Vom eigenen Erfolg überrollt: LC Brühl muss Spendenaktion abschwächen

ZU VIEL ECHO ⋅ Der LC Brühl hat auf Facebook versprochen, der Krebsliga Ostschweiz zwei Franken pro Like oder geteiltem Beitrag zu spenden. In den ersten zwei Tagen war das Echo so gross, dass die finanziellen Möglichkeiten des Clubs bereits erschöpft sind. Wie die Brühlerinnen ihre Zusage jetzt trotzdem einhalten wollen.
27. September 2017, 14:09
Daniel Walt
"Pass auf Dich auf": Unter dieses Motto der Krebsliga haben die Handballerinnen des LC Brühl eine Aktion gegen Brustkrebs gestellt. Mit pinken Shirts treten sie im internationalen Brustkrebsmonat Oktober (siehe auch Zweittext) zu ihren Spielen an. Zudem haben sie auf Facebook eine Spendensammlung der speziellen Art zugunsten der Krebsliga Ostschweiz lanciert. Mit ihrem Beitrag mitsamt Videoclip haben sie eine Welle der Solidarität im sozialen Netzwerk losgetreten – "und zwar in einer Dimension, mit der wir nie gerechnet hätten", sagt Christa Zingg, im Vorstand des LC Brühl für das Sponsoring verantwortlich.
 

"Nicht auf Rosen gebettet"

In ihrem ursprünglichen Posting vom 25. September hatten die Brühlerinnen angekündigt, der Krebsliga Ostschweiz pro Like beziehungsweise geteiltem Beitrag zwei Franken zu überweisen. Der LC Brühl war von einer mässigen Resonanz und einer Spende von maximal rund 1000 Franken ausgegangen, wie Christa Zingg festhält. Stand Mittwochmittag war der Beitrag aber bereits über 900 Mal geliked und über 600 Mal geteilt worden. Es wären somit bereits über 3000 Franken für die Krebsliga Ostschweiz fällig – und die Aktion läuft noch bis Ende Oktober.

Vom Echo überrumpelt, mussten die Verantwortlichen nach nur zwei Tagen über die Bücher. "Als Verein ohne Hauptsponsor, der nicht auf Rosen gebettet ist, können wir Beträge von mehreren tausend Franken unmöglich stemmen", bekennt Christa Zingg. Deshalb wurde das Posting mittlerweile angepasst – die Brühlerinnen sprechen nun nicht mehr von zwei Franken pro Like oder geteiltem Beitrag, sondern davon, dass sie den genauen Spendenbetrag Ende Oktober festlegen werden.

Der Handballclub will sich aber nicht aus der Verantwortung stehlen, sondern auf kreative Art dafür sorgen, dass die Krebsliga Ostschweiz doch zu mehr Geld als den ursprünglich angedachten 1000 Franken kommt. Man werde im Oktober noch die eine oder andere Aktion organisieren, um auf einen höheren Betrag zu kommen, schreibt der Verein auf Facebook. Christa Zingg nennt ein Beispiel: "Wir wollen die pinken Shirts, die für unsere Partien im Oktober angefertigt worden sind, zugunsten der Krebsliga Ostschweiz versteigern."


Fälle in der Familie

Die Spendenaktion auf Facebook ist nicht die erste Zusammenarbeit zwischen dem LC Brühl und der Krebsliga Ostschweiz. Christa Zingg erwähnt beispielsweise eine Kampagne gegen das Rauchen, die vor einiger Zeit mit Nachwuchsspielerinnen des Vereins lanciert worden war. Sowohl Zingg als auch aktuelle Spielerinnen des LC Brühl waren schon mit Fällen von Brustkrebs in der Familie oder im weiteren Umfeld konfrontiert. So entstand die Idee, die vorliegende Kampagne für die Früherkennung von Brustkrebs zu machen. Im Clip, den der LC Brühl ebenfalls auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht hat, sprechen Zingg und die Spielerinnen über ihre Gefühle und fordern Frauen eindringlich zu Wachsamkeit und Prävention auf. Auch eine an Brustkrebs erkrankte Frau kommt zu Wort.

Regula Schneider, Geschäftsführerin der Krebsliga Ostschweiz, freut sich wie Christa Zingg über den durchschlagenden Erfolg der Aktion. Damit, dass die Brühlerinnen nun eine Anpassung vornehmen mussten, hat sie keine Probleme. "Das Ganze war zunächst als reine Solidaritätsaktion gedacht mit den pinken Shirts der Brühlerinnen sowie dem Videoclip. Der Spendengedanke ist seitens des LC Brühl erst später dazugekommen", sagt sie. Sie habe volles Verständnis dafür, dass der LC Brühl der Krebsliga nicht Tausende von Franken spenden könne.
 

Nicht die letzte Aktion

Das Echo sei nicht nur auf Facebook überwältigend, sagt Christa Zingg vom LC Brühl: "Ich erhalte auch sehr viele Telefonanrufe deswegen." Selbst wenn der Verein nun vom eigenen Erfolg überrollt worden ist: Die letzte Aktion der St.Galler Handballerinnen zugunsten der Krebsliga Ostschweiz wird es nicht gewesen sein. Höchstens die letzte, bei welcher die Brühlerinnen einen genauen Spendenbetrag pro Like oder geteilten Beitrag zugesagt haben.
 

Brustkrebsmonat Oktober

Der Oktober wird international als Brustkrebsmonat begangen. Ziel ist es, sämtliche Aspekte rund ums Thema Brustkrebs ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken. Hierzulande gibt es noch eher wenige publikumsträchtige Aktionen zum Brustkrebsmonat. Insbesondere in den USA, aber auch in Südamerika wird dieser aber gross begangen. Christa Zingg vom LC Brühl erinnert sich beispielsweise an einen Marsch von Tausenden Menschen in pinken Shirts, den sie in Argentinien einmal mitverfolgen konnte. (dwa)


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