Tagblatt Online, 21. Juni 2012 11:15:00
Bis zu 50'000 Menschen am Kinderfest
Glücksbringer: KInder der Primarschule Grossacker am Umzug. (Bild: Urs Bucher )
ST.GALLEN. Zehntausende Zuschauer haben am Donnerstag den traditionellen Kinderfest-Umzug durch die St. Galler Innenstadt verfolgt. Mehrere tausend Schulkinder defilierten in festlichem Tenü durch die Strassen und Gassen. Stickerei liegt wieder im Trend.
«Rund 5500 Schülerinnen und Schüler aus der Stadt St.Gallen sowie gegen 50‘000 Festbesucherinnen und Festbesucher erlebten heute ein erlebnisreiches bärenstarkes Kinderfest.» Das schreibt die Stadt St.Gallen in einer Medienmitteilung zum Abschluss des Kinderfestes. Böllerschüsse hatten das Fest um 6 Uhr angekündigt. Ab 8 Uhr standen der Verkehr und das Geschäftsleben dann still: Begleitet von zahlreichen Musikkorps aus der Region, zogen die Schulkinder in Reih und Glied durch die Innenstadt. Angeführt wurden sie von Tambouren und Vertretern der Direktion Schule und Sport.Bilderstrecke: Kinderfest-Umzug
Auf diesen Moment haben die St.Galler Schülerinnen und Schüler lange warten müssen: Um 9 Uhr startete am Donnerstag der Festumzug durch die Innenstadt. (Bilder: Urs Bucher)
Stickerei wieder im Trend
Laut einer Schätzung der Stadtpolizei verfolgten bis zu 30'000 Zuschauerinnen und Zuschauer den Umzug in der Stadt, der bei schönem Wetter durchgeführt werden konnte. St.Galler Stickerei, wie sie Jahrzehnte lang zum Fest gehörte, liegt wieder im Trend: Elegante Kleider, bestickte Sonnenschirme, Fähnchen, Fächer und Kopftücher prägten das Bild. Zum Motto «Bärenstark» passten bunte T-Shirts mit Bärenpfoten, Zylinder und Dächlikappen, Luftballons, Blumensträusse und Seifenblasen.
Bilderstrecke: Auf dem Kinderfestplatz
Nach einem sonnigen Tag kam der Sturm: In unserer Galerie finden sich die Bilder vom bunten Treiben auf der Kinderfestwiese als jene von den Sturmschäden. (Bilder: Urs Bucher)
Gummibärli und Efeukränze
Das Publikum applaudierte. Einige Schulklassen trugen grosse «Gummibärli», weisse Libellen oder Efeukränze mit. Die International School St.Gallen, erstmals am Fest dabei, schwenkte bunte Landesfahnen. Am Schluss des Umzugs verteilten «Bären» den kleinen Zuschauern Süssigkeiten.
Auf den Umzug folgte folgte ein Volksfest mit Darbietungen der Schulhäuser, Spiel und Plausch auf dem Kinderfestareal auf dem Rosenberg. Nicht fehlen durften die Bratwürste: Diese sind am Kinderfest extra gross (220 Gramm) und übertreffen gar die Olma- Bratwürste. 30'000 Bratwürste werden jeweils gegessen.
Seit 1824
Das Kinderfest findet seit 1824 statt. Es ging aus verschiedenen noch älteren Festbräuchen hervor, etwa einem Gregorius- und einem Rutenfest. Bis 1909 nahmen auch Kadetten und Artillerie am Umzug teil. Daran erinnern heute noch die morgendlichen Böllerschüsse aus einer alten Kanone.
Die Blüte der St.Galler Textil- und Stickerei-Industrie Mitte des 19. Jahrhunderts widerspiegelte sich am Kinderfest in farbenfrohen und edlen Kleidern; Schulkinder und Zuschauer trugen die neusten Modekreationen.
Mit dem Ersten Weltkrieg ging diese Blüte abrupt zu Ende. Das Kinderfest ruhte bis nach dem Zweiten Weltkrieg. Danach wurde die Tradition in modernisierter Form wieder aufgenommen. Seit den 1970-er Jahren findet das Fest alle drei Jahre statt.
Keine ernsthaften Verletzungen
«Das Kinderfest 2012 wird bärenstark in Erinnerung bleiben», bilanzierte die Stadt am Abend. Mit Ausnahme von zahlreichen Blasen sowie Holzsplissen musste das Sanitätsteam laut den Organisatoren keine ernsthaften Verletzungen oder Unfälle behandeln. Auch von Seiten der Polizei verlief das Kinderfest ruhig und ohne Störungen. Einige Kinder verloren beim Festjubel ihre Eltern - die Polizei konnte in jedem Fall erfolgreich helfen. Wie die Stadt mitteilt, brachte zudem das neu eingeführte Mehrwegpfand-System den erhofften Erfolg. «Im Vergleich zu früheren Durchführungen war der gesamte Kinderfestplatz auffallend sauber, und die Littering-Botschafter, welche auf dem Festplatz anwesend waren, hatten kaum Aufklärungsarbeit zu leisten.» (sda/pd/red.)
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