Bahnhofplatz, 29. Mai 2010 08:12:00
Der Schmuddel-Platz
Bahnhofplatz
Abfall und Picknick: Alltag auf dem Bahnhofplatz. (Bild: Bild: Ralph Ribi)
ST.GALLEN. Dass der Bahnhofplatz oft verschmutzt wird und wenig einladend wirkt, darüber sind sich alle einig. Die Stadt reinigt, sanktioniert Fehlbare, kommt damit aber kaum nach. Deshalb appelliert sie auch an Werte wie Toleranz und Respekt.
ODILIA HILLER
Der Ton ist eher giftig, die Botschaft eindeutig: In diesem Monat hat das Thema Bahnhofplatz wieder einmal reihenweise die Gemüter einzelner Leserbriefschreiberinnen und -schreiber erhitzt. «Tatsächlich kann ich trotz Reisen nach Wien, Rom oder auch Berlin (inklusive meines Wohnortes Zürich) nur in St. Gallen eine so gleichmässige Abfallverteilung über das ganze Areal des Bahnhofplatzes bewundern», schreibt einer.
Von einem verwahrlosten, verschmutzten Bahnhofplatz ist hier die Rede, dort heisst es in noch schärferem Ton: «Sind die Wartehäuschen eigentlich für die Säufer hingestellt worden?» Einig sind sie sich alle: «In einer Stadt mit einem Weltkulturerbe dürfte man etwas anderes erwarten.»
Keine reine Freude
Schlagworte wie «Entwicklungsland» oder «Bananenrepublik» fallen schnell einmal, wenn hierzulande ein Ort nicht fortwährend so picobello daherkommt wie der Flughafen.
Der Bahnhofplatz allerdings ist schon in sauberem Zustand kein Anblick der reinen Freude, wie auch St. Gallens Stadtregierung schon längst eingesehen hat. Deshalb soll er in den nächsten Jahren umgepflügt und neu gestaltet werden. Einladender und freundlicher soll es werden, weg vom gegenwärtigen, ziemlich verblühten Achtzigerjahre-Charme.
Dass herumliegender Abfall und die sichtbare Anwesenheit Randständiger oder rauchender Jugendlicher manche Mitmenschen stören und ihre Begriffe von Toleranz herausfordern, ist auch der Stadtverwaltung nicht entgangen. Mit einem ganzen Strauss von Massnahmen geht man die Probleme an.
Verstärkte Reinigung
Sowohl Stadtpolizei wie auch das Strasseninspektorat hätten ihre Präsenz auf dem Bahnhofplatz erhöht, sagt Heinz Indermaur, Direktionssekretär Soziales und Sicherheit bei der Stadt.
Im vergangenen Jahr hat die Stadt unter anderem eine verstärkte Wochenendreinigung eingeführt, um des Abfalls Herr zu werden, der nach Partynächten liegen bleibt. «Der Bahnhofplatz ist der am intensivsten genutzte Platz der Stadt», sagt der Direktionssekretär. Klar, dass der Platz auch ein sozialer Treffpunkt sei. Gerade Jugendliche liebten es generell, sich an Orten zu produzieren, wo es am meisten Leute hat.
Der Tatsache, dass das Liegenlassen von Abfall dort, wo sie sich eigentlich gerne aufhalten, die «Aufenthaltsqualität» wesentlich beeinträchtigt, seien sie sich oftmals gar nicht bewusst. Wobei festzuhalten sei, dass es bei weitem nicht nur Jugendliche sind, die hinter sich nicht aufräumen.
«Da nützt es nichts, wenn wir immer mehr putzen und immer repressivere Massnahmen anwenden», sagt Indermaur. Es müsse langfristig ein Umdenken stattfinden.
Oder wie es ein weiterer Leserbriefschreiber formuliert: «Es ist nicht in Ordnung, wenn man die Schuld denen zuschiebt, die aufräumen müssen. Die Schuld liegt in erster Linie bei denen, die den Abfall auf dem Bahnhofplatz liegen lassen oder wegwerfen.»
Untolerierbares nicht tolerieren
Werte wie Rücksichtnahme, Toleranz und Respekt müssten vermehrt ins Bewusstsein der Bevölkerung zurückkehren, sagt der Direktionssekretär und verweist auf die laufende Kampagne
«Gemeinsam mit Respekt» von verschiedenen sozialen und polizeilichen Fachstellen der Stadt, die koordiniert auftreten möchten, um am Umdenken zu feilen. Mit dabei sind die Stadtpolizei, die Fachstelle für aufsuchende Sozialarbeit sowie das Jugendsekretariat. Gestern abend beispielsweise waren Mitarbeiter gemeinsam auf dem Bahnhofplatz unterwegs, um Präsenz zu markieren und aufzuklären.
