Viele Anbieter, wenig Kundschaft

ST.GALLEN ⋅ Öffentliche und private Anbieter in der Region setzen auf Elektrotankstellen. Der Markt verspricht keinen Gewinn – und ist dennoch hart umkämpft.
24. Juni 2017, 07:58
Noemi Heule

Noemi Heule

noemi.heule

@tagblatt.ch

Sie sind unscheinbar, im Vergleich zu ihrem herkömmlichen Pendant, die Elektrotankstellen. Eine Ladesäule und ein Parkplatz genügen, um das Elektroauto mit Strom zu speisen. Gestern wurde am Dorfplatz in Engelburg eine neue E-Tankstelle eröffnet. Damit drängt ein weiterer Anbieter auf den umkämpften Markt, der bis anhin keinen Gewinn verspricht. Im Gegenteil.

«Ein rentabler Betrieb von Elektrotankstellen ist derzeit nicht möglich», nimmt Romano Ingold vorweg. Der Mobilitätsverantwortliche der St. Galler Stadtwerke betreut die E-Tankstellen auf Stadtgebiet und in der Umgebung. Mit Ost-Mobil haben die Stadtwerke überdies eine Plattform geschaffen, die Zugang zu E-Tankstellen in der Schweiz und im Ausland schafft. Es ist nur eine von vier Plattformen, die derzeit um Mitglieder buhlen.

Schnittstellen zwischen Anbietern fehlen

Für Nutzer von Ost-Mobil ist Gossau ein weisser Fleck auf der Tankstellen-Landkarte. Dies, obwohl die Gossauer Stadtwerke im vergangenen Herbst ebenfalls zwei öffentliche Ladestationen lancierten. Die beteiligte Swiss­charche.ch AG steht allerdings in Konkurrenz mit den Anbietern auf St. Galler Gebiet. «Der Markt ist neu, er wächst rasant und ist unübersichtlich», sagt Ingold. Jeder will einen Anteil am zukunftsträchtigen Geschäft – verspricht es doch, dereinst zum Massenmarkt zu werden. Noch fehlen allerdings Schnittstellen zwischen den verschiedenen Anbietern. Ingold erwartet, dass sich der Markt in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren bereinigen wird und sich zwei bis drei grosse Anbieter durch­setzen.

Nebst öffentlichen Anbietern stellen Grossverteiler, Hotelketten oder Parkgaragen ihren Kunden Ladestationen zur Verfügung. Einige private Anbieter geben den Strom kostenlos ab, die öffentlichen Anbieter verlangen in der Regel den regulären Tarif für den Ökostrom. Nicht so Gaiserwald: An der neuen Ladestation in Engelburg, die die Gemeinde gemeinsam mit Raiffeisen realisierte, wird der Strom für mindestens zwei Jahre gratis abgegeben. Dann soll die Nachfrage über das weitere Vorgehen entscheiden, sagt Boris Tschirky. Dass diese momentan nicht riesig ist, ist dem Gaiserwalder Gemeindepräsidenten bewusst: «Wir wollen nun das Angebot schaffen, damit die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen überhaupt steigen kann», sagt er. Die Förderung von Elektromobilität ist Teil der kommunalen Strategie als Energiestadt.

Verschwindend kleiner Anteil an Elektroautos

Romano Ingold ist grundsätzlich kein Befürworter von kostenlosen Angeboten. «Damit werden falsche Anreize geschaffen.» Strom sei ein wertvolles Gut und müsse entsprechend behandelt werden. Dennoch und trotz aller Konkurrenzverhältnisse sei grundsätzlich jede neue Tankstelle eine positive Nachricht. «Wir müssen nun die Infrastruktur schaffen, damit der Anteil an Elektrofahrzeugen zunimmt», sagt er. Nur so könne auch der Normalverbraucher mit Mietwohnung auf Stromantrieb umstellen. Noch ist der Anteil an Elektroautos verschwindend klein: 4300 Stück zählte das kantonale Amt für Strassenverkehr im vergangenen Herbst. Doch ihr Anteil wächst stetig: Vor fünf Jahren waren es noch knapp 1600.

Der kleine Anteil schlägt sich auf die Nachfrage nieder. «Wir sind froh, wenn wir pro Station täglich eine Ladung verzeichnen», sagt Ingold. Das Ziel seien dagegen bis zu sieben pro Tag. Genauso wie Wittenbach unterstützt die Stadt St. Gallen Anbieter, die private Stationen öffentlich zugänglich machen. Auch dieses Angebot werde selten genutzt, Ingold spricht von einer Handvoll «Pionieren». 1000 Elektro- oder Hybridfahrzeuge per 2020 lautet ein weiteres Ziel der Stadt St. Gallen. Auch dieser Richtwert sei eine Herausforderung, sagt Ingold. Am Angebot allerdings sollte der ambitionierte Plan nicht scheitern.

 


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