Tanzen gegen X-Beine

BALLETT ⋅ Beide nehmen Tanzunterricht, weil es der Wunsch der Mutter war. Doch nun lieben beide das Tanzen, die 8-jährige wie auch die 17-jährige Schülerin. Wenn auch aus verschiedenen Gründen.
02. Oktober 2017, 05:18
Marlen Hämmerli

Marlen Hämmerli

marlen.haemmerli@tagblatt.ch

Statt im Theater zu sitzen, und den Tänzern nur zuzuschauen, können Kinder und Erwachsene auch selber aktiv werden. Rund ums Jahr bietet die Theatertanzschule Kurse an (siehe Kasten). Eine der Schülerinnen ist Naeli Heydenreich. Deren Mutter träumte lange davon, Ballettunterricht zu nehmen. Doch weil es in ihrem Heimatdorf kein ­Angebot gab, nahm sie erst als ­Erwachsene Tanzunterricht.

Ihre Tochter Naeli sollte nicht so lange wie sie warten. Bereits mit vier Jahren besuchte sie den Kurs «Tanz und Spiel» der Theatertanzschule St.Gallen und wechselte dann ins Ballett. «Es macht mir sehr, sehr Spass», sagt Naeli und lächelt scheu. «Die Lehrerin ist wahnsinnig nett und man muss den Spagat nicht machen, wenn es nicht geht.» Stattdessen rutscht die Achtjährige nur so weit wie möglich in die Position. Jedes Mal ein Stückchen weiter, bis sie es dann irgendwann in den Spagat schafft. Das ist nämlich ihr erklärtes Ziel.

Hobbytänzer sollten nicht nur kritisiert werden

Der Tanzlehrerin von Naeli, Mina Freuler, sind zwei Dinge wichtig: «Die Kinder sollen Spass haben, und ich möchte sie zum Lernen animieren.» Stehen die Kinder an der Ballettstange und klagen, es sei langweilig, ständig die Beine zu beugen, erklärt ihnen Freuler: «Das ist die Vorstufe für den Sprung.»

Auch sollen Hobbytänzer nicht zu viel kritisiert werden. Freuler führt die Schüler stattdessen über Berührungen in die richtige Position. Wichtig seien auch Komplimente. So bleibe die Lust am Tanzen erhalten, wie es bei Naeli der Fall ist. Neben dem Ballett geht sie auch noch in den Gitarren- und den Gesangsunterricht. Von den drei Hobbys ist ihr das Tanzen aber am liebsten: «Es ist am abwechslungsreichsten.»

Diese Aussage kann Nadine Brendle nur bestätigen. Die Kantonsschülerin tanzt «schon immer» und besucht derzeit nicht nur den Ballettunterricht, sondern nimmt auch Kurse in Jazz Dance, Contemporary und Fusion. Zum Tanzen kam Brendle wie Naeli über ihre Mutter. «Sie träumte vom Tanzen und steckte mich deswegen ins Ballett. Und wohl auch weil ich etwas X-Beine hatte», fügt die 17-Jährige mit einem Lachen hinzu. Schnell fand Brendle aber gefallen am Tanzen und könnte heute nicht mehr ohne sein: «Es hilft mir, mich von Stress zu lösen. Wenn ich tanze, bin ich ganz bei mir.» Gerade als Ausgleich zur Schule sei das gut.

Mit professionellen Tänzern auf einer Bühne

Vergangenen Mai stand Brendle gemeinsam mit Naeli und deren Mutter auf der Bühne. Denn einmal pro Schuljahr veranstaltet die Theatertanzschule eine Aufführung, an der die Schüler ihr Können zeigen. «Wir wollen aber nicht nur einen Tanz nach dem anderen aufführen, sondern diese zu einer Geschichte verbinden», sagt die administrative Leiterin Gina Besio. Beteiligt sind Vierjährige und über 40-Jährige, Hobbytänzer und professionelle Tänzer vom Theater. «Mit der Theatertanzschule öffnet sich das Theater.» Oft seien Leute der Meinung, die Schule sei nur für Interne. Das stimme aber nicht. «Theatermitarbeiter können die Kurse besuchen, Schauspieler und alle anderen.»


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