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Tagblatt Online, 06. Februar 2012 01:04:00

Der lange Weg zur Sanierung

Stadtparlament St. Gallen tagt im Waaghaus. Zoom

Das St. Galler Stadtparlament tagt im Schnitt einmal im Monat im Waaghaus. Mit der Sanierung des historischen Gebäudes soll es jetzt dafür endlich eine zeitgemässe Infrastruktur erhalten. (Bild: Archivbild: Ralph Ribi)

ST.GALLEN. Die Stadt will das Waaghaus ab 2013 für geschätzte acht Millionen Franken sanieren lassen. Das historische Gebäude im Stadtzentrum wurde letztmals umfassend Anfang der 1960er-Jahre modernisiert. Bauliche Massnahmen sind überfällig.

RETO VONESCHEN

Nach einer zehnjährigen Vorgeschichte unternimmt der St. Galler Stadtrat einen neuen Anlauf zur Sanierung des Waaghauses. Ein Projekt liegt als Resultat aus einem Architekturwettbewerb (siehe Kasten) vor. Letzte Woche hat das Stadtparlament den Antrag für einen Projektierungskredit von 795 000 Franken erhalten.

Innen in schlechtem Zustand

Heute tagt in seinem Saal im Waaghaus im Schnitt einmal pro Monat das St. Galler Stadtparlament. Daneben finden darin – von der Fasnacht über den VCS-Veloflohmarkt bis hin zur Olma-Festbeiz – jährlich über 100 Veranstaltungen statt. Allerdings: So stimmungsvoll sich das Waaghaus mit der historischen Fassade von aussen präsentiert, so bedenklich ist der Zustand im Inneren. Das Untergeschoss ist vergammelt und gilt als Unort. Die technische Ausstattung des Parlaments- und des Ausstellungssaals, die WC-Anlagen und die Haustechnik sind antiquiert. Die Zugänglichkeit des öffentlichen Gebäudes für Behinderte ist minimal gewährleistet. Eine Sanierung ist also überfällig. Was im letzten Jahrzehnt auch von keiner Seite bestritten wurde.

Untergeschoss mit Restaurant?

Und trotzdem ist ein erster Anlauf zur Modernisierung des Waaghauses 2002 gescheitert. Die Mehrheit des Stadtparlaments trat nicht auf eine stadträtliche Vorlage ein. Dies, weil damals die Nutzung des Erdgeschosses umstritten war. Es gab aus dem Umfeld der Bank Wegelin die Idee, dass man dort ein zentral gelegenes, kulturell etwa im Bereich Jazz aktives Restaurant einbauen könnte. Fachleute für alte Bauten winkten ab: Das offene Erdgeschoss entspreche der historischen Situation. Zudem, so ein zweites Argument aus der Bauverwaltung, sei es ein wichtiger Veranstaltungsort, für den es kaum Ersatz gäbe. Es brauchte eine längere parlamentarische Diskussion, bis 2003 der Entscheid fiel, am bisherigen Nutzungskonzept des Hauses festzuhalten.

Soll das Stadtparlament zügeln?

2007 gab's im Stadtparlament einen Vorstoss der FDP, der den Stadtrat beauftragte, alternative Standorte fürs Parlament zu suchen. Für Furore sorgte das Postulat, weil als ein alternativer Standort das alte Kino Palace, damals bereits als Kulturzentrum in Diskussion, explizit genannt wurde. Was allgemein als Versuch gewertet wurde, das ungeliebte, weil angeblich linke Kulturprojekt zu torpedieren.

2009 war nach längerer Debatte klar: Es gibt keinen besseren Standort fürs Stadtparlament als das Waaghaus. Womit nach den Sommerferien 2010 der Architekturwettbewerb für die Sanierung ausgeschrieben werden konnte. Für die Umsetzung des im Sommer 2011 vorgestellten Siegerprojektes braucht es als nächsten Schritt den Projektierungskredit von 795 000 Franken. Das Parlament wird darüber an einer der nächsten Sitzungen befinden.

Wahrzeichen der Textilstadt

Gebaut wurde das Waaghaus in den Jahren 1584/85. Darin wurden damals die Handelsgüter der St. Galler Kaufleute gewogen, verzollt und gelagert. In den 1950er-Jahren sollte das historische Gebäude einer aus heutiger Sicht leicht grössenwahnsinnigen Verkehrsplanung weichen. Mit äusserst knappem Mehr sprach sich das städtische Stimmvolk 1958 aber für seinen Erhalt aus. 1961 bis 1963 wurde das Gebäude saniert.





Leser-Kommentare:
1 Beitrag

Kommentar lesen

benhuser (05. Februar 2012, 19:50)
Denkmalpflege

hoffentlich bleibt die historische Mauer im Ostteil des Gebäudes erhalten - siehe Foto im blog - http://ur1.ca/80g95

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