Vadian höchstpersönlich

VERNISSAGE ⋅ Das Reformationsjubiläum wirft seinen Schatten voraus. Am Samstag feiern in der Stadt St. Gallen gleich drei Ausstellungen und ein Buch zum Jubeljahr Vernissage.
26. Oktober 2017, 05:19
Reto Voneschen

Am 31. Oktober vor 500 Jahren hat Martin Luther seine Thesen gegen den Ablasshandel in Wittenberg angeschlagen. Dieser Akt gilt inzwischen als symbolischer Startpunkt der Reformation. Auch wenn keine Einzelperson die Reformation «gemacht» hat. Sie war vielmehr ein längerer Prozess mit vielen Akteuren und Ereignissen.

In Stadt und Kanton St. Gallen wird das Jubiläum während eines Jahres begangen. Offizieller Start in der Stadt ist am Samstag, 14 Uhr, mit der gemeinsamen Vernissage von drei Ausstellungen zum Reformationsjahr. Vorher, am Samstag, 10 Uhr, wird zudem in St. Laurenzen eine neue Vadian-Biografie von Rudolf Gamper präsentiert. Auf kantonaler Ebene wird das Jubeljahr am Reformationssonntag eingeläutet: Geplant ist ein spezieller Eröffnungstag mit einem vielfältigem Programm. Er findet am 5. November in der St. Galler Altstadt statt.

Heilige, Handschriften und Kirchen

Gestern Mittwoch zeigten Macherinnen und Macher der drei Stadtsanktgaller Ausstellungen, was sie zu bieten haben. Das Museum selber wartet mit der Schau «Vadian und die Heiligen» auf. Im Stadthaus der Ortsbürgergemeinde erklären Vadianische Sammlung und Stadtarchiv der Ortsbürger unter dem Titel «Reformation findet Stadt» Originaldokumente aus der Zeit der Reformation. Diese Ausstellungen sind ab Samstag zugänglich. Ab Montag zeigt die städtische Denkmalpflege als dritte im Bund im Foyer im ersten Stock des Rathauses mit Texttafeln und vor allem vielen historischen Bildern Geschichte, Entwicklung und Architektur des evangelisch-reformierten Kirchenbaus in der Stadt St. Gallen.

Die Stadtsanktgaller Ausstellungen sind bewusst nicht der allgemeinen Geschichte der Reformation gewidmet. Diese ist nur am Rand Thema. Ins Zentrum werden vielmehr die Reformation vor Ort und ihre Auswirkungen gestellt. Im Museum wie im Stadthaus geht es ganz konkret um die Zeit vor 500 Jahren, um den Alltag der kleinen Leute, um die Folgen der Reformation für ihr tägliches Leben.

Interaktive Stationen und Vadian als Schaupuppe

Das Historische und Völkerkundemuseum bringt Besucherinnen und Besuchern die Zeit vor 500 Jahren auch mit Hilfe moderner Technik näher. Zwischen historischen Originalobjekten gibt’s eine filmische Einführung in die Zeit der Reformation. Und an interaktiven Stationen beantworten Historikerinnen und Historiker in kurzen Filmsequenzen 23 Fragen zu verschiedenen Bereichen des Lebens vor 500 Jahren. Gezeigt wird im Museum unter anderem auch das einzige Gemälde von Vadian, das sicher zu seinen Lebzeiten entstanden ist. Daneben sitzt der Reformator höchstpersönlich als verblüffend lebensechte Schaufigur.

Die Ausstellung der Vadianischen Sammlung und des Stadtarchivs sind nur ein Mosaikstein in den Bemühungen dieser beiden Institutionen, lokale Aspekte der Reformation aufzuarbeiten. Bereits heute Donnerstag startet um 18 Uhr im Stadthaus eine achtteilige Vortragsreihe. Am ersten Abend geht es um ausgewählte Dokumente zur städtischen Reformationsgeschichte. Dazu kommen «Lesinen», Stadtwanderungen, der Reformationsweg und das E-Learning-Projekt «Reformation im Internet». Zur Ausstellung gibt’s einen Katalog, der für 19 Franken erhältlich ist.

www.hvmsg.ch www.stadtarchiv.ch («Aktuelles») www.ref500-sg.ch


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