«Wir müssen klarmachen, dass nicht toleriert wird, was nicht tolerierbar ist», sagt Jürg Niggli, Leiter der Stiftung Suchthilfe. Aber nicht nur das: Es gelte auch die Zivilcourage zu fördern. «Es darf nicht jeder wegschauen.» Das heisst laut Niggli: Höflich, aber bestimmt auf Fehlverhalten hinweisen, wenn es einem begegnet.
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Kommentare lesen
schwizer (01. Juni 2010, 07:53)
al.leutenegger
Eines wollen wir doch mal klarstellen Herr Leutenegger...
Beitrag kommentierenWenn ich einen Scheiss mache bin ich bereit die Konsequenzen zu tragen!
In Sachen Erziehung funktioniert es nur uebers Portemonnaie.
Ich fahre anstaendig Auto und habe deshalb nichts zu befuerchten, dies gilt ebenso fuer alle die sich anstaendig benehmen. Alle anderen sollen die Konsequenzen ruhig zu spueren bekommen.
al.leutenegger (29. Mai 2010, 12:57)
@ schwizer
Jawoll, schön gepoltert!! Und wenn wir grad so wohlig am auf den Tisch hauen sind: An jeder Strasse einen Blitzkasten und die Bussen schleunigst erhöhen - oder noch besser: Zu schnell = Billett weg! Schliesslich ist das auch eine Gesetzesübertretung. Sogar eine, wo (unschuldige) Menschen verletzt oder getötet werden können.
Beitrag kommentierenOder sind Sie, lieber schwizer, da plötzlich nicht mehr dafür, weil es womöglich auch Ihr Portemonnaie treffen würde?
schwizer (29. Mai 2010, 11:53)
Zivil-Fahnder her!
Wenn es um die Bussenverteilung geht ist die Polizei oder die damit beauftragte Drittfirma schnell zur Stelle. Stellt stattdessen mal ein paar Zivil-Fahnder auf und kontrolliert die Leute. Insbesondere viele Junge die dort zu allen Tages- und Nachtzeiten herumlungern und herumsaufen und herum kiffen müssten vermehrt kontrolliert werden. Egal ob Zigarettenstummel, Kaugummi oder Kaugummipapier, Bierdosen Alcopopps-Fläschli, SBB- oder Busbillette, McDonalds, Migros Take-away usw. all das ist der gleiche Dreck, weggeworfen von Dreckschweinen und Sauhunden von denen die herumspucken ganz zu schweigen. Dort hat es genug Arbeit und Geld kann man genug verdienen. Pro Verursacher kann man ruhig SFr. 250.00 verlangen, und dann sollte man denen auch noch gleich einen Besen in die Hand drücken, wer sich weigert bekommt nochmal SFr. 250.00 aufgebrummt, so macht man das!
Beitrag kommentierenexilsanktgaller (29. Mai 2010, 10:19)
gebt doch den rauchern eine chance
@ scrapothekerin: klar schmeissen viele raucher ihre kippen auf den boden, und viele tun das sogar in nächster nähe eines aschenbechers. das sind jene, die das ohnehin machen, verlgeichbar mit den kaugummispuckern (die ja wohl genau so "dumm" sind). ich als raucher rege mich aber oft darüber auf, dass keine oder zu wenige aschenbecher an haltestellen montiert sind - wenn ich meine kippe ordnungsgemäss entsorgen könnte, würde ich ja.
Beitrag kommentierenscrapothekerin (28. Mai 2010, 20:57)
Sauerei!
Von Sanktionen habe ich, tägliche Busfahrerin, noch NIE etwas bemerkt. Auch an anderen VBSG-Haltestellen werden Abfälle liegengelassen, vor allem die Raucher zeigen wieder einmal, dass Rauchen DUMM macht, 90% von ihnen schmeissen ihre Zigis auf den Boden. Wenn man mal etwas zu sagen wagt, wenn einer seinen Müll liegenlässt wird man gleich beschimpft. Es müssen Plakate hin, die darauf hinweisen, dass Littering VERBOTEN ist und BESTRAFT wiirs und das OHNE Ausnahme!
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