des kantonalen Verwaltungsgerichts vor einer ungewissen Zukunft. Ein Nachbar hatte gegen das Lokal geklagt (siehe Kasten). Gestern teilte die Stadt mit, wie das Urteil konkret umgesetzt wird.
Um ein Uhr schliessen
Per Ende Juni 2011 werden dem Kulturbetrieb die erweiterten Öffnungszeiten entzogen, heisst es in der Mitteilung.
Das Kugl kann also ab Juli nicht mehr wie bisher an drei Tagen pro Woche bis frühmorgens geöffnet haben, sondern muss künftig unter der Woche um Mitternacht und freitags und samstags um ein Uhr schliessen. Die Bewilligung per Ende Juni zu entziehen, habe die Stadtpolizei nach einer «sorgfältigen Interessenabwägung» entschieden, sagt Heinz Indermaur, Direktionssekretär Soziales und Sicherheit.
In mehreren Gesprächen seien die bereits eingegangenen vertraglichen Verpflichtungen des Kugl sowie die Interessen des Klägers geprüft worden. Die Stadtpolizei sei nun der Meinung, einen «verhältnismässigen Entscheid» getroffen zu haben, sagt Indermaur. «Es ist ein Kompromiss. Aber wahrscheinlich haben sich beide Parteien einen anderen Entscheid gewünscht.» Die einen eine raschere Aufhebung der erweiterten Öffnungszeiten, die anderen eine weniger rasche.
Kugl: «Entscheid nicht tragbar»
Der Entscheid der Stadtpolizei sei «überhaupt nicht tragbar», sagte Daniel Weder, Geschäftsführer des Kugl, gestern auf Anfrage. Zwar sei gut zu wissen, woran man jetzt sei. «Aber wir sind unzufrieden und nicht einverstanden mit diesem Entschluss.» Man müsse das Ganze nun erst einmal «sacken» lassen, die Begründung des Entscheides detailliert studieren und könne daher derzeit auch nicht weiter Stellung nehmen. Die Betreiber hatten ursprünglich gehofft, die Bewilligung bis Ende 2011 behalten zu können.
Denn schon vor dem Urteilsspruch ist das Kugl laut Weder bis Ende 2011 einige Verträge eingegangen.
Seit einigen Wochen laufen allerdings bereits Überlegungen, wie das Lokal trotz Urteil der Gallusstadt noch erhalten bleiben könnte. Die Betreiber planen, eine neue Baueingabe zu machen. Sie möchten Lärmschutzmassnahmen ergreifen und die erweiterten Öffnungszeiten neu beantragen – beispielsweise für nur noch zwei Tage pro Woche. Damit könnte der Betrieb finanziell überleben (Tagblatt vom 3. November).
Kläger: «Urteil ist schon jetzt alt»
Dass das mit der neuen Baueingabe funktionieren könnte, bezweifelt der Anwalt des Klägers. Sonst ist er sich aber einig mit den Kugl-Betreibern – zumindest in einem Punkt: der Unzufriedenheit. Mit einem Inkrafttreten ab Juli könne man nicht zufrieden sein: «Das Urteil ist bereits jetzt schon neun Monate alt», sagt er. Dass das Kugl jetzt nochmals ein halbes Jahr so weitermachen könne wie bisher, sei zu lange – viel zu lange.
-
Weitere Artikel zu diesem Thema:
- Artikel empfehlen:










Zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden.
Kommentar schreiben