Tagblatt Online, 03. Juli 2012 06:18:00
«A1-Verkehr schwappt über»
ST.GALLEN. Der Autoverkehr in der Stadt ist 2011 relativ stark angestiegen. Dies, nachdem sich die Situation in den Jahren zuvor beruhigt hatte. Der Zuwachs habe wohl mit der überlasteten Stadtautobahn zu tun, heisst es bei der Stadt.
RALF STREULE
Das Verkehrsreglement gibt es vor: Die Zunahme im Stadtverkehr soll alleine über den öffentlichen Verkehr (öV) aufgefangen werden, der Autoverkehr darf nicht zunehmen. Die Stadt scheint weit davon entfernt zu sein, diese Forderung erfüllen zu können. Die kürzlich von der Stadt veröffentlichte Verkehrszählung 2011 zeigt: Bei der Hälfte der Messstellen auf Stadtgebiet hat der Verkehr um über 1,5 Prozent zugenommen, nur an wenigen Stellen nahm er klar ab (siehe Grafik). Gemäss Christian Hasler, Leiter Verkehr beim städtischen Tiefbauamt, betrug die Gesamt-Verkehrszunahme in der Stadt rund ein Prozent. Dies sei ein hoher Wert: In den vergangenen 15 Jahren seien es durchschnittlich rund 0,5 Prozent gewesen.
Starke Zunahme auf Autobahn
Hasler vermutet, dass die Verkehrszunahme unter anderem mit der Überlastung der Stadtautobahn zu tun hat. Der Verkehr auf der Autobahn habe 2011 wie in den Jahren zuvor wieder um rund zwei Prozent zugenommen. «Wir befürchten schon lange, dass der Verkehr der überlasteten A1 irgendwann auf die Stadt überschwappt – dies scheint sich nun zu bewahrheiten.»
Die Forderung, die weitere Verkehrszunahme über den öV und nicht über den motorisierten Individualverkehr aufzufangen, sei für die Stadt nicht zu erfüllen, wenn die A1 keine Entlastung mehr sei, sagt Christian Hasler. Es zeige sich, dass innerstädtische Massnahmen allein nicht reichten, um das Verkehrsreglement umsetzen zu können. Die Stadt sei aber bemüht: Einerseits werde der öV gefördert, anderseits würden im Richtplan konkrete Massnahmen aufgeführt. Das Autofahren in der Stadt unattraktiver zu machen sei meist nicht der richtige Ansatz. «Das Problem ist, dass wir auch den öV behindern, wenn wir beispielsweise eine Spur oder einen Abbieger streichen würden.»
Neue Methode, genauere Zahlen
Die Verkehrszahlen von 2011 basieren auf einer neuen Zählmethode. Erstmals sind alle neuralgischen 36 Punkte, an denen Zahlen erhoben werden, mittels Induktionsschlaufen in der Strasse täglich ausgezählt worden – zuvor beruhten die Zahlen vieler Stellen noch auf Stichproben.
Dass gerade in diesem Jahr eine so starke Verkehrszunahme registriert worden sei, habe aber definitiv nichts mit dieser neuen und genaueren Erhebungsart zu tun, sagt Christian Hasler. Auch die vorherigen Messungen seien repräsentativ gewesen und hätten genau Aufschluss über Entwicklungen gegeben.
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Kommentare lesen
gallenblog.wordpress.com (04. Juli 2012, 14:09)
Kein Überschwappen
Auf den Einfallstrassen in die Stadt ist mit Abstand die höchste Verkehrszunahme und nicht zwischen den Autobahnanschlüssen.
Beitrag kommentierenstargate (03. Juli 2012, 10:22)
Kein Wunder
Seit der Einführung des Geschwindigkeitsreduktionssystem auf der Stadtautobahn staut sich der Verkehr merklich auf er Autobahn. Dass dann manche Autofahrer einen anderen Weg suchen ist mehr als verständlich. Das überschwappen des Verkehrs ist selbstgemacht. Noch was zum Stau: Reduziert man die Geschwindigkeit, kann zwar eine Strasse mehr Verkehr aufnehmen, da die Fahrzeuge dichter aufeinander auffahren, was soweit funktioniert. Kommen aber Einspurstrecken hinzu, beginnt das grosse Bremsen weil die Abstände zum Einspuren zu klein sind, und damit der Stau. Das ist Praxis und sollte von den Theoretikern berücksichtigt werden.
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