St.Galler Tourismusverein will doppelt so viel Geld

ANTRAG ⋅ Der regionale Tourismusverein St. Gallen-Bodensee Tourismus will mehr Geld von der Stadt. Für die Jahre 2018 bis 2021 soll der jährliche Beitrag von 450000 Franken beinahe verdoppelt werden. Im Stadtparlament wird die Vorlage zu reden geben.
01. November 2017, 07:50
Elisabeth Reisp

Elisabeth Reisp

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Beitragserhöhungen werden in der Regel in moderaten Schritten eingefordert und gewährt. Nicht so beim Tourismusverein St. Gallen-Bodensee Tourismus. Für die Jahre 2018 bis 2021 fordert er von der Stadt eine Verdoppelung der Beiträge. Bisher beteiligte sich die Stadt St. Gallen mit jährlich 450000 Franken am Verein. Neu sollen es 880000 Franken sein. Der Stadtrat beantragt dem Parlament, eine entsprechende Beitragserhöhung gutzuheissen.

Als Gründe macht der Tourismusverein «markanten Ausbau» der Leistungen für die Region und vor allem für die Stadt geltend. So seien beispielsweise die Öffnungszeiten der Tourist Information ausgedehnt sowie eine neue Buchungsplattform erstellt worden. Die Medienarbeit und die Kommunikation auf sozialen Kanälen seien ausgebaut worden. Und seit 2014 werden auch Lernende ausgebildet. Um diese Leistungen auch in Zukunft erbringen zu können und um die Zahl der Logiernächte zu erhöhen, benötigt der Verein aber ein höheres Marktbearbeitungsbudget, heisst es in der Vorlage. Derzeit steht ihm knapp eine Million Franken für die Marktbearbeitung zur Verfügung. Für diese Destinationsgrösse – die Region zählte im vergangenen Jahr rund 400000 Logiernächte – sei das zu wenig. Bis 2027 will St. Gallen-Bodensee Tourismus 440000 Logiernächte in der Region ausweisen können, 260000 davon sollen auf die Stadt entfallen. Im letzten Jahr waren es in der Stadt 217000 Logiernächte.

Mehrjährige Vereinbarung gewünscht

Um dieses Ziel zu erreichen, will der Tourismusverein bis 2021 seine finanzielle Basis auf mindestens 4,5 bis 5 Millionen Franken erhöhen. Davon sollen rund zwei Millionen dereinst für die Marktbearbeitung verwendet werden. Heute verfügt der Verein über ein Budget von 3,6 Millionen Franken.

Die Einnahmen stammen zu einem Viertel von der öffentlichen Hand, also von Kanton und Stadt. Weitere wesentliche Beiträge stammen aus der Gewinnbeteiligung des Grand Casinos St. Gallen, Erträgen aus Dienstleistungen und von den Gasttaxen. Spezielle Projektfinanzierungen seien weitgehend ausgelaufen, Nachfolgeprojekte seien keine definiert, heisst es in der Vorlage weiter. Dies erschwere eine langfristige Unternehmensplanung. Der Tourismusverein decke momentan zusätzliche Aufwände, die im Laufe der Jahre dazugekommen seien, aus eigenen Mitteln. Dies verursache eine zunehmende Unterdeckung gemäss Kostenstellenrechnung.

Um die Planbarkeit zu erhöhen, verlangt der Tourismusverband von der Stadt eine Leistungsvereinbarung mit mehrjähriger Laufzeit und nicht wie bisher eine jährliche Erneuerung. Darüber entscheiden wird schliesslich das Parlament. Und dieses hatte den Tourismusverein in den letzten drei Jahren zweimal um eine Beitragserhöhung gebracht.

Parlament kürzte Beitrag um 50000 Franken

Seit 1993 besteht zwischen der Stadt St. Gallen und St. Gallen-Bodensee Tourismus eine Leistungsvereinbarung. Damals verpflichtete sich die Stadt, den Verein jährlich mit 395000 Franken zu unterstützen. Im Jahr 2012 wurde dieser Beitrag um 100000 Franken erhöht: Anlässlich des Gallusjubiläums wurde im April 2012 ein Besucherzentrum an der Gallusstrasse eröffnet, die Tourist Information befand sich damals im Gebäude der Südostbahn am Kornhausplatz. Um diese beiden Standorte zu unterhalten, gewährte das Parlament die Beitragserhöhung. Als der Tourismusverein zwei Jahre später verkündete, das Informationszentrum vom Bahnhof an die Bankgasse 9 zu verlegen und das Besucherzentrum in den neuen Standort zu integrieren, reagierte das Stadtparlament wenig verständnisvoll. Schliesslich sei eigens dafür in die Liegenschaft an der Gallusstrasse investiert worden. Die Fraktion von SP/Juso/PFG wollte dem Tourismusverein prompt die gewährten 100000 Franken wieder streichen. Das Parlament einigte sich schliesslich darauf, den Betrag zu halbieren. Seit 2015 erhält der Verein nun einen Beitrag von 450000 Franken.

Gasttaxe mit Finanzspritze kombiniert

Im vergangenen Jahr hätte mit der Verdoppelung der Gasttaxe von 2.50 Franken auf 5 Franken dem Verein 200000 Franken in die Kasse gespült werden sollen. 1.50 Franken hätten in freie Fahrten für Touristen mit dem ÖV investiert werden sollen. Der letzte Franken war für die Kasse des Tourismusvereines gedacht. Das Parlament empfand die Vorlage als Mogelpackung und wies diese an den Stadtrat zurück.

Wie das Parlament nun auf die jüngste Vorlage reagiert, ist offen. Zu erwarten ist aber, dass dieses Geschäft zu diskutieren geben wird. Insbesondere vor dem Hintergrund des am Montag präsentierten Budgets der Stadt für das kommende Jahr. Es weist einen budgetierten Aufwandüberschuss von 9,7 Millionen Franken aus.


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