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Tagblatt Online
27. Februar 2016, 19:15 Uhr

Denkmal für die «Gastarbeiter»

Das Denkmal für die Leistungen von Migrantinnen und Migranten auf dem Weg durch die St.Galler Innenstadt. Zoom

Das Denkmal für die Leistungen von Migrantinnen und Migranten auf dem Weg durch die St.Galler Innenstadt. (Bild: Reto Voneschen)

Die Ausstellung «Ricordi e stima» macht ab nächstem Wochenende auf die Geschichte italienischer Migranten in der Schweiz aufmerksam. Am Samstag wurde dazu ein Denkmal aufgerichtet.

ST.GALLEN. Der drei Meter hohe, weisse Sockel mit dem Schriftzug «An die Migrantinnen und Migranten» steht am Samstagmittag auf orangen Plastikrohren mitten auf der Vadianstrasse zwischen Raiffeisen- und Kantonalbank. Offensichtlich will hier jemand jenen ein Denkmal setzen, die ab den 1960er-Jahren in grosser Zahl und massgeblich mit ihrer Hände Arbeit zum heutigen Wohlstand der Schweiz beigetragen haben: den Arbeitskräften aus dem Ausland. Auf dem Sockel, auf dem sich die an der samstäglichen Aktion Beteiligten schriftlich verewigen durften, steht ganz bewusst keine Statue. Das soll die bis heute fehlende Anerkennung der Leistungen von Migrantinnen und Migranten auch durch die öffentliche Hand symbolisieren.

Teil einer Ausstellung
Das «Monumento migrante» wurde am Samstag von rund fünfzig jungen Leuten und ehemaligen italienischen Migranten von der Vadianstrasse durch die Altstadt in den Stadtpark vors Historische und Völkerkundemuseum geschoben, gezogen und gefahren. Es gehört zu einer Ausstellung, die ab nächstem Wochenende im Museum zu sehen sein wird.

«Ricordi e stima» erinnert an die italienische Migration in die Schweiz nach dem Zweiten Weltkrieg. Damit macht die Schau gemäss einer ihrer Organisatorinnen aber auch automatisch auf die Probleme heutiger Migrantinnen und Migranten in unserem Land aufmerksam. Zu sehen sein werden bis 31. Mai Fotografien über das Leben der italienischen Migranten in der Heimat und in der Schweiz sowie Videos, in denen sie ihre Geschichten erzählen. Und diese Episoden sind nicht nur glücklich: Den italienischen «Gastarbeitern» schlugen vor vierzig, fünfzig Jahren in der Schweiz nämlich auch viel Misstrauen und Fremdenfeindlichkeit entgegen.

Aktion im öffentlichen Raum
Das «Monumento migrante», das am Samstag in der St.?Galler Innenstadt unterwegs war, wurde als Kunstintervention im öffentlichen Raum durch Davide Tisato und Alexander Überhör entwickelt und durchgeführt. Die Aktion, die im Fussgängerstrom des Samstagseinkaufs viele Blicke auf sich zog und auch Diskussionen auslöste, wurde fotografisch und auf Video dokumentiert. Ein Teil dieses Materials wird ebenfalls im Museum zu sehen sein. (vre)
 


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