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Tagblatt Online
10. Februar 2016, 08:04 Uhr

Diskussion um Grundsatzfragen

Ein Autobahnzubringer im Güterbahnhofareal würde dieses von der Innenstadt abschneiden, sagen die Befürworter der Güterbahnhof-Initiative. Zoom

Ein Autobahnzubringer im Güterbahnhofareal würde dieses von der Innenstadt abschneiden, sagen die Befürworter der Güterbahnhof-Initiative. (Bild: Benjamin Manser und Ralph Ribi)

Gegner und Befürworter diskutierten am Montag die Güterbahnhof-Initiative. Dabei zeigte sich, dass es nicht nur um das konkrete Projekt, sondern auch um grundsätzliche Fragen geht. Entsprechend weit war man voneinander entfernt.

DAVID GADZE

ST.GALLEN. Die Güterbahnhof-Initiative, die einen neuen Autobahnanschluss – die Teilspange – in jenem Areal verhindern will, bewegt derzeit die Bevölkerung. Am «Poli-Tisch» der FDP kreuzten am Montagabend im Hofkeller Befürworter und Gegner die Klingen. Bei der Abstimmung gehe es nicht um ein Ja oder ein Nein zu einem konkreten Projekt, sondern um eine Grundsatzfrage, sagte Moderator Benedikt van Spyk eingangs der Veranstaltung. Eine Einschätzung, die sich im Verlauf der Diskussion zumindest teilweise bestätigte.

Von der Innenstadt abgetrennt

SP-Kantonsrätin Bettina Surber verteidigte die Initiative ihrer Partei. Es sei eine «falsche stadtplanerische Massnahme», ein so zentral gelegenes Entwicklungsgebiet durch eine Ein- und Ausfahrtsrampe bei der Verzweigung Geltenwilenstrasse/Güterbahnhofstrasse von der Innenstadt abzuschneiden. Und selbst wenn das Projekt eine spätere Bebauung des Areals nicht verhindere, wolle niemand neben einer solchen Rampe wohnen.

Ein Ja vertrat am Montagabend auch Jacqueline Gasser, Co-Präsidentin der Grünliberalen Kanton St. Gallen. Dies, obwohl die städtische GLP die Initiative bei der Abstimmung im Stadtparlament nicht unterstützt hatte. Das Güterbahnhofareal sei ideal für urbanes Wohnen und habe Charme. «Wenn dort zwei Autobahnspuren entstehen, geht das verloren.» Statt eines neuen innerstädtischen Autobahnanschlusses müssten Massnahmen wie ein Ausbau des öV geprüft werden, forderte Gasser. «Wenn beispielsweise die Parkplätze an der Teufener Strasse aufgehoben würden, hätte es Platz für eine separate Busspur.» Gasser argumentierte allerdings nicht immer in sich schlüssig. So antwortete sie auf van Spyks Frage, ob es nicht klug sei, das zu nehmen, was man bekomme, anstatt von etwas Ungewissem zu träumen: «Es wäre nicht klug, aber pragmatisch.»

Kein Eigengoal schiessen

Die Argumente der Befürworter seien vorgeschoben, entgegnete Walter Locher, FDP-Kantonsrat und Präsident der IG Engpassbeseitigung, die sich in Bern für die Realisierung der dritten Röhre durch den Rosenberg und für die Teilspange einsetzt. Bei der Initiative, einer «ideologischen Vorlage», gehe es nicht um städtebauliche Fragen, sondern bloss darum, «den Individualverkehr zu verhindern». Locher warnte vor einem «Eigengoal», sollte die Initiative angenommen werden. Jetzt biete sich die Chance, die Verkehrsprobleme der Stadt zu lösen und das innerstädtische Strassennetz zu entlasten. Bei einem Ja riskiere die Stadt, das in Aussicht gestellte Geld des Bundes zu verspielen und für die nächsten 40 bis 50 Jahre keine Lösung für die Verkehrsprobleme zu haben.

Auch CVP-Stadtparlamentarier Michael Hugentobler sagte, dass man mit einem Nein die Entwicklung des Areals nicht verhindere, mit einem Ja aber die Möglichkeit verpasse, eine langfristige Lösung für die Verkehrsprobleme zu finden. «Und der Ausbau des öV hat Grenzen.»

«Das Quartier würde zerstört»

Diese Verkehrsprobleme seien hausgemacht, sagte Bettina Surber. Man habe jahrelang eine «Politik fürs Auto» betrieben. Mit einem neuen Autobahnanschluss beim Güterbahnhof würde Autofahren noch attraktiver. Ausserdem würde ein Autobahnzubringer im Güterbahnhofareal das Quartier zerstören wie seinerzeit der Anschluss St. Fiden.

Walter Locher wehrte sich auch gegen den Vorwurf der Initianten, die Teilspange widerspreche dem Reglement für eine nachhaltige Verkehrsentwicklung. Vielmehr verstosse die Initiative gegen das Reglement, da sie die Weiterentwicklung des öV behindere. Denn in den täglichen Staus in der Stadt steckten auch Busse fest.

Es sei eine «absurde Argumentation», dass durch die Bevorzugung des Individualverkehrs der öV gefördert werde, entgegnete Bettina Surber.



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