Der erste Schritt zur Belebung

ST.GALLEN ⋅ Der öde Betonplatz vor der Fachhochschule steht in der Kritik, seit die FHS hinter dem Bahnhof gebaut wurde. Mit Birken in Töpfen soll dem Platz nun Leben eingehaucht werden. Vorerst eine provisorische Massnahme.

23. März 2016, 07:39
ELISABETH REISP

ST.GALLEN. Es ist noch kein Jahr vergangen, da haben Studierende und Mitarbeiter der Fachhochschule St. Gallen (FHS) den tristen Platz rund um die Fachhochschule mit mitgebrachten Blumen verschönert. Auf den Brüstungen zur Unterführung standen die bunten Töpfe mit allerlei bunten Blumen. Der gewünschte Effekt, ein belebterer und attraktiverer Platz, hielt sich in Grenzen. Der Frust darüber, dass der Vorplatz der FHS an Tristesse kaum zu überbieten ist, blieb ungebrochen. Zu allem Überfluss ist der Platz auch noch schräg und wurde daher schon wenig schmeichelhaft als «seelenlose Anfahrtsrampe» bezeichnet.

Die FHS konnte selber wenig ausrichten, denn der Platz gehört zu Teilen der Stadt, dem Kanton und der Cityparking AG.

Ganzheitliches Konzept folgt

Die Stadt sah sich daher veranlasst, endlich zu handeln. Seit gestern stehen nun zehn Birken in grossen Töpfen auf dem Platz. Es handle sich um eine rasche, kostengünstige und vorerst provisorische Lösung, sagt Stadtplaner Florian Kessler. Wie lange «provisorisch» dauert, kann Kessler nicht sagen. «Die Bäume werden sicher die nächsten Jahre stehen bleiben.» Man werde aber mit der FHS ein ganzheitliches Konzept für den Aussenraum des Gebäudes ausarbeiten. Vorerst sollen die Birken die Atmosphäre und die Aufenthaltsqualität auf dem Platz verbessern.

Die zehn Schwarzbirken stehen gemäss Christoph Bücheler, Leiter des Gartenbauamts, aus statischen Gründen in vier Metern Abstand zueinander. «Birken haben wir deshalb ausgewählt, da auch beim Parkplatz der SBB solche Bäume stehen. Jetzt ist es fast ein Birkenhain.» Gekostet haben die Bäume 15 000 Franken, sagt Bücheler.

Stadt hat ersten Zug getan

Die Debatte um die Einöde hinter dem Bahnhof grenzt an eine Lokalposse. Sie begann mit dem Verkauf des Spanischen Klubhauses an drei Familienausgleichskassen. Diese wollten das altehrwürdige Klubhaus abreissen und durch Büro- und Wohnbauten ersetzen. Die Kritik an der Stadt, die ein Vorkaufsrecht hatte und von diesem nicht Gebrauch machte, fiel heftig und laut aus. Politische Vorstösse wurden lanciert, selbst der Heimatschutz schaltete sich in die öffentliche Diskussion ein. Schliesslich verloren die Investoren die Geduld und das Interesse und verkauften das Klubhaus an die Stadt. Seither sieht sich die Stadt in der wenig kommoden Position des unter Zugzwang Stehenden. Das ganze Areal hinter dem Bahnhof bedarf einer angemessenen Beachtung von Stadt und ihren Stadtplanern. Insbesondere der Platz um die FHS, der den Studenten als Pausen- und Aufenthaltsplatz dient.

Endlich ein Naherholungsgebiet

Einer der grössten Kritiker der Einöde nördlich des Bahnhofs ist der Quartierverein Rosenberg. «Dass die Stadt damals das Projekt der FHS mit dem öden Betonplatz so überhaupt bewilligt hat, ist schon ein Unding», sagt Martin Schregenberger, Präsident des betroffenen Quartiervereins. Für die Birken kann er sich aber erwärmen. «Auch wenn es nur ein Provisorium ist, sieht es ansprechend aus.» Die Reaktion der Stadt sei richtig. Und die Bäume ein erster Schritt für etwas Leben auf dem Platz rund um die FHS. Gleichermassen froh um die Begrünung des Platzes ist die FHS, wie Verwaltungsdirektor Carlo Höhener über die Kommunikationsstelle ausrichtet. Jetzt lade der Platz endlich zum Erholen ein.

Fürs erste scheinen alle Akteure zufrieden mit den Bäumen. Wie lange sie dort bleiben, ist offen. Es wäre nicht das erste Mal, dass in der Stadt ein Provisorium länger bestehen bleibt als gehofft oder befürchtet.


2 Leserkommentare

Anzeige: