Tagblatt Online, 29. Mai 2009 01:02:04
Abwasser direkt zum See
Gereinigtes Abwasser von der ARA Hofen in Wittenbach: Was heute noch in die Steinach fliesst, soll schon bald über ein Rohr zum Bodensee geführt werden. Stadtrat Fredy Brunner (Mitte), Thomas Eugster vom kantonalen Amt für Umweltschutz (links) und Hans Peter Tobler, Unternehmensleiter Entsorgung St. Gallen stellten gestern das Projekt vor. (Bild: Bild: Urs Jaudas)
ST.GALLEN. Die Stadt plant eine Abwasserleitung, die von der ARA Hofen in Wittenbach bis zum Bodensee führen soll. Anfang Juni debattiert das Stadtparlament nun über den Projektierungskredit. Gestern stellte der Stadtrat einige Details vor.
Ralf Streule
Die Steinach ist belastet: Das Abwasser eines grossen Teils der St. Galler Haushalte führt über die ARA Hofen in Wittenbach in den kleinen Fluss. Vor allem im Unterlauf der Steinach macht sich dies durch Gestank und Schaumbildung bemerkbar. In regenarmen Zeiten besteht 80 Prozent des Steinachwassers aus gereinigtem Abwasser.
Darum plant die Stadt St.Gallen zusammen mit den Gemeinden Wittenbach und Steinach sowie dem Abwasserverband Morgental schon seit längerer Zeit eine direkte Abwasserleitung von der ARA Hofen zum Bodensee (Tagblatt vom 31.10.2008).
Parlament berät Projektierung
Am 9. Juni wird das St. Galler Stadtparlament zum Projektierungskredit von 580 900 Franken debattieren. Gestern lud die Stadt zur Pressekonferenz.
In der ARA Hofen, die von der Stadt betrieben wird, stellte Stadtrat Fredy Brunner das Projekt vor, zusammen mit Hans Peter Tobler, Unternehmensleiter Entsorgung St. Gallen, und Michael Eugster vom kantonalen Amt für Umweltschutz.
Werden die politischen Hürden genommen, soll der Bau der Leitung zwischen Wittenbach und der ARA Morgental bei Arbon bereits 2010 beginnen und 2012 fertig sein.
Geplant ist eine rund 4900 Meter lange und 80 Zentimeter dicke Druckleitung, die in der Sekunde bis zu 1300 Liter Abwasser abführen kann. Von der ARA Morgental soll das Abwasser schliesslich in den Bodensee geführt werden. Dort ist neben der bestehenden Leitung eine zweite geplant. Diese würde weiter hinaus in den See und damit weiter in die Tiefe führen.
Die genaue Einleitstelle des gereinigten Abwassers müsse noch mit Strömungsberechnungen eruiert werden, sagte Tobler. Das Trinkwasser werde auf jeden Fall nicht verschlechtert: Die Schadstoffe gelangten schliesslich schon heute über die Steinach in den Bodensee.
Referendum wahrscheinlich
Der Druck, der sich im Abwasserrohr zwischen Wittenbach und dem Seeniveau aufbaut, soll zudem zur Stromerzeugung genutzt werden. Auf dem Areal der ARA Morgental ist ein Kleinwasserkraftwerk geplant.
Den grossen Teil der Projektkosten wird die Stadt St. Gallen übernehmen, die Gemeinde Wittenbach und der Abwasserverband Morgental beteiligen sich ebenfalls. Die Stadt müsste 18,6 Millionen Franken investieren, das Projekt würde somit einem obligatorischen Referendum unterstehen.
Einsatz für die Steinach
Die Stadt hat schon in den vergangenen 30 Jahren knapp 50 Millionen Franken in Massnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität in der Steinach investiert. Und auch jetzt würden technische Abklärungen zur Verbesserung der ARA Hofen laufen, sagte Brunner.
Auch die enge Zusammenarbeit mit dem Abwasserverband Morgental sei vielversprechend und soll weitergeführt werden. Die Zusammenlegung der beiden Reinigungsanlagen bis im Jahr 2020 werde geprüft.
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