Umstrittene Leihvelos lagern weiter am St.Galler Stadtrand

VELOVERLEIH ⋅ Noch immer lagern Hunderte Velos von O-Bike am St.Galler Stadtrand zu Wittenbach. Doch obwohl diese Zweiräder nicht für die Stadt gedacht sind, könnten die andernorts umstrittenen Leihvelos bald auch hier zum Einsatz kommen.
14. Februar 2018, 18:37
Matthias Fässler/Reto Voneschen
Sie stehen da wie bestellt und nicht abgeholt: die Leihvelos der Firma O-Bike an der Langgasse 152. Bereits seit letztem Sommer reihen sich auf dem Parkplatz einer Garage mehrere hundert Velos des Unternehmens aus Singapur aneinander. Und seither wurden auch erst wenige der Zweiräder wieder abgeholt. Im August gab O-Bike bekannt, dass die Velos nicht für die Stadt St.Gallen gedacht sind, sondern hier nur zwischengelagert werden.

«Daran hat sich nichts geändert», sagt Daniel Junge, der von O-Bike im vergangenen Oktober als Schweizer Geschäftsführer eingesetzt worden war. Für welchen Standort die Velos bestimmt sind und wie lange sie noch an der Langgasse stehen, wollte Junge am Mittwoch auf Anfrage nicht sagen. Er sprach lediglich von «Städten innerhalb der Schweiz, in denen wir unseren Service hoffentlich zeitnah lancieren dürfen.»
 

Leihvelos bald auch in St.Gallen?

Dass die Leihvelos während des Winters draussen lagern, stellt für Junge kein Problem dar. «Die Velos sind wetterfest», sagt er. Doch nicht nur die Temperaturen könnten zum Problem werden. Unbekannte haben eines der auf dem frei zugänglichen Parkplatz stehenden O-Bikes bereits die Böschung neben der Garage hinuntergeworfen. Auch in anderen Ländern kennt man das Problem mit zerstörten oder nicht mehr gebrauchten O-Bikes: Auf Instagram veröffentlichen User regelmässig Bilder von entsorgten oder versenkten O-Bikes aus der ganzen Welt. Einige haben die Räder gar für Kunstaktionen verwendet.

In St. Gallen ist die «Invasion der O-Bikes» noch nicht angekommen. «Die aktuell hier abgestellten Velos eignen sich nicht für die Topografie der Stadt», sagt Junge. Sie verfügen nämlich lediglich über einen Gang. Da er die Zusage für die neuen dreigängigen Velos noch nicht habe, könne er nicht sagen, ob man per O-Bike auch bald durch St.Gallen fahren kann. Man wolle zudem zuerst mit der Stadt sprechen.
 

Ein technisch cleveres System

Das Verleihkonzept von O-Bike ist technisch clever gelöst: Über eine Smartphone-App kann der Benutzer sehen, wo das nächste freie O-Bike im öffentlichen Raum steht. Die Zweiräder sind alle mit einem GPS-Sender ausgestattet. Mit einem Handy-Code entsperrt man das Velo. Vor der ersten Fahrt muss sich jedoch jeder User registrieren und ein Depot von 129 Franken überweisen. Danach kostet die Fahrt pro Stunde drei Franken.

O-Bike hatte in der Schweiz allerdings einen holprigen Start. Als im vergangenen Herbst die Leihvelos ohne vorherige Absprache in verschiedenen Schweizer Städten auftauchten, gab's neben Lob auch heftige Reaktionen. Letztere vor allem wegen «verstopften» öffentlichen Abstellplätzen. Zudem gab's Diskussionen um den Datenschutz. Die Städte selber reagierten konsterniert: Inzwischen braucht es in einigen von ihnen - darunter in Winterthur, Luzern und Bern - eine Bewilligung zum Aufstellen einer grösseren Zahl von Leihvelos.

Und O-Bike ist erst der Anfang. Eine Flut von Leihvelos droht beispielsweise in der Stadt Zürich. Ab diesem sollen dort vier grosse Velovermieter um die Gunst der Radlerinnen und Radler buhlen – mit dabei ist auch die Stadt selber mit einem Verleihsystem. Der Diskussionsstoff dürfte bei diesem Thema nicht ausgehen. Aktuell wird es vermutlich, sobald die Velosaison wieder beginnt.
 

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