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Tagblatt Online, 14. Mai 2012 07:43:00

Das neue linke Selbstbewusstsein

sufo Zoom

Workshops, Podium, Party: Das Sufo-Erfolgsrezept greift auch bei der achten Durchführung. (Bild: Urs Jaudas)

ST.GALLEN. Das achte Sufo zeigt eine links-grüne Jugend in Aufbruchstimmung, mit stattlicher Beteiligung der mittleren Generation. Man denkt lustvoll über Utopien wie das bedingungslose Grundeinkommen nach und streitet sich bei konkreten Themen.

Die rot-grünen Parteien der Stadt schwimmen auf einer Erfolgswelle. Die Wahlen von Paul Rechsteiner zum Stände- und Fredy Fässler zum Regierungsrat, beide mit hohem städtischem Stimmenanteil, hat die Brust vorab der Sozialdemokraten schwellen lassen. Dieses neue Selbstbewusstsein ist auch am Sozial- und Umweltforum (Sufo) zum Ausdruck gekommen. Stände mit Slogans wie «Nothilfe abschaffen» säumen den Vorplatz der St. Mangen-Kirche. Und an der Kundgebung am Samstagnachmittag – bei wie meist schlechtem Sufo-Wetter – mit Transparenten wie «Wöttsch chrank sii, wählsch d Pharmaindustrie» wird schon mal «Internationale Solidarität» in der Tradition der Arbeiterbewegung skandiert. Ein Sufo-Gänger, der schon mehrere Male dabei war, stellt fest: «Es ist heute einfacher als vor zehn Jahren, sich in dieser Stadt als Linker zu outen.»

Utopien sind wieder salonfähig

Auch beim Podium am Freitagabend im Palace zum Thema «Die Wirtschaft schiebt eine Dauerkrise» wurde Selbstsicherheit demonstriert. Moderator Hans Fässler schaffte mit kabarettreifen Ein- und Überleitungen – man erfuhr dabei auch, dass er sein Geld (noch) bei Raiffeisen hat, obwohl diese die Notenstein-Bank einverleibt hat – eine lockere Stimmung.

Es wurde dann aber, wie man hätte befürchten können, keine linke Kuschelrunde. Man war sich zwar einig, dass die Finanzwelt entweder böse oder ganz böse ist. Aber weil das fünfköpfige Podium aus Utopisten – wie die Theologin Ina Praetorius: «Wirtschaft fängt mit der Gebärmutter an» – und Realos wie dem Gewerkschaftsbund-Ökonomen Daniel Lampart bestand, wurde das Ganze für das altersmässig durchmischte Publikum ziemlich unterhaltsam.

Und: Utopie, das laute Denken über Veränderungen, ohne ihre Umsetzung im Blick zu haben, kam dabei besser weg – jedenfalls in Sachen Szenenapplaus. Man klatschte, wenn Praetorius beim Thema bedingungsloses Grundeinkommen sagte: «Die Leute arbeiten wie wahnsinnig, aber sehen keinen Sinn darin.» Aber wenn Lampart, zwischenzeitlich als «kleinkarierter Ökonom» bezeichnet – Lampart: «Das stört mich. Echt.» –, Finanzweltzusammenhänge zeigte, tauchte wohl auch der volle Saal ab.

Das «Occupy»-Gefühl

Diese Schwierigkeit, nämlich von der Utopie zu ihrer Umsetzung zu kommen, zeigte sich auch am Samstag beim Workshop «Occupy-Standortbestimmung». Gemeinsamer Nenner der Bewegung ist das «Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt», wie Occupy-Aktivist Manuel Lehmann zusammenfasste. Zum Beispiel die Vermutung: Die da oben «erzählen mir nicht alles, was ist». Lehmann gab einen Einblick in die Geschichte von Occupy Zürich. In lange dauernden Vollversammlungen habe man um Konsens gerungen und dies mit einem im Chor gesprochenen «Gemeinsam statt einsam gehen wir den Weg der Veränderung» abgeschlossen.

Sobald das Gespräch aber auf das «Wie» von Veränderungen kam, wurde es schwierig. Mal abgesehen davon, dass einzelne Herren der zehnköpfigen Runde ungehemmt Redezeit zu Themen wie «Wir müssen lernen, aufeinander zu achten» für sich beanspruchten: Bei der Weltverbesserung scheint jeder sein Rezept unter Teilnahme von Zuhörern erklären zu wollen.

Mit Ballonen im Haar

Kontrapunkt zu solchen Gesprächen sind Tanzworkshops, Strassenfest und Stände mit Essen aus aller Welt. Denn das Sufo ist ein «junges» Fest, das mit einer Strassenparty am Samstagabend endete. Und bei dem einem ganz normale Menschen mit an den Haaren festgemachten Ballonen begegnen. Daniel Klingenberg




Leser-Kommentare:
4 Beiträge

Kommentare lesen

andyw (14. Mai 2012, 18:13)
beeindruckt

das ist natürlich die erklährung! die energie der gruppe hat mich beeindruckt und das sie dies auch noch den ganzen tag machen und am nachmitag auch noch einen workshop geben.. hut ab!! grinsen

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andyw (14. Mai 2012, 10:44)
Sufo?

Meines Wissens ist das Foto von der Tanzgruppe Afrikata und hat mit dem Rauschen vom Tanzfest und nichts mit dem Sufo zu tun. Ich war auch beim Tanzfest und dachte nicht, dass ich mich politisch betätige.. grinsen

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godot (15. Mai 2012, 18:25)
politisch?

Ich glaube nicht, dass Deine politische (Nicht)Betätigung am SUFO etwas ändert...Völlig belanglos so ein statement!

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ahoi (14. Mai 2012, 15:02)
Doch, doch...

Das Foto stammt vom Sufo... Vielleicht hat die Gruppe auf 2 Hochzeiten an einem Tag getanzt...? zwinkern

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