Trendsetter feiert 40. Geburtstag

FAIRER HANDEL ⋅ Der Claro-Weltladen im Stadtzentrum feiert morgen Samstag, dass es ihn seit 40 Jahren gibt. Bei der Gründung kämpfte eine kleine Frauengruppe für Bio und Fair Trade. Heute liegen diese Konzepte im Trend.
25. August 2017, 05:20
Nina Rudnicki

Nina Rudnicki

stadtredaktion@tagblatt.ch

«Jede von uns arbeitet aus Überzeugung hier», sagt Sandra Goritschnig, Geschäftsleiterin des Claro-Weltladens an der Engelgasse. Ihr Team besteht aus zwölf Personen: zehn Frauen und zwei Männern. «Durch unser ehrenamtliches Engagement gleichen wir zumindest zu einem kleinen Teil jene Ungerechtigkeit aus, die den Bäuerinnen und Bauern auf der südlichen Welthalbkugel widerfährt», sagt sie.

Seit 40 Jahren ist das die Motivation der Personen, die sich bei Claro engagieren. Geändert hat sich in dieser Zeit einzig das Sortiment. «Früher haftete uns das Jutesack-Image an. Heute sind unsere Produkte modern und von hoher Qualität», betont Goritschnig und führt durch das Ladenlokal. Es gibt Teller, Tassen, Gläser und Schüsseln, wie sie auch im Globus stehen könnten. Hinzu kommen Etuis, Taschen, Rucksäcke, Mobilés fürs Kinderschlafzimmer, einfarbige und bunte T-Shirts sowie Alpaccawolle- und Seidenkleider. Die Lebensmittelregale sind mit Wein, Nüssen, Honig, Tee, Öl, Pasta, Kaffee, Schokolade, Reis und Quinoa gefüllt.

Die Produkte im Claro Weltladen sind Fair Trade und meist Bio. Damit liegt Claro immer noch voll in jenem Trend, den er seinerzeit als Vorreiter lancierte (Kasten). «Natürlich spüren wir die grösser werdende Konkurrenz», sagt Goritschnig und erwähnt die Cafés mit nachhaltigen Getränken und Speisen, Bio-Supermärkte und die Grossverteiler, die ihr Bio-Sortiment stetig ausbauen. «Bio und Fair Trade ist hipp geworden», sagt sie. Das habe die gute Nebenwirkung, dass bei Claro neben den Stammkunden je länger, je mehr Junge einkaufen würden.

Labels sind keine Garantie für faire Produkte

«Wir hatten Quinoa schon im Sortiment, bevor es zum Superfood wurde», sagt Daria Oberholzer, die Präsidentin von Claro St. Gallen. Sie ist seit zwölf Jahren im Verein dabei und überzeugt, dass es den Claro-Weltladen mehr als je zuvor braucht. «Die ursprüngliche Idee von Claro war, dass fair und nachhaltig Produzieren und Konsumieren einst so selbstverständlich wird, dass es Claro nicht mehr braucht», sagt sie. Allerdings sind mittlerweile viele der bekannten Fair-Trade-Labels so stark gewachsen und erfolgreich geworden, dass teilweise die Transparenz fehlt. Labels seien heute keine Garantie mehr dafür, dass die Produkte tatsächlich von Anfang bis Ende fair hergestellt würden. Hinzu komme, dass aktuell 70 Prozent des Welthandels von 500 Unternehmen kontrolliert werde. Die Bäuerinnen und Bauern seien dadurch Lebensmittelspekulationen ausgesetzt.

Claro hingegen arbeitet gemäss Oberholzer ausschliesslich mit Kleinbetrieben, Kooperativen und Produzenten zusammen, die sonst keine Exportmöglichkeiten hätten. Zudem werden spezielle Produkte von sozialen Institutionen aus der Region angeboten. Über jedes einzelne Projekt, das in den Laden aufgenommen wird, beraten die Claro-Mitarbeiter im Team. Dabei ist auch die Idee zu einem Strassencafé anlässlich des 40-Jahr-Jubiläums entstanden.

Gefeiert wird morgen Samstag. Vor dem Claro-Weltladen werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tagsüber einen Stand mit Snacks, Getränken und Kuchen aufstellen. Parallel dazu läuft ein Wettbewerb, bei dem Kundinnen und Kunden ausgesuchte Produkte wie etwa das Oro del Inka, ein Salz aus den Anden, gewinnen können. Mit Flyern, in Gesprächen und Diskussionen wollen die Claro-Engagierten zudem für das Thema Fair Trade sensibilisieren. Daria Oberholzer: «Es ist noch immer ein langer Weg.»


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