Tagblatt Online, 29. Januar 2011 10:34:00
Alternativen zu St. Katharinen
ST.GALLEN. Viele Bücher, wenig Platz: Die Freihandbibliothek sucht einen neuen Standort im Zentrum. Denkbare Orte gibt es, wie ein Blick auf den Stadtplan zeigt. Nur: Die meisten Vorschläge haben einen kleinen Haken.
Ralf Streule
Die Regale sind voll. Die Freihandbibliothek stösst in ihrem Zuhause an der Katharinengasse an Grenzen. Hoffnung auf bessere Zeiten machte bis vor kurzem die Idee einer Grossbibliothek in der Hauptpost, zusammen mit der Kantonsbibliothek Vadiana. Mit der Verzichtsplanung des Kantons ist dieser Traum geplatzt – und die Freihandbibliothek macht sich zusammen mit der Stadt wieder auf die Suche.
Denn für Albert Rüesch, den Präsidenten des Trägervereins Freihandbibliothek, ist klar: Erweiterungen in St. Katharinen wären nur kurzfristig eine Option, eine «wirklich befriedigende Lösung» sei nur an einem «neuen, grösseren Standort in der Innenstadt» möglich. Und mit dieser Lösung wolle man «nicht mehr fünf Jahre warten». Ein Raumkonzept, das den Platzbedarf einer zukünftigen Freihandbibliothek definiert, sei derzeit in Arbeit.
«Grosse Chancen verpasst»
Rüesch bedauert, dass ideale Standorte, die für eine Grossbibliothek aufgrund ihrer geringen Grösse kein Thema waren, inzwischen auch für die Freihandbibliothek nicht mehr in Frage kommen. Dazu gehört zum Beispiel das «Manorgebäude» beim Bärenplatz, das jetzt von der Rösslitor-Buchhandlung belegt ist. Hier habe man grosse Chancen verpasst.
Thema bleibt hingegen weiterhin die Hauptpost. Obwohl die Grossbibliothek gescheitert ist: Dem Vernehmen nach ist nicht ausgeschlossen, dass die Stadt sich für die Freihandbibliothek im Gebäude einmieten könnte. Eine Möglichkeit, die auch der städtische Bausekretär Fredi Kömme auf Anfrage nicht ausschliesst.
«Das wäre zwar eine mögliche Lösung», sagt Albert Rüesch. «Aber gleichzeitig wäre es ein Schildbürgerstreich, statt einer grossen Bibliothek deren zwei einzeln unter dem gleichen Dach zu plazieren.» Denn auch der Kanton habe nicht ausgeschlossen, die Vadiana doch noch im Postgebäude einzuquartieren.
Spelterini-Platz wäre Bauzone
Der Blick auf den Stadtplan zeigt weitere mehr oder minder mögliche Standorte für einen Bibliotheksneubau. Unter anderem stösst man auf Gebiete, die schon im Zusammenhang mit der einst geplanten «Grossbibliothek» im Gespräch waren. Da wäre zum Beispiel der Spelterini-Platz: Laut Kömme ist er für den Bau «öffentlicher Anlagen» zwar eingezont, aber als einer der wenigen Freiräume stark genutzt. Die Akzeptanz in der Bevölkerung wäre wohl klein, wenn die Stadt den Platz von Circus Knie und Jahrmarkt überbauen wollte.
Zwei grosse städtische Baulandreserven befinden sich bei der Kreuzung am Platztor und beim Güterbahnhof. Hier wäre der Bau einer Bibliothek als Teil einer Überbauung wohl grundsätzlich denkbar – aber kaum in absehbarer Zeit.
Im Zusammenhang mit der Grossbibliothek wurden als mögliche Plätze auch der Blumenmarkt oder das Dreieck zwischen Bushaltestelle und St. Leonhard-Strasse genannt. Beides Optionen, die mit den geplanten Neugestaltungen (Bahnhofplatz und Marktplatz/Bohl) kaum mehr in Frage kommen dürften.
Keine Option ist für Kömme auch das Grabenpärkli («als Grünzone eingezont») und eine kleine Freifläche zwischen Neumarktgebäude und Vadianstrasse («zu eng für einen Neubau»). Letzteres gelte auch für das Gelände zwischen Gaiserbahnhof und St. Leonhard-Strasse, welches mit der Durchmesserlinie der Appenzeller Bahnen wieder bebaubar würde.
«Zwischen Bohl und Bahnhof»
Bleiben drei Optionen auf der Nordseite des Hauptbahnhofs. Der Platz zwischen Lokremise und entstehender FHS gehört jedoch dem Kanton, der dieses Gebiet als «Erweiterungsoption» für die FHS sehe. Oder der Bereich der «alten Molki», welcher der Stadt gehört und als Parkplatz genutzt wird. Auch dieses Gelände dürfte für einen Neubau zu klein sein. Das Gelände der Villa Wiesental, für welches die Swiss Canto Vorsorgeversicherung eine neue Nutzung sucht, ist wohl ebenfalls nicht ideal gelegen.
Von einer Lösung ennet dem Bahnhof möchte Albert Rüesch ohnehin nichts wissen: «Der ideale Standort liegt zwischen Hauptbahnhof und Bohl.»
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