St.Galler Turnvereine im Überlebenskampf

MITGLIEDERSCHWUND ⋅ Auf Stadtgebiet haben traditionelle Turnvereine einen schweren Stand. In St.Gallen gibt es noch zwei Vereine, die eine lange Geschichte haben. Doch sie müssen mit Veranstaltungen aktiv um neue Mitglieder werben.
11. November 2017, 05:19
Christoph Renn

Christoph Renn

christoph.renn

@tagblatt.ch

Bewegung steht an erster Stelle. Aber auch Geselligkeit und Tradition haben sich Turnvereine auf die Fahnen geschrieben. So auch der TV St.Gallen-Ost (TVO), der seit 1885 in St.Gallen existiert. Tradition ist also gegeben, doch haben städtische Turnvereine einen immer schwereren Stand, wie Dominik Meli, Präsident des TV St.Gallen-Ost sagt. Dies bestätigt auch Nicole Gärtner, Präsidentin des ebenfalls noch aktiven Bürgerturnvereins St.Gallen (BTV). Den Stadtturnverein gibt es in dieser Form nicht mehr. Nur seine Volleyballriege hat überlebt. «Umso wichtiger ist es, mit innovativen Ideen neue Mitglieder zu erreichen», sagt Meli. Wie beispielsweise mit der Woche der offenen Türe, die vom 13. bis 17. November stattfindet (siehe Zweittext).

Von einer Auflösung sind trotz grosser Konkurrenz von Fitnesscentern, Fussball-, Handball- oder Volleyballvereinen weder der TVO noch der BTV gefährdet. «Vor allem im Kinder-Turnen und im Breitensport gibt es immer noch einen regen Zulauf», sagt Meli. Im Jugendbereich sowie bei der Fitness-Gruppe würden die Mitgliederzahlen hingegen stagnieren. Im nationalen Vergleich mit anderen städtischen Turnvereinen stehe der TVO jedoch gut da. «Aber natürlich wünscht man sich immer mehr Mitglieder.» Deshalb habe sich der TVO vor allem darauf konzentriert, die Jüngsten für den Verein zu faszinieren. «Die meisten verlassen uns dann zwischenzeitlich, gehen in andere Vereine oder ins Fitnesscenter, kehren aber irgendwann hoffentlich wieder zurück», sagt Meli.

Junge Turner in den Verein einbinden

Trotz schwierigen Umfelds wollen weder der TVO noch der BTV klagen. «Vereine haben durchaus eine Chance, wenn sie aktiv sind», sagt Meli. So macht der BTV beispielsweise Werbung am Neuzuzüger-Apéro. Doch sei es wichtig, gewisse Traditionen beizubehalten und nicht jeden Trend mitzumachen», sagt Meli. So setzte der TVO vor allem in der Jugendriege und bei den älteren Semestern auf ein polysportives Angebot. «In der Aktivriege haben wir uns nebst dem Breitensport auch auf die Leichtathletik spezialisiert.» Viele der jüngeren Mitglieder würden den Verein dann verlassen und beispielsweise in einen Fussball- oder Handballklub wechseln. «Dort werden sie jedoch in Richtung Spitzensport getrieben», sagt Meli. Bekanntlich könnten sich aber nur die wenigsten durchsetzen. «Dann kommen sie wieder zu uns zurück.» Was jedoch nicht bedeute, dass beim TVO der Wettkampfgedanke keine Rolle spiele. «In allen Riegen wollen wir Podestplätze erreichen. Und auch an den Turnfesten versuchen wir, es unter die Besten zu schaffen», sagt Meli. Jedoch müsse im Turnverein St.Gallen-Ost nicht jeder ein Spitzensportler sein oder werden.

Eine Fusion ist keine Option

Mit dem BTV und dem TVO gibt es in St.Gallen noch zwei grosse, traditionelle Turnvereine. Beide müssen um Mitglieder buhlen. Von einer möglichen Fusion wollen aber beide Vereine nicht sprechen. Beide pflegen ihre eigenen Traditionen. Trotzdem arbeiten die beiden Turnvereine zusammen, wenn es sich anbietet.


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