Gastro-Präsident: "Irgendwann reisst der Geduldsfaden"

SCHREIENDES KIND IN EISCAFÉ ⋅ Die Frau, die sich im Internet über das Personal des "Gekko" empört hat, ist in den sozialen Medien auf Gegenwind gestossen. Der Präsident von Gastro St.Gallen findet die Aufregung übertrieben.
29. August 2017, 17:04
Adrian Lemmenmeier
"Ein Café soll ein Ort sein, der zum Verweilen einlädt", sagt Walter Tobler, Präsident von Gastro St.Gallen. "Wenn eine Person die anderen Gäste stört, muss man ihr das sagen." Das gelte auch für Mütter mit Kindern. "Wenn ein Kind tatsächlich über längere Zeit in einem Lokal schreit, dann kann man etwa die Eltern bitten, für eine Weile nach draussen zu gehen", sagt Tobler. "Irgendwann reisst schliesslich der Geduldsfaden." Man müsse reagieren, auch im Interesse der übrigen Gäste. Im Restaurant National, das Tobler führt, gebe es zum Beispiel ein Vorzimmer, wo Eltern mit den Kindern hingehen könnten, falls sich diese nicht beruhigten. "Ich musste auch schon Kinder ermahnen, die Fangis spielten." Dass deswegen ein Konflikt mit den Eltern entstanden sei, habe er nie erlebt. "Und ich wirte seit 40 Jahren."

Zu einem solchen Konflikt war es vor kurzem im St.Galler Eiscafé Gekko gekommen: Eine in St.Gallen wohnhafte Engländerin verweilte mit einer Freundin und ihren zwei Kindern im Café. Nach ein, zwei Stunden wurde sie von der Betreiberin gebeten, das Lokal zu verlassen. Der Grund: Ihr einjähriges Kind habe ständig geweint, zeitweise geschrien. Die Mutter habe das Kind mehrheitlich ignoriert. Sie habe nur zweimal versucht, es zu trösten. Das auf jeden Fall ist die Darstellung von Daniela Springer, die das "Gekko" betreibt. Die Mutter, die vor die Tür gestellt wurde, sieht die Sache anders: Das Kind habe nur zweimal geweint - und das kürzer als eine Minute. Empört, dass sie das Café verlassen musste, schrieb sie auf Facebook gegen das "Gekko" an. Sie fände das "eine schockierende Art, Kunden zu behandeln" und würde das Eiscafé nicht mehr aufsuchen. 
 

User reagieren solidarisch mit Eiscafé

Die erwartete Unterstützung fand die Mutter auf Facebook aber nicht. Auf den Artikel zu diesem Thema reagierten die User mit Solidarität gegenüber dem Eiscafé: "Ich bin auch im Gastgewerbe tätig", schreibt etwa eine Nutzerin. "Kinder können stören, die Eltern sollten wenigstens versuchen, sie ruhig zu halten." Ein anderer Beitrag: "Kann schon sein, dass weinende Kinder als störend empfunden werden, wenn es zu intensiv ist". Sie nerve es, schreibt eine Frau, wenn Kinder in Restaurants herumschreien. Jemand kommentiert: Man solle ein Lokal nicht mit einer Kinderkrippe verwechseln. Nur eine Userin unterstützt die empörte Kundin und schreibt, dass sie das "Gekko" nicht mehr aufsuchen werde.

Gastropräsident Tobler sieht die  Sache nüchtern. Wie viel Toleranz gegenüber jungen Müttern in Gastbetrieben gezeigt werden müsse, sei für ihn die falsche Frage. "Es geht darum, dass man sich in einer Lokalität anständig benimmt", sagt er. "Unabhängig davon, ob es sich um grölende Jugendliche handelt oder um laute Kinder." 
 

 

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