Vom Baustollen zur Unterführung

HAUPTBAHNHOF ⋅ Noch ist die Rathausunterführung eine grosse Baustelle. Ihr künftiges Aussehen lässt sich jedoch bereits erahnen. An die Gestalt der ehemaligen Schalterhalle im Bahnhofgebäude erinnert hingegen fast nichts mehr. Sie bekommt einen neuen Zweck.
02. Oktober 2017, 07:07
David Gadze

David Gadze

david.gadze@tagblatt.ch

Der Untergrund des Hauptbahnhofs ist derzeit ein eigener Mikrokosmos. Wie Ameisen wuseln die Arbeiter durch den Tunnel, aus dem die neue Rathausunterführung entsteht. Sie bohren, betonieren, schweissen, schwitzen. Das Kreischen einer Kreissäge vermischt sich mit dem Hämmern von Werkzeugen und dem Donnern der Züge, die wenig oberhalb der Baustelle über die Gleise fahren.

Die künftige Gestalt der Rathausunterführung ist inzwischen deutlich erkennbar. Der fast doppelt so breite neue Aufgang zum Bahnhofplatz mit den beiden Rolltreppen in der Mitte ist schon fast fertig. Die Nischen der insgesamt neun Ladengeschäfte, die neuen Treppen und Rampen auf die Perrons, die fertig betonierten Teile der Decke, der Liftschacht auf das Perron 1 – all das lässt ­erahnen, wie es hier in einigen Monaten aussehen wird. Und die Dimensionen der neuen Unterführung sind bereits in diesem Stadium eindrücklich: Sie wird wesentlich breiter und höher. Das verdeutlicht ein letztes Stück Wand der alten Unterführung, das an den schäbigen Gang von einst erinnert.

Die Arbeiten in der St.Galler Rathausunterführung gehen voran. Ab 10. Dezember soll die Unterführung wieder offen sein. (Bilder: Urs Bucher)

Wiedereröffnung am 10. Dezember

Der Neubau der Rathausunterführung verläuft gemäss Urs Honold, Projektleiter von SBB-Infrastruktur, plangemäss. Sie kann pünktlich auf den Fahrplanwechsel am 10. Dezember hin im Rohbau wiedereröffnet werden. Allerdings ist dann erst die Verbindung zwischen dem Bahnhofplatz und den Perrons 1 bis 4 wieder offen. Die Fertigstellung des nördlichen Endes der Unterführung, das derzeit als Installationsplatz und als Zugang zur Baustelle dient, ist bis im Herbst 2018 geplant. Ab dann wird die durchgehende Nord-Süd-Verbindung gemäss Honold wieder möglich sein. Der Innenausbau der Unterführung mit den Läden wird hingegen bereits im Sommer abgeschlossen sein.

(Video: David Gadze)


Verzichten müssen die Zugreisenden jedoch auf die Abfahrtsanzeiger, die in Unterführungen grösserer Bahnhöfe bei den Aufgängen auf die Perrons an der Decke hängen. Die Rathausunterführung werde zwar höher sein als zuvor, aber nicht hoch genug, sagt Honold.

Die Schalterhalle hat ein neues Gesicht

Während die Rathausunterführung rund ein Jahr nach Beginn der Arbeiten noch mitten im Bau ist, neigen sich die Arbeiten im östlichen Teil des Bahnhofgebäudes dem Ende entgegen. Nichts erinnert in der grossen Halle an die Situation, wie sie bis vor etwas mehr als einem halben Jahr herrschte. Die Halle wurde erneuert und komplett umgestaltet. Grosse runde Leuchten hängen im hohen Raum. Wo früher die Billettschalter, ein Kiosk und ein Starbucks waren, ragen jetzt riesige gläserne Raumteiler bis an die Decke. Sie dienen für die zwei Gastronomiebetriebe Chickeria und Yooji’s, die am 17. November eröffnen. Ab Dezember wird dann der direkte Zugang von der Ost­seite, also von der Ankunftshalle her, ins Bahnhofgebäude möglich sein.

Der Umbau der Halle habe einige Tücken gehabt, sagt Honold. Teilweise musste der Boden ersetzt werden, weil er durch vergangene Umbauten am rund 100-jährigen Bauwerk stark in Mitleidenschaft gezogen worden war. Schon bald erstrahlt er im neuen Glanz.

